Kiew
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Projekt DE NE DE: Wie man die Kulturobjekte in den Regionen der Ukraine bekannter macht

Kiew, 15. Dezember 2016.

Moderne Kunst war lange Zeit ein Privileg der Hauptstadt und von Millionenstädten, doch allmählich erobert sie von dem urbanen Getto die Regionen der Ukraine. 2016 begann die Kunstabteilung des Ukraine Crisis Media Center zusammen mit modernen Künstlern aus der Ukraine ein Projekt, dessen Ziel darin besteht, interessante Plätze in den Regionen der Ukraine zu besuchen und wie man sie in öffentliche Plätze umwandeln könnte. Über die Ergebnisse der Expeditionen berichteten die Organisatoren und Teilnehmer des Projekts.

Von Februar bis Dezember 2016 besuchten die Mitglieder der selbstorganisierten Kunstinitiative “DE NE DE” (“Wo nicht wo”) Kleinstädte in verschiedenen Regionen der Ukraine: Orbita, Nowgorod-Sewerskj, Lisitschansk, Ponasna, Rubischne, Sewerodonezk, Woronesch, Schostka, Cherson, Gola Prystan, Lubny und andere. Insgesamt fanden sieben Expeditionen statt an denen sich 95 Künstler und Kulturschaffende beteiligten. Darüber berichtete Olha Hontschar, die Projektkoordinatorin aus der Kunstabteilung des Ukraine Crisis Media Centers und Teilnehmerin der Ausstellungen in Lisitschansk, Rubischne, Sewerodonezk und anderen Städten.

Die Ausstellungsteilnehmer riefen im Rahmen der Initiative “DE NE DE” dazu auf, sein Heimatland zu lieben und zu kennen

Ein Ziel der Initiative war, weniger bekannte und kaum erreichbare, aber dafür um so interessantere Städte in der Ukraine zu erkunden. Nach Angaben von Ewgenija Moljar, Mitglied der Initiative, entstand das Motto “Liebe und kenne Dein Heimatland” während der Expedition in der Stadt Lubny. In der Sowjetzeit bekamen Schüler an den Schulen die Aufgabe, Aufsätze zu schreiben, in denen interessante Orte und Ereignisse aus ihrer Heimat thematisiert werden sollten. Diese Tradition wird an ukrainischen Schulen fortgesetzt.

Moderne Objekte des öffentlichen Raums

In jeder Stadt erkunden die Künstler den Einfluss des Dekommunisierungsprozesses auf die Umgestaltung der Stadtumgebung und des historischen Andenkens. Dabei legen die Künstler besondere Aufmerksamkeit auf die Erhaltung des kulturellen Erbes und der Erneuerung der Subkultur.

Die Teilnehmer fanden verlorene Elemente der kulturellen Infrastruktur in einer Stadt (zum Beispiel stillgelegte Kinos, Kulturhäuser oder Bibliotheken). Sie entwickelten Mechanismen, diese Objekte in moderne, funktionierende öffentliche Räume umzugestalten. Außerdem arbeiteten sie Szenarien und Projekte aus, um diese Objekte zu transformieren.

“Die grundlegende kreative Methode unserer Initiative ist Spontaneität. Während der Reisen flanierten wir oftmals durch die Stadt”, erklärte Ewgenja Moljar. “Das ist eine sehr gute Möglichkeit, sich die Stadt und das Wechselspiel zwischen Stadt und Einwohnern zu erschließen. Andernfalls gingen wichtige Einzelheiten verloren. Jeder Künstler fand dabei seinen eigenen Blickpunkt und sein eigenes Thema.”

Die erste Reisegruppe bestand aus 9 Personen, die mit dem Ziel nach Schostka im Gebiet von Sumy aufbrachen, um die Fabrik “Swema” zu untersuchen, die eine Art Relikt aus der Sowjetzeit darstellt (Anmerkung von UCMC: sie wurde 1931 gegründet, die Film-, Foto-, Tonband- und Kassettenmaterial herstellte).

“Außer Kulturobjekte interessierten uns Objekte der sowjetischen Infrastruktur: Kulturhäuser, Kinos, Cafes oder Parks, die heute vielfach verlassen sind”, ergänzte Ewgenja Moljar. “Auch Provinzmärkte waren von großem Interesse, wo sich die Kommunikation von Kleinstädten und Dörfern konzentriert.”

Jeder kann bei der Initiative mitmachen

Der Reiseteilnehmer Alexander Dolgij meinte: “Es handelt sich um eine absolut offene Initiative, der sich jeder anschließen kann.”

Aus seiner eigenen Erfahrung ist er davon überzeugt, dass man die Plätze auf jede Art und auf verschiedene Weise prüfen kann. Es ist auch nicht notwendig, offizielle Plätze wie lokale Heimatkundemuseen oder Bibliotheken zu besuchen. Ewgenja Moljar ergänzte, dass es dabei nicht immer notwendig ist, mit den Lokalbewohnern zu sprechen, es reicht, zu beobachten. Alexander Dolgij meinte seinerseits, dass man “durch die Kneipen zieht und sich mit den Leuten unterhält.”

Interessante, unentdeckte Plätze können für den Tourismus entwickelt werden

“Auf unseren Reisen untersuchten wir die Infrastruktur der Ukraine: Hotels und wie man zu den Orten kommt”, erklärte Olha Hontschar als wichtigen Aspekt für Tourismus.

Um nach Orbita im Gebiet von Tscherkassy zu kommen, musste man ein Privatfahrzeug mieten, da es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt. In Perejaslaw-Chmelnizkij, das nur eine Stunde von Kiew entfernt ist, gibt es ein “Museum zur zivilen Nutzung des Weltraums”, das in einer Kirche funktioniert. Und solch interessante Plätze existieren in der ganzen Ukraine sehr viele.

Die Mitglieder der Initiative “DE NE DE” planen, noch mehr Städte und Ortschaften zu besuchen, insbesondere stehen Tscherwonograd, Nowgorod-Wolynskij, Kotowsk und viele andere auf dem Plan.

Die Reiseergebnisse der Initiative “DE NE DE” sind auf deren Facebook-Seite einzusehen: https://www.facebook.com/denedenede

Das Projekt der Kulturreisen in die Regionen der Ukraine wird mit dem Ziel durchgeführt, den lokalen Kontext zu untersuchen und die regionalen Besonderheiten kennen zu lernen. Es wird von der Kunstabteilung des Ukraine Crisis Media Centers zusammen mit der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung in der Ukraine unterstützt.

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