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“Der Tesla unter den E-Bikes”: Was man über den ukrainischen “Elon Musk” wissen sollte

“Der Tesla unter den E-Bikes”: Was man über den ukrainischen “Elon Musk” wissen sollte
Kiew, 09. Februar 2018.

Während in diesen Tagen die Welt auf den Start von Elon Musks Rakete schaut, macht auf dem ukrainischen Markt ein kleines Unternehmen von sich Reden. Es hat das E-Bike wirklich revolutioniert. Die Erfindung wird auch als der “Tesla unter den E-Bikes” bezeichnet. Die Elektro-Motorräder haben bei Laufzeiten mit einer Akkuladung bereits Weltrekorde gebrochen. Das UCMC stellt das erfolgreiche ukrainische Start-up-Unternehmen vor.

Vom Lieferservice bis zur technologischen Innovation

Das ukrainische Unternehmen Delfast startete bereits im Jahr 2014 als Kurierdienst für Waren. Lieferzeit: eine Stunde. Die Idee war, Online-Shops zu ermöglichen, ungeduldige Kunden zufrieden zu stellen und gleichzeitig dabei die Umwelt zu schonen. Elektro-Motorräder kamen dabei als das ideale Transportmittel für den Kurierdienst in Frage: mobil, sparsam und umweltfreundlich zugleich.

Daniel Tonkopiy, Gründer von Delfast, berichtet, wie es dazu kam, dass seine Firma damit begann, E-Bikes zu bauen: “Vor drei Jahren habe ich mit meinem Partner die Firma Delfast gegründet – den Lieferservice innerhalb einer Stunde. Wir fingen an, die Waren von Online-Shops so schnell wie ein Pizzaservice auszuliefern. Damit haben wir die Logistik in der Ukraine total verändert. Früher dauerten Lieferungen mehrere Tage, doch wir begannen, die Ware sofort nach Bestellung auszuliefern. Schließlich wartet niemand gerne auch nur eine Sekunde.”

Zu den Kunden zählen Tonkopiy zufolge die größten ukrainischen Unternehmen: darunter die PrivatBank, der Mobilfunkanbieter Kyivstar sowie die Online-Shops Allo, Moyo, Rozetka und hunderte andere Firmen. Delfast ist in Kiew und Odessa aktiv. Vor kurzem ist das Unternehmen in Polen (Warschau) und Kasachstan (Almaty) an den Start gegangen. Im Frühjahr soll eine  Niederlassung im polnischen Krakau und im ukrainischen Dnipro eröffnet werden.

Anfangs nutzte Delfast chinesische Elektro-Motorräder, doch dann begann das Team, eigene E-Bikes zu bauen.

Weltrekord um ein Vielfaches übertroffen

Das erste Modell des ukrainischen E-Bikes erreichte eine Geschwindigkeit von 95 Kilometern pro Stunde und konnte mit einer Akkuladung 60 Kilometer zurücklegen. Das neueste Delfast-Modell, das “Prime”, schafft mit einer Akkuladung 380 Kilometer – mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 bis maximal 55 Stundenkilometer. Die Palette wurde schließlich um das Modell “Top” erweitert, das auf 80 Stundenkilometer beschleunigt werden kann. Hinzu kam das Model “Lite”, das aus einem leichteren Rahmen besteht und zu einem relativ niedrigen Preis zu haben ist.

“Wir haben einen Weltrekord aufgestellt. Das ukrainische Delfast-E-Bike schaffte im Velodrom in Kiew mit einer einzigen Akkuladung 367 Kilometer. Das ist ein offizieller Guinness-Rekord. Zum Vergleich: Der vorherige Guinness-Rekord lag bei 80 Kilometer. Wir haben also die Laufleistung nicht nur verbessert, sondern um ein Vielfaches übertroffen, was es in der Welt bisher gab”, berichtet Tonkopiy.

Er selbst ist mit einer Akkuladung auf der Strecke Kiew-Lwiw 380 Kilometer gefahren und hat dies auf Video aufgezeichnet.

“Wir haben den Transport auf zwei Rädern revolutioniert”, sagt der Delfast-Gründer stolz und fügt hinzu: “Wir haben auf dem Markt für Fahrräder und Motorräder einen Durchbruch erreicht, so wie Elon Musk es auf dem Automarkt geschafft hat! Wir haben den Tesla unter den E-Bikes gebaut.”

Wer könnte die Erfindung brauchen?

Erste internationale Reaktionen auf die Erfindung der Ukrainer zeigen, dass die E-Bikes weltweit Interesse finden könnten. In jedem Land gibt es lokale Behörden und kommunale Dienstleister, die ein leichtes Transportmittel brauchen. E-Bikes sind im Betrieb deutlich günstiger als Autos. Das spart öffentliche Gelder auf allen Ebenen. Darüber hinaus können E-Bikes von der Polizei, in der Armee, von Ärzten, im Postdienst und in anderen Bereichen gebraucht werden.

Interesse an ukrainischen E-Bikes im Ausland

  • Im September 2017 präsentierte Delfast seine E-Bikes auf der Messe “Interbike” in Las Vegas.
  • Die kanadische Regierung hat Delfast eine Million Dollar angeboten, wenn das Unternehmen seinen Sitz nach Kanada verlegt.
  • Die irische Regierung hat bis zu zwei Millionen Dollar angeboten, wenn das Hauptquartier nach Irland verlegt wird.
  • Dem Unternehmen wurde auch angeboten, nach Polen zu ziehen.
  • Die kasachische Regierung hat einen Zuschuss von mehreren hunderttausend Dollar angeboten, wenn Delfast dort eine Niederlassung eröffnet.

Wo liegt das Problem des “ukrainischen Musk”?

Das Problem, mit dem die ukrainischen Konstrukteure konfrontiert wurden, ist ganz einfach. Gegenwärtig sind die Produktionskosten der Bikes noch zu hoch. Daher sind sie in vielen Ländern noch nicht erschwinglich. Das günstige Modell “Lite” kostet zwischen 2449 und 3489 Dollar (im Einzelhandel 4160), das Basismodell “Prime” zwischen 2989 und 4289 Dollar (im Einzelhandel 5180) und das Model “Top” zwischen 3829 und 5879 Dollar (im Einzelhandel 6890).

Die Preise könnten gesenkt werden, wenn das Unternehmen eine Massenproduktion seiner E-Bikes in Gang bringen könnte. Aber vorerst fehlt diesbezüglich den Entwicklern Unterstützung, insbesondere auch seitens des ukrainischen Staates.

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