SaveAleppo in Kiew: Ukrainer protestieren gegen das Vorgehen Russlands in Syrien

Wie auch Bürger aus anderen europäischen Staaten verfolgen die Ukrainer die Ereignisse in Aleppo mit Schrecken. “Russland verdient Sondersanktionen wegen der Situation in Aleppo”, meinte der ukrainische Präsident, Petro Poroschenko, bei einem Telefongespräch mit dem Präsidenten des Europarats, Donald Tusk.

Am 12. Dezember wurde das Netz mit Meldungen von Bewohnern aus Aleppo geflutet, die darauf hofften, dass die Weltgemeinschaft auf die Situation in der Stadt aufmerksam wird. Im Internet gab es Kurzvideos und Fotos, womit die Bürger aus Aleppo erklärten, dass mit jeder weiteren Stunde ihre Hoffnung darauf sinkt, das Bombardement zu überleben.

Am 15. Dezember fand bei der russischen Botschaft in Kiew eine öffentliche Protestaktion gegen das Vorgehen Russlands in der syrischen Stadt Aleppo statt. Trotz des eisigen Wetters kamen mehrere Dutzend Menschen vor die diplomatische Vertretung, um ihre Solidarität mit dem syrischen Volk und ihre Empörung über das Vorgehen Russlands, das die Regierungsarmee von Assad unterstützt, zu äußern. Mitarbeiter des Ukraine Crisis Media Centers (UCMC) schlossen sich der Kundgebung an und erfuhren dabei, welche Forderungen die ukrainischen Protestteilnehmer stellten und ob es ihnen gelang, mit Botschaftsvertretern zu sprechen.

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Gegen 10 Uhr morgens versammelten sich zirka 100 Personen vor der russischen Botschaft. Die Protestteilnehmer forderten, das Bombardement der syrischen Stadt Aleppo zu beenden. Gerade durch die Beteiligung Russlands am Krieg in Syrien und durch deren Luftwaffe stieg die Zahl der zivilen Opfer um ein vielfaches.

Während der Protestaktion hängten Aktivisten am Zaun der Botschaft Fotos von den grausamen Folgen der Bombardements auf. Ihre Plakate erinnerten auch an frühere Kriege, die Russland in den letzten Jahren geführt hatte – in Tschetschenien, Georgien und der Ukraine.

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Auch in anderen ukrainischen Städten fanden am 15. Dezember ähnliche Aktionen statt – in Lwiw und Charkiw.

“Wir konnten diesem Schrecken nicht einfach ruhig zusehen. Wir schämen uns, dass wir bislang keine solchen Aktionen durchführten. Wir waren zu sehr mit den Problemen in unserem Land beschäftigt. Aber wir sehen, dass man auf die Opfer in Syrien, wie auch in der Ukraine, gleichgültig reagiert. Deshalb wollten wir Syrien unterstützen. Wir können den Syrern nicht mit militärischen Mitteln helfen, aber wir können uns an der Meinungsbildung beteiligen, um Druck auf Politiker auszuüben”, sagte Alya Schandra, Koordinatorin des Projekts “Euromaidan Press” und Mitorganisatorin der Aktion.

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Sie ist davon überzeugt, dass die Ukrainer wie niemand anderer die Tragödie der Zivilbevölkerung in Aleppo versteht, die Opfer einer russischen Aggression ist: “Wir wissen, was es heißt, wenn die “russische Welt” plötzlich zu Dir nach Hause kommt. Assad könnte nicht so lange durchhalten, gäbe es nicht die militärische, diplomatische und mediale Unterstützung durch Putin. Wir verstehen, dass die russische Aggression nicht nur ein ukrainisches, sondern ein globales Problem ist. Wir können sie nur durch internationale Solidarität und Zusammenarbeit überwinden.”

Die Organisatoren forderten unter anderem eine Unterbrechung des Bombardements von friedlichen Zivilisten in Aleppo, sowie das Verbot des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen, die Schaffung eines Grünen Korridors für die Bewohner von Aleppo und zusätzliche Sanktionen gegen Russland.

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“Ich will die Syrer unterstützen, unter denen vor allem Kinder sterben. Wenn man darüber nachdenkt, könnte so etwas auch in Kiew passieren. Deshalb darf es einen nicht gleichgültig lassen”, sagte Ruslan Huzul, Unternehmer und Protestteilnehmer.

Nach Meinung von Ruslan Huzul kann die Ukraine nur ihre Unterstützung äußern, während die USA und Deutschland entschieden ihre Kräfte einsetzen müssen, jene Schrecken zu stoppen, die in Syrien passieren.

Noch vor wenigen Monaten gingen ukrainische Aktivisten auf die Straße und forderten die Freilassung des ukrainischen politischen Häftlings Gennadij Afanasjew, der in einem russischen Gefängnis saß (Artikel auf Deutsch). Heute kam Gennadij persönlich zu der Kundgebung bei der russischen Botschaft. Er weiß wie kein anderer, was Solidarität bedeutet.

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“Nicht Kugeln töten, sondern Gleichgültigkeit”, sagte er gegenüber den Journalisten von UCMC. “Die heutige Solidarität drückt unsere Unterstützung eines Volkes aus, das gerade in diesem Moment stirbt. Wir können nicht mehr schweigen. Nicht mehr, nach dem, was in Georgien, in Tschetschenien, in der Ukraine und in Syrien passiert ist. Als das in Georgien war, machte ich persönlich nichts, wofür ich mich heute schäme.”

An der Kundgebung beteiligten sich auch Syrer, Tschetschenen und Bürger anderer Länder. Mohammed Sajdija von der Syrischen Gemeinde, sagte: “Ich bin gekommen, um “nein” zur russischen Politik in Syrien zu sagen. Die Russische Föderation soll in Syrien zum Frieden beitragen und kann das auch tun, aber leider erweist sie sich als Konfliktpartei und dabei sterben sehr viele Menschen. Das, was heute in Aleppo passiert, ist fürchterlich. Man kann es nicht in Worte fassen. Gerade wird über einen Fluchtkorridor für die Bewohner von Aleppo verhandelt. Russland, die Türkei und der Iran spielen bei diesem Prozess eine große Rolle.”

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Die Tschetschenen, die sich ebenfalls an der Kundgebung beteiligten, sehen in dem Vorgehen Russlands in Syrien die gleiche Grausamkeit, den gleichen Zynismus und die gleiche Missachtung der Zivilbevölkerung, wie in Tschetschenien. Gerade Russland trägt eine wesentliche Schuld an dieser Tragödie.

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“In Tschetschenien machte es Russland genau gleich. Bei den Bombardements starben friedliche Zivilisten, Kinder, Frauen und Alte. Bisher begreift die Weltgemeinschaft nicht die Gefahr, die von diesem Staat mit seinen imperialistischen Ambitionen ausgeht und weist ihn nicht in die Schranken. All das wird dauern. Politischer Druck auf Russland ist sehr wichtig. Sanktionen müssten maximalst verschärft werden, ohne irgendeine Möglichkeit, sie wieder aufzuheben”, meinte die tschetschenische Freiwillige, Amina Okujewa.

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Während der einstündigen Protestaktion kam niemand aus der russischen Botschaft zu den Demonstranten heraus. Und diese Reaktion zeigt die Position des Landes im syrischen Krieg: ihm sind die Toten egal.

Bislang dauert der zynische Beschuss von Aleppo an. Russland beharrt weiterhin auf seinem Standpunkt und behindert andere, etwas an der Situation zu ändern. Durch den russischen UN-Botschafter Vitalij Tschurkin wird jede Resolution des Sicherheitsrats blockiert. Die Ukraine versteht, was die Syrer derzeit fühlen. In der Vergangenheit blockierte Russland auch alle UN-Entscheidungen zur Lage im Donbass, während dort ukrainische Zivilisten und Soldaten starben. Gerade deshalb darf man in Bezug auf Syrien nicht schweigen.

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