Taganrog in Russland von Drohnen angegriffen
In Taganrog, Gebiet Rostow, Russland, waren in der Nacht zum 30. März laute Explosionen zu hören. Anwohner berichten vom größten Drohnenangriff auf die Stadt seit Kriegsbeginn. Der Gouverneur der russischen Region, Jurij Sljusar, behauptet, die russische Flugabwehr habe bei einem “massiven Drohnenangriff” angeblich über 60 Drohnen in Taganrog und sechs Bezirken der Region “zerstört”. Die Bürgermeisterin von Taganrog, Swetlana Kambulowa, gab bekannt, dass bei dem Anschlag eine Person getötet und acht weitere verletzt wurden. Außerdem seien drei Industrieanlagen sowie Häuser und Autos beschädigt worden.
Der Telegram-Kanal Astra berichtet, dass im Internet veröffentlichte Videos den Einsatz der russischen Luftabwehr in Taganrog über Wohngebäuden dokumentieren. Detonationen am Boden seien nach dem Einschlag einer Pantsir-Rakete erfolgt, daher seien alle Auswirkungen auf zivile Gebäude ausschließlich auf den Einsatz der russischen Luftabwehr zurückzuführen, schreibt Petro Andrjuschtschenko, Leiter des ukrainischen Zentrums für Besatzungs-Forschung.
Im Februar 2026, so die Website Defense Express, sollte das Flugzeugwerk in Taganrog Reparaturen und gegebenenfalls Modernisierungen an drei Tu-95MS-Flugzeugen durchführen. Es fungiert außerdem als Entwickler und Hersteller von Radarüberwachungsflugzeugen der Typen A-50 und A-100 Premier sowie von Amphibienflugzeugen des Typs Be-200 (basierend auf dem Projekt A-40 Albatros). Berichten zufolge könnte dieses Flugzeugwerk in die Produktionskette russischer Drohnen des Typs Molnija eingebunden gewesen sein. Nach vorangegangenen Angriffen der ukrainischen Streitkräfte verzeichnete das Werk 2025 einen Verlust in Höhe von umgerechnet 65 Millionen US-Dollar, während es 2024 noch einen Gewinn in Höhe von umgerechnet 15 Millionen US-Dollar erwirtschaftet hatte.
Im Januar 2026 hatten der ukrainische Geheimdienst SBU und die Marine der Streitkräfte das Werk von Atlant Aero in Taganrog (Region Rostow) angegriffen. Das Unternehmen deckt den gesamten Zyklus von Entwicklung, Produktion und Erprobung von Aufklärungs- und Kampfdrohnen des Typs Molnija sowie von Komponenten für die Drohne Orion ab. Im Werk brach ein Feuer aus.
EU ohne “Plan B” zur Bereitstellung von 90 Milliarden Euro für die Ukraine
Trotz der Forderungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach alternativen Optionen für die Verteilung eines von Ungarn blockierten europäischen Kredits in Höhe von 90 Milliarden Euro, verfügt die EU derzeit über keinen entsprechenden “Plan B”. Während der ukrainische Präsident auf der Entwicklung alternativer Finanzinstrumente besteht, behaupten zahlreiche Gesprächspartner der ukrainischen Zeitung European Truth in Brüssel, dass es derzeit keine Alternative zu dem 90-Milliarden-Paket gebe.
Das heißt nicht, dass die EU sich weigert, nach einem Ausweg zu suchen, aber es gibt heute keinen offiziellen “Plan B”. “Keine der in diesen Diskussionen erörterten Optionen erscheint zum jetzigen Zeitpunkt rechtlich durchführbar, betonen die Quellen einhellig”, heißt es in dem Artikel. Sollte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban die Genehmigung des Kredits auch nach der Wahl verweigern, diskutieren europäische Beamte verschiedene Gegenmaßnahmen, darunter die Möglichkeit, das ungarische Veto zu umgehen. Ein positives Ergebnis der Situation in der EU zeigt sich in einer konkreten Kette von drei Ereignissen.
“Zuerst sollen in Ungarn Wahlen stattfinden. Dann sollte die Ukraine die Druschba-Ölpipeline in Betrieb nehmen. Und erst mit dem dritten Schritt, nach diesen beiden, hebt Orban sein Veto auf. Und nur wenn der dritte Schritt nach den ersten beiden nicht erfolgt, wird ernsthaft an Plan B gearbeitet”, heißt es in dem Artikel. Wie die Medien berichten, diskutiert die EU fünf verschiedene Optionen für Aktionspläne für den Fall, dass die Partei des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban die Parlamentswahlen gewinnt.
Selenskyj befindet sich auf einer Reise durch den Nahen Osten
Die Reduzierung der direkten US-Militärhilfe und die weltweite Aufmerksamkeit auf den Krieg mit dem Iran veranlassen Kyjiw dazu, sich anderen Partnern für finanzielle und militärische Unterstützung zuzuwenden. Dies wird in einem analytischen Artikel des Wall Street Journal (WSJ) dargelegt, der der Reise des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj durch Länder des Nahen Ostens gewidmet ist, die von Iran angegriffen werden. In dem Artikel wird betont, dass der ukrainische Staatschef dies auf der Suche nach neuen wohlhabenden Verbündeten tut.
Kyjiw versucht, die wohlhabenden Golfstaaten, die seit Russlands großangelegter Militärinvasion in der Ukraine weitgehend eine neutrale Haltung eingenommen haben, davon zu überzeugen, dass sie einen gemeinsamen Feind haben und dass die Ukraine ein verlässlicher Partner gegen ihn ist, berichtet das WSJ. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien haben diplomatische Gespräche geführt und einen Gefangenenaustausch ermöglicht, gleichzeitig haben die arabischen Länder jedoch keine Sanktionen gegen Russland verhängt und von einer politischen Isolation Moskaus abgesehen.
“Selenskyjs Bemühungen um die Stärkung neuer Beziehungen im Nahen Osten kommen zu einem kritischen Zeitpunkt für die Ukraine”, erklärt der Autor. Die Reduzierung der direkten US-Militärhilfe und die allgemeine Konzentration auf den Krieg mit dem Iran zwingen Kyjiw dazu, sich an andere Partner um Hilfe zu wenden. Die Ukraine glaubt, dass sie sich durch die Bereitstellung ihrer Ausrüstung und ihrer beispiellosen Erfahrung im Kampf gegen Drohnen in Notfällen die Gunst der ölproduzierenden Staaten sichern und deren Unterstützung bei Fragen des Wiederaufbaus, des Energiebedarfs und der Abschreckung Russlands durch Sanktionen gewinnen kann, schreibt das WSJ.
Ein direktes Ergebnis des Besuchs von Wolodymyr Selenskyj war die Unterzeichnung zweier strategischer Partnerschaftsabkommen mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Die Ukraine hat zehnjährige Kooperationsabkommen mit Saudi-Arabien und Katar unterzeichnet, ein weiteres Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten befindet sich in Vorbereitung. Diese Abkommen werden ukrainischen Rüstungsexporteuren im Wert von Milliarden Dollar zugutekommen, da die Länder eine gemeinsame Produktion in der Ukraine und der Region anstreben. Ein weiteres wichtiges Anliegen Selenskyjs auf dieser Reise war die langfristige Zusammenarbeit im Energiesektor, wie das WSJ berichtet. Der Präsident erklärte, er habe während seines Besuchs im Nahen Osten zugesagt, die Ukraine für mindestens ein Jahr mit Dieselkraftstoff zu beliefern.
Am 26. März traf Präsident Wolodymyr Selenskyj in Saudi-Arabien ein. Später verkündete er die Unterzeichnung eines Verteidigungs-Kooperationsabkommens zwischen den Verteidigungsministerien beider Staaten. Am 28. März besuchte der ukrainische Präsident die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar und traf sich mit den Staatschefs. Selenskyj kündigte die Unterzeichnung eines zehnjährigen strategischen Kooperationsabkommens zwischen der Ukraine und Katar sowie den bevorstehenden Abschluss eines ähnlichen Abkommens mit den Emiraten an. Am 29. März erörterte Selenskyj Sicherheitsfragen mit dem jordanischen König Abdullah II. Am 30. März berichtete er, dass die Ukraine im Rahmen von Verhandlungen mit den Führern der Golfstaaten eine Vereinbarung über gegenseitige Unterstützung im Verteidigungs- und Energiesektor getroffen habe. Es handele sich dabei insbesondere um Zehnjahresverträge zur Lieferung von Marinedrohnen.

