Kiew
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Junge Führungskräfte auf dem Land in der Ukraine

Fotos: Deutsche Welle

Das Ukraine Crisis Media Center veröffentlicht eine Übersetzung des gekürzten Artikels von der „Deutschen Welle“ über die Erfolge der Dezentralisierung in Bezug auf das Alter.

Bereits 2014 begann die Staatsführung die Dezentralisierungsreform umzusetzen. Die Organe der lokalen Selbstverwaltung erhielten dabei mehr Vollmachten und ihre Zuständigkeit änderte sich für sie. Außerdem entstanden kleinere, logistisch effektivere Verwaltungseinheiten. Aber es gibt einen weiteren, beachtenswerten Aspekt der Dezentralisierung: die Anzahl der jungen Fachkräfte in den Ämtern nahm zu.

Die ersten Tage im Amt

Oleg Karapinka ist mit seinen 22 Jahren bereits seit zwei Wochen der jüngste Dorfvorsitzende in der Ukraine. In diesem Sommer schloss er seinen Bachelor an der Lwower Nationaluniversität ab, aber er will noch weiter studieren: er schrieb sich zum Master für Unternehmensverwaltung ein. Dabei wäre es sein drittes Diplom. Er hat bereits eins des Lwower Collage für Funkelektronik und eins des Samborskij Collage für Kultur und Kunst.

Ihm unterstehen zwei Dörfer bei Gorodezk im Gebiet von Lwow – Drosdowitschi und Galitschane – mit insgesamt fast 1.500 Einwohnern.

Die ersten Tage im neuen Amt waren für ihn nicht schwierig. „Ich bin nicht zufällig und unvorbereitet in dieses Amt gekommen. Ich war zuvor bereits zwei Jahre Abgeordneter im Bezirksrat und kenne die Besonderheiten. Außerdem unterhielt ich mich oft mit dem vorherigen Dorfvorsitzenden. Ich wusste, was mich erwartet“, erzählt Karapinka. Und obwohl gerade das Empfangszimmer des Vorsitzenden leer ist, kommen doch jeden Tag vereinzelte Besucher. Normalerweise bitten sie um die Registrierung eines Grundstücks oder um die Beantragung staatlicher Subventionen.

Karapinka meint, dass diese Fälle nicht schwierig seien. Man müsse aber viele Dokumente durchsehen, weshalb es viel Zeit in Anspruch nimmt. Das Einzige, zu was er in den ersten zwei Wochen kam, war, neben seinen direkten Pflichten, den Schrank mit Papieren, die sein Vorgänger hinterlassen hatte, aufzuräumen. Von seinen Büchern brachte er bisher nur zwei in sein Büro: „Wie man Mikroprojekte für Gemeinden schreibt“ und „Beispiele zur Gestaltung von Geschäftsdokumenten“. Um ehrlich zu sein: wenn man nicht weiß, welches Dokument unterschrieben werden muss, legt man es zur Seite und erkundigt sich. Dann, am nächsten Tag, kann man es unterschrieben.

Große Ambitionen

Karapinka gesteht ein, dass er große Ambitionen hat: zuerst will er Abgeordneter des Gebietsrats werden, und dann in die Werchowna Rada. Die große Politik interessiert ihn seit Kindesbeinen. Durch die Beobachtung von Wahlen lernte er zwei Dinge: Vorsicht bei Parteien und keine leeren Versprechen. So trat er bei seiner Wahl ohne Versprechen an und ohne Unterstützung einer Partei.

Sein Wahlkampf war nicht schwierig, da er nur einen Konkurrenten hatte, der dazu noch doppelt so alt wie er war. „Mich kannte man bereits als Abgeordneten. Man wusste, dass ich etwas tun will. Wir fingen mit der Straßenreparatur in Galitschane an – mit Pflastersteinen, weil sie weniger kosten als Asphalt. Wenn irgendein Schlagloch entsteht, ist es leichter, Pflastersteine zu ersetzen, als den Asphalt zu flicken. Außerdem wurden Mittel gefunden, um medizinisches Gerät für die Arztpraxis in Drosdowitschi zu kaufen und um die Lautsprecheranlage im Rathaus von Galitschane zu erneuern“, berichtete er.

Die genannten Dörfer sind nicht die ärmsten. In ihrem Gebiet gibt es eine Ziegelei, sowie ein Unternehmen, das kleine Gummifußmatten für Autos herstellt. Das Budget für die beiden Dörfer liegt zusammen bei knapp einer Million Hryvna (32.600 Euro). Das ist nicht viel, aber auch nicht wenig, meint Karapinka. Nach seiner Einschätzung brauchen sie zirka 200.000 Hryvna, um die Dörfer mit LED-Straßenlaternen auszustatten. Aber er hat auch andere Pläne: Straßen in die Nachbardörfer von Drosdowitschi, Ausbau des Stadions, oder eine Wasserversorgung für die Dorfbewohner. Für alle Pläne wird das Geld nicht reichen. Aber dafür möchte der junge Dorfvorsitzende Subventionen aus dem Bezirks- oder Gebietsbudget beantragen.

Die Jugend befürwortet den neuen Vorsitzenden

Die Jugend ist hier optimistisch, weshalb sie dem jungen Dorfvorsitzenden ihre Stimme gaben. Sie glauben, dass er sie besser versteht. „Wenn man etwas will, tut man auch etwas dafür. Er war im Bezirksstadtrat und das heißt, dass er bereits Ahnung hat“, meint Roman Tschjornyj, ein Junge aus dem Dorf, über den neuen Dorfvorsitzenden.

Doch mehrere Ältere haben Vorurteile gegenüber der jüngeren Generation. Zum Beispiel Maria Scharowska, 45 Jahre alt, die als Buchhalterin im galizischen Landrat arbeitete und daher mit Dutzenden Dorfvorständen Erfahrungen sammelte. „Die Jungen meinen, dass sie kommen und alles machen. Aber so geht das nicht. Das sind staatliche Mittel. Es kann vorkommen, dass Gelder nicht sofort genehmigt werden, um sie auszugeben. So schnell läuft das nicht. Doch die Jungen sind jung. Sie wollen alles und das sofort“, meinte Scharowska.

Kampf ums Land

Um alles sofort machen zu können, muss das Dorf Einnahmen generieren, meint Karapinka. Dafür, so seine Meinung, muss das Dorf vor allem Land zurückbekommen, das unlautere Unternehmen an sich rissen. Dabei handelt es sich um 515 Hektar, hauptsächlich in der Nähe des Sees. Und wenn es dem Dorfvorsitzenden gelingen sollte, dieses Land zurückzubekommen, will er dort einen Erholungsbereich mit Stränden und der übrigen Infrastruktur anlegen. Damit könnten die Dörfer Geld verdienen. Und das ist das Ziel der jungen Vorsitzenden: seine Ortschaften reich zu machen.

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