Kiew
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Übersicht der ukrainischen Pressenachrichten, August 2017

Übersicht der ukrainischen Pressenachrichten, August 2017

Die Situation im Kampfgebiet in der Ostukraine

Waffenruhe zum Schulbeginn. Seit dem 25. August gilt im Kampfgebiet im Osten der Ukraine anlässlich des Schulbeginns eine Waffenruhe. Sie wurde während eines Telefongesprächs zwischen dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und den Staats- und Regierungschefs der Länder des Normandie-Formats vereinbart. Der ukrainische Stab der Anti-Terror-Operation (ATO) sowie die OSZE stellen fest, dass seit Beginn der Waffenruhe die Rebellen weniger aktiv sind, es aber weiterhin bewaffnete Provokationen gibt. So hätten am ersten Tag der Waffenruhe die Rebellen 18 Mal das Feuer auf ukrainische Stellungen eröffnet. Zwei Soldaten der ukrainischen Streitkräfte wurden dabei verwundet.

Zivilbevölkerung in Gefahr. Nach Angaben der OSZE sind zwischen dem 1. Januar und 14. August 2017 insgesamt 350 Zivilisten durch Kampfhandlungen zu Schaden gekommen. 65 wurden getötet, davon 28 durch Minen. 285 Zivilisten wurden verletzt, davon wurden 65 Opfer von Minen, nicht explodierten Geschossen und anderen Sprengsätzen. Am 15. August ist durch Artilleriebeschuss seitens der Rebellen im Dorf Werchnotorezke (Region Donezk) ein Feuer ausgebrochen. Zehn Häuser brannten aus. Am 20. August beschossen die Rebellen mit Granatwerfern Häuser friedlicher Bewohner in Marjinka und Sajzewe. Am 21. August wurde von den Separatisten das kleine Dorf Nowokamjanka in der Region Donezk beschossen, wodurch es völlig niederbrannte.

OSZE. Der erste stellvertretende Vorsitzende der OSZE-Sonderbeobachtermission, Alexander Hug, hat mitgeteilt, dass die Beobachter der Mission erneut in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden seien. So habe am Sonntag ein Vertreter der sogenannten “Volksrepublik Luhansk” die OSZE-Beobachter am Checkpoint bei Stanyzja Luhanska mit Waffen bedroht. Trotz dieses Vorfalls hat die OSZE-Sonderbeobachtermission am 19. August bei Stanyzja Luhanska mit Patrouillen rund um die Uhr begonnen.

Treffen zwischen Volker und Surkow. Am 21. August hat in Minsk ein Treffen zwischen dem US-Sonderbeauftragten für die Ukraine Kurt Volker und dem russischen Präsidenten-Berater Wladislaw Surkow stattgefunden. Das Treffen fand hinter verschlossenen Türen statt. Einzelheiten des Gesprächs sind nach wie vor nicht bekannt. Mehr Informationen dazu auf der Webseite des UCMC.

Dritter Jahrestag der Tragödie von Ilowajsk. Am 28. August hat die Ukraine des dritten Jahrestags der Tragödie von Ilowajsk gedacht. Am 18. und 19. August 2014 hatte das ukrainische Militär einen bedeutenden Teil von Ilowajsk im Gebiet Donezk befreit. Doch am 19. August begann das russische Kommando mit einem Gegenangriff, bei dem Artillerie- und Raketenwerfer-Systeme eingesetzt wurden. Am 22. August wurde eine Gruppierung der Terroristen in der Nähe von Ilowajsk durch Einheiten der regulären russischen Armee verstärkt. Am 29. August versuchten die ukrainischen Bataillone, aus der Einkesselung zu entkommen und wurden dabei überfallen. Zuvor hatte die russische Regierung offiziell einen Korridor für die ukrainischen Soldaten zugesagt. Als jedoch die ukrainischen Truppen den Kessel verließen, wurden sie von Einheiten der russischen Armee niedergeschossen.

Der oberste ukrainische Militär-Staatsanwalt Anatolij Matios hat eine vollständige Liste der Soldaten vorgelegt, darunter auch nicht identifizierter, die bei der Tragödie von Ilowajsk zwischen dem 12. und 29. August 2014 ihr Leben ließen. Insgesamt stehen 366 Personen auf der Liste. Freiwillige behaupten allerdings, dass die tatsächliche Zahl der Opfer um ein Vielfaches höher ist. Ein Grund für die unterschiedlichen Einschätzungen der Opferzahlen ist, dass jene eingekesselten ukrainischen Kräfte teilweise Freiwilligen-Bataillonen der territorialen Verteidigung angehörten, die zwar zu den offiziell einberufenen und dem Verteidigungsministerium unterstellten Kräften zählten, aber damals noch nicht vollständig in die Armee eingegliedert und daher nicht genau erfasst waren.

Das Leben in den “Volksrepubliken Donzek und Luhansk”

“Donezker Volksrepublik” lehnt Gefangenen-Austausch nach ukrainischer Formel ab. Vertreter der sogenannten “Donezker Volksrepublik” in der humanitären Untergruppe bei den Verhandlungen in Minsk haben es abgelehnt, die Gefangenen nach der von der ukrainischen Seite vorgeschlagenen Formel auszutauschen. Das teilte Wiktoria Talakina auf ihrer Facebook-Seite mit. Sie ist Presse-Sekretärin von Denis Puschilin, eines führenden Mitglieds der illegalen Organisation “Donezker Volksrepublik”. Talakina zufolge teilt die ukrainische Seite weiterhin die Listen der Gefangenen in Untergruppen und Kategorien auf. “Die Diskussion in der Untergruppe zu humanitären Fragen dreht sich weiterhin um die Frage, was ‘alle gegen alle’ bedeutet, so Talakina. In den Kommentaren zu ihrem Post auf Facebook äußern sich Anhänger der illegalen Organisation entrüstet darüber, dass die “Donezker Volksrepublik” den vorgeschlagenen Austausch von Gefangenen ablehne.

Wie die Ukraine ihren Unabhängigkeitstag feierte

Auf dem Chreschtschatyk, dem Kiewer Haupt-Boulevard, ist am 24. August anlässlich des Unabhängigkeitstages der Ukraine eine Militärparade abgehalten worden. An ihr waren 4500 ukrainische Soldaten beteiligt, darunter Veteranen und ATO-Teilnehmer. Erstmals nahmen an der Parade Militärs aus NATO-Staaten teil, darunter aus Großbritannien, Kanada, den USA und anderen Ländern. Danach fand im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt der “Marsch der Ungebrochenen” statt. An ihm beteiligten sich Angehörige von Menschen, die als Mitglieder von Freiwilligen-Bataillonen in der ATO-Zone ums Leben gekommen sind. Darüber hinaus gab es auf einem Teil des Chreschtschatyk eine Ausstellung von Kriegsgerät aus in- und ausländischer Produktion, insgesamt rund 70 Stück. Gezeigt wurden unter anderem Kampfpanzer, Panzerwagen, Raketensysteme und Artilleriewaffen, aber auch Kampf- und Sanitätsfahrzeuge sowie Fahrzeuge für die Armee, den Grenzschutz und die Nationalgarde.

Zum Unabhängigkeitstag der Ukraine hat das UCMC einen Artikel mit den interessantesten Zahlen über die Ukraine seit ihrer Unabhängigkeit vor 26 Jahren zusammengestellt. So zählt laut der UNESCO die Ukraine zu den zehn Ländern mit dem höchsten Grad der Alphabetisierung. Zweimal konnte die Ukraine den Eurovision Song Contest gewinnen und ihn zweimal in Kiew austragen. Die Ukraine gehört mit einem plus von 27 Prozent zu den fünf Ländern, die im Nation Brands Index 2016 das dynamischste Wachstum hingelegt haben. Viele weitere interessante Zahlen sind hier nachzulesen.

Menschenrechte:
Folter auf der Krim, Appell an die UNO, Verbrechen gegen Journalisten

Zwei krimtatarische Männer, die am 10. August nach einer Hausdurchsuchung im Dorf Nowoklenowe von russischen Sicherheitskräften festgenommen worden waren, sind Opfer von Folter geworden. Sie wurden unter anderem mit Elektroschocks gequält, teilte der Koordinator der Kontaktgruppe für Menschenrechte auf der Krim, Abdureschit Dschepparow, mit, berichtet Krym.Realii.

Krimtatare, zu 15 Jahren Haft verurteilt, appelliert an die UNO. Der in Russland gesetzwidrig verurteilte Bewohner der Krim, Ruslan Sejtullajew, hat sich in einem offenen Brief an die Vereinten Nationen gewandt. Darin ruft er dazu auf, den Druck gegen Moskau fortzusetzen, um alle ukrainischen politischen Gefangenen freizubekommen. Ferner solle sich die UNO für die Einhaltung der Rechte und Freiheiten der krimtatarischen Bevölkerung einsetzen. Sejtullajews Brief vom 27. Juli hat die Vertretung der Ukraine bei den Vereinten Nationen auf Twitter veröffentlicht.

Verbrechen gegen Journalisten. Im ersten Halbjahr 2017 wurden in der Ukraine 149 Straftaten gegen Medienarbeiter registriert. Das teilte die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft auf eine Anfrage desInstituts für Massenmedien mit. Bisher wurden nur 14 Fälle vor Gericht gebracht.

Kultur: Ausstellung “Projekt Enejida” –
Das ukrainische 20. Jahrhundert in der Gestalt des Kosaken Aeneis

In Kiew hat ein Kunstprojekt begonnen, in dessen Mittelpunkt die Figur des Aeneis steht, des Helden des Dramas “Enejida” des ukrainischen Schriftstellers Iwan Kotljarewskyj. Er gilt als Pionier der ukrainischen literarischen Schriftsprache. Kotljarewskyj übertrug Klassiker wie Vergils Aeneis auf burleske Art in die damalige Sprache des ukrainischen Volkes, indem er griechische Götter als Kosaken auftreten ließ.

Das “Projekt Enejida” im Nationalen Kunstmuseum vereint rund 200 Artefakte: Illustrationen, Malerei und Grafik, Theaterplakate, Karikaturen, Foto- und Videomaterial sowie Bücher. Die bekannteste illustrierte Ausgabe des Dramas ist die von 1968. Die Illustrationen von Anatolij Basylewytsch waren für die damalige Zeit revolutionär. Die Ausstellung deckt das Ende des 19. und vollständig das 20. Jahrhundert ab. Sie zeigt  die Sicht ukrainischer und internationaler Künstler auf die Figur von Aeneis und die Kosaken als Ganzes und geht auch der Frage nach, wie sich der historische Hintergrund der Epoche in den Bildern widerspiegelt.

Das Projekt ist ein Beispiel für eine Partnerschaft von privaten Galerien mit staatlichen Museen. Für die Ausstellung wurden Exponate aus Archiven von Museen aus der ganzen Ukraine sowie aus privaten Sammlungen verwendet.

Nachfolgend eine Auswahl an englischen Interviews, Analysen und Videos zur Situation in der Ukraine
ReportagenDrei Verletzte durch Explosion in Kiew – Reportage von Hromadske International

Tillerson: Die USA unterstützen die Ukraine – Reportage von UNIAN

Meinung

Tag der russischen Abhängigkeit – Kolumne von Roman Tsymbaliuk für UNIAN

Ex-Präsident Krawtschuk: Der Minsk-Prozess kann den Krieg im Donbass nicht stoppen –  Artikel von UNIAN

Analyse

Was hat der Ukraine-Besuch des Pentagon-Chefs zu bedeuten? – Analyse von Hromadske International

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