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1412. Kriegstag: Russische Angriffe, Selenskyj besetzt wichtige Ämter neu, Trump zu Putin-Residenz

Russland greift Energieinfrastruktur von Charkiw und ein medizinisches Zentrum in Kyjiw an

In der Nacht vom 5. auf den 4. Januar haben russische Streitkräfte die Ukraine mit 9 ballistischen Raketen vom Typ Iskander-M S-300 sowie 165 Kampfdrohnen vom Typ Shahed und Gerbera und anderen Drohnentypen angegriffen. Nach vorläufigen Angaben wurden im Norden, Zentrum und Osten des Landes 137 feindliche Drohnen abgeschossen bzw. unterdrückt.

An 10 Standorten wurden Treffer durch ballistische Raketen und 26 Angriffsdrohnen registriert, außerdem fielen an 9 Standorten Trümmerteile herab. Am 5. Januar waren in Dnipro, Charkiw und Kyjiw Explosionen zu hören. Russland, der Aggressor, griff Charkiw mit ballistischen Raketen und Dnipro mit Drohnen an. 

Der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, sagte, der russische Angriff auf die Stadt sei ein Versuch der Russen, “uns mit Angst und Dunkelheit zu brechen”. Er bestätigte, dass Russland erneut die Energieinfrastruktur von Charkiw mit fünf Raketen angegriffen hat. “Der Schaden ist immens. Es geht nicht nur um zerstörte Gegenstände. Es geht um die Heizung, das Wasser, um das normale Leben der Menschen”, betonte der Bürgermeister. Ihm zufolge bedeutet dies für Charkiw nur eines: “Wir werden durchhalten. Wir werden wieder aufbauen. Wir werden leben.”

Außerdem griff die russische Besatzungsarmee Kyjiw an, wobei ein medizinisches Zentrum in Brand geriet und ein Mensch ums Leben kam. Andrij Kowalenko, Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, erklärte, dass der russische Angriff auf das Medicom-Krankenhaus in Kyjiw am 5. Januar vorsätzlich gewesen sei. “Die Russen haben ein Krankenhaus in Kyjiw mit einem Volltreffer getroffen”, schrieb er auf Telegramm.

Warum muss Selenskyj die Machtvertikale “neu ordnen”?

In den ersten Tagen des neuen Jahres 2026 leitete Präsident Woodymyr Selenskyj eine umfassende Umstrukturierung ein. General Kyrylo Budanow, der Chef des Militärgeheimdienstes HUR, wurde zum Leiter des Präsidialamts ernannt, und Mychajlo Fedorow wird das Verteidigungsministerium leiten. Die Zeitung Ukrajinska Prawda wollte herausfinden, warum sich Selenskyj Budanow ausgesucht hat, warum der Technokrat Mychajlo Fedorow das Verteidigungsministerium übernehmen soll und was diese Umbesetzungen für die Regierung und des Landes bedeuten.

Als der Leiter des Präsidialamts, Andrij Jermak, zurücktrat und der Präsident aktiv nach einem Nachfolger suchte, zählten Fedorow und Budanow zu den beiden aussichtsreichsten Kandidaten. Nach seiner Rückkehr von den Gesprächen in Mar-a-Lago Ende 2025 intensivierte Selenskyj die Verhandlungen mit den beiden Favoriten und entschied sich für Budanow. Möglicherweise spielte der Hintergrund der Gespräche mit Trump bei dieser Entscheidung eine entscheidende Rolle. Selenskyj erklärte, die Wahl des Leiters des Präsidialamtes sei ein Ergebnis von Verhandlungen. “Ich verstärke das Verhandlungsteam. Das ist es, was ich tue”, sagte der Präsident Reportern auf die Frage nach Budanows Wahl.

Budanow war in seiner vorherigen Position einer der wenigen, die es wagten, parallel und privat Kontakt zu verschiedenen Bereichen im Trump-Team zu pflegen: von General Keith Kellogg bis zum Team von Vizepräsident JD Vance. Obwohl Andrij Jermak, direkt und über den Präsidenten, diese Kanäle ständig zu blockieren versuchte. Budanow genießt in den Augen der Amerikaner zwei große Vorteile. Erstens hat er eine realistische Einschätzung der Kriegslage, was Verhandlungen mit ihm ermöglicht. Zweitens ist er nicht in die jüngsten Korruptionsskandale verwickelt, wodurch jegliches Reputationsrisiko bei Gesprächen mit ihm ausgeschlossen ist. Darüber hinaus ist Budanov wohl die einzige Person im Land, die direkte Arbeitskontakte zu den Russen unterhält. Er hat mit ihnen über Gefangenenaustausche gesprochen und beispielsweise im Zuge der jüngsten diplomatischen Bemühungen des neuen US-Teams separate persönliche Gespräche in den Vereinigten Arabischen Emiraten geführt.

Die Stärkung des Verhandlungsteams und die “Dezentralisierung” der Kontakte zu den Amerikanern dürften die wichtigsten Veränderungen sein, die Budanows Ernennung mit sich bringen wird. Als Leiter des Präsidialamts wird Budanow die Verhandlungen auf ukrainischer Seite über das Ende des Krieges, Garantien der USA und ihrer Partner sowie andere Sicherheitsfragen führen. Als Chef des HUR hatte er im vergangenen Jahr wiederholt versucht, dem Präsidenten ein realistisches Bild davon zu vermitteln, wie Jermak in den USA behandelt wird, wie man seine Verhandlungsführung und seine generelle Eignung für solche Verhandlungen beurteilt. Nun hat er die Gelegenheit, auf diesem Weg Ergebnisse vorzuweisen. Angesichts immer höherer Zustimmungswerte bei den Wählern bietet das die Möglichkeit, zum Architekten des Friedens zu werden und eine echte Chance für Budanow, den letzten Schritt zu gehen, der ihn von der großen öffentlichen Politik trennt.

Alle anderen Personalentscheidungen der letzten Tage bestärken den Eindruck, dass Selenskyj versucht, sich ein neues System aufzubauen. Durch dieses Prisma sollte die zweitwichtigste Personalveränderung betrachtet werden: Mykhailo Fedorow soll anstelle von Denys Schmyhal Verteidigungsminister werden. Fedorow unternimmt bereits seit Jahren unermüdliche Versuche, Verteidigungsminister zu werden. Der Minister für digitale Transformation ist einer der Haupttreiber des technologischen Wandels in der Armee während des gesamten Krieges. Wie mehrere Augenzeugen gegenüber der Ukrajinska Prawda berichteten, entwickelt Fedorow ständig verschiedene technische Lösungen für die jeweiligen Einsatzsituationen. Die Ernennung eines neuen Verteidigungsministers wird auch den Weg für noch nicht angekündigte, aber bereits absehbare Personalveränderungen auf höchster Ebene des Armeekommandos ebnen.

Parallel zum Verteidigungsminister leitet Selenskyj eine umfassende Reform wichtiger Strafverfolgungsbehörden ein. Die Staatliche Grenzpolizei hat einen neuen Chef. Auch der Grenzschutzdienst wird in Kürze einen neuen Leiter haben. Der langjährige Chef des Grenzschutzdienstes, Generalleutnant Serhij Dejneka, wurde ebenfalls entlassen, um möglicherweise mehreren Beschaffungsskandalen zuvorzukommen.

Trump glaubt russischen Behauptungen über ukrainischen Angriff auf Putins Residenz nicht

US-Präsident Donald Trump hat erklärt, er glaube nicht Russlands Behauptungen über einen angeblichen ukrainischen Angriff auf die Residenz von Diktator Wladimir Putin. Das berichtet Reuters. “Ich glaube nicht, dass dieser Angriff stattgefunden hat”, sagte Trump am 4. Januar an Bord der Air Force One gegenüber Reportern.

Moskau hatte zuvor erklärt, dass die russische Luftabwehr zwischen dem 28. und 29. Dezember einen Angriff von 91 ukrainischen Drohnen auf die Residenz von Diktator Wladimir Putin in der Region Nowgorod abgewehrt habe. Am 31. Dezember berichtete das Wall Street Journal, dass US-Geheimdienste zu dem Schluss gekommen seien, dass die Ukraine keinen Angriff auf Putins Residenz verübt habe, was Moskaus Behauptungen über einen solchen Angriff widerspreche. Laut WSJ-Quellen wurde diese Einschätzung von der US-amerikanischen National Security Agency (NSA) vorgenommen und durch eine Einschätzung der US-amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA) gestützt.