{"id":130899,"date":"2020-12-04T18:17:40","date_gmt":"2020-12-04T16:17:40","guid":{"rendered":"https:\/\/uacrisis.org\/crimea-new-research"},"modified":"2020-12-04T18:19:11","modified_gmt":"2020-12-04T16:19:11","slug":"crimea-new-research","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uacrisis.org\/de\/crimea-new-research","title":{"rendered":"Warum verschwinden Menschen auf der Krim? Neue Studie von CrimeaSOS"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Am 1. Dezember 2020 wurde beim Ukraine Crisis Media Center (UCMC) eine Studie der gesellschaftlichen Organisation CrimeaSOS \u00fcber das Verschwindenlassen von Menschen auf der Krim in den Jahren 2014 bis 2020, also seit der Besetzung der Halbinsel durch die Russischen F\u00f6deration, vorgestellt. Dies ist bereits die zweite derartige Studie des Teams von CrimeaSOS. Mit der ersten wurden alle F\u00e4lle zwischen 2014 und 2017 systematisiert &#8211; darunter die Angaben zu Opfern, die sp\u00e4ter tot aufgefunden, freigelassen oder verhaftet wurden. Das Schicksal mancher ist bis heute unbekannt. Was fordern die Aktivisten von den ukrainischen Beh\u00f6rden und der internationalen Gemeinschaft?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Angaben von CrimeaSOS sind in den fast sieben Jahren russischer Besatzung der Krim 44 Menschen auf der Halbinsel unfreiwillig verschwunden. Das Schicksal und der Aufenthaltsort von 15 von ihnen ist weiterhin unbekannt. Es handelt sich dabei um Timur Shaimardanov, Seyran Zinedinov, Islam Dzhepparov, Dzhevdet Islamov, Eskender Apselyamov, Mukhtar Arislanov, Ruslan Ganiev, Arlen Terekhov, Ervin Ibragimov, Eskender Ibraimov, Valery Vashchuk, Ivan Bondarec, Wasyl Chernysh, Fedir Kostenko und Arsen Aliev. Sie alle sind pro-ukrainische und krimtatarische Aktivisten oder Familienangeh\u00f6rige einiger von ihnen. Die von der NGO CrimeaSOS vorgestellte Studie ist gerade diesen 15 Menschen gewidmet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geschichten, Reaktionen und Aktionen.<\/strong>&nbsp;Die Pr\u00e4sentation der Studie beim UCMC konzentrierte sich auf drei Hauptaspekte: die Geschichte der Menschen und Familien, die Reaktion der ukrainischen Beh\u00f6rden und die Bem\u00fchungen der internationalen Gemeinschaft, nach den Vermissten zu suchen und Straflosigkeit zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Veranstaltung waren Angeh\u00f6rige vermisster Menschen auf der Krim zugeschaltet, darunter Abdureshit Dzhepparov (Vater von Islam Dzhepparov und Onkel von Dzhevdet Islamov) und Larisa Shaimardanova (Mutter von Timur Shaimardanov). Sie erz\u00e4hlten von den Umst\u00e4nden, unter denen ihre Verwandten verschwunden waren, wie die Suche nach ihnen und die Untersuchungen dieser Verbrechen verliefen.<\/p>\n\n\n\n<p>Larisa Shaimardanova beklagte, sie vermisse Aufmerksamkeit seitens des ukrainischen Staates, wenigsten f\u00fcr ihren Enkel, den Sohn von Timur Shaimardanov, der inzwischen 14 Jahre alt sei. &#8220;Seine Stimme ist der unseres Sohnes sehr \u00e4hnlich. Es f\u00e4llt mir schwer, mit ihm am Telefon zu sprechen&#8221;, sagt sie. Das Leben habe sich nach der Besetzung der Krim durch Russlands v\u00f6llig ver\u00e4ndert. &#8220;Davor hatten wir ein normales Familienleben. Jetzt haben unsere Kinder und Enkelkinder die Krim ohne Timur verlassen, sie leben in der Westukraine&#8221;, so Shaimardanova. Mit vielen Verwandten in Russland k\u00f6nne kein normaler Kontakt aufrechterhalten werden. Ganz Russland sei f\u00fcr diese Trag\u00f6die verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Veranstaltung sagte Abdureshit Dzhepparov, Vater des vermissten Islam Dzhepparov, unter anderem, als er von russischen Ermittlern auf der Krim zur Vernehmung vorgeladen worden sei, habe ihm der Leiter der Untersuchungsbeh\u00f6rde gesagt, er solle sich daran gew\u00f6hnen. Im Kaukasus passiere dies fast jeden Tag. Deshalb sei das Verschwinden von Menschen eine gew\u00f6hnliche Sache.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sagt die ukrainische Regierung?<\/strong>&nbsp;Bei der Veranstaltung sagte Kyrylo Kopijka, Vertreter der Staatsanwaltschaft der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol, die sich derzeit in Kiew befindet, dass Strafverfahren wegen des Verschwindenlassens von Menschen auf der besetzten Krim eingeleitet worden seien. In einigen F\u00e4llen seien Verd\u00e4chtige identifiziert worden. Doch mangels Zugangs zum Territorium der Krim seien wirksame Ermittlungen und eine strafrechtliche Verfolgung von T\u00e4tern durch ukrainische Beh\u00f6rden schwierig.<\/p>\n\n\n\n<p>Jewhen Jaroschenko von CrimeaSOS betonte gegen\u00fcber QirimInfo, die ukrainischen Beh\u00f6rden sollten mehr tun, um Opfer von F\u00e4llen von Verschwindenlassen auf der Krim zu finden und diese Verbrechen zu untersuchen. &#8220;Im Vergleich zu anderen schrecklichen Menschenrechtsverletzungen auf der besetzten Krim wird diesen Verbrechen nicht gen\u00fcgend Aufmerksamkeit geschenkt&#8221;, so Jaroschenko.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kann die internationale Gemeinschaft helfen?<\/strong>&nbsp;Ihm zufolge k\u00f6nnten sich personenbezogene Sanktionen seitens der internationalen Partner der Ukraine gegen diejenigen, die an F\u00e4llen von Verschwindenlassen beteiligt sind, positiv auf die Untersuchung solcher F\u00e4lle auswirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschluss der Pr\u00e4sentation erinnerte Olha Kuryschko von CrimeaSOS, die die Veranstaltung moderierte, daran, dass ihre Organisation als eine der ersten der UN-Arbeitsgruppe \u00fcber gewaltsames und unfreiwilliges Verschwindenlassen Informationsmaterial vorgelegt habe, n\u00e4mlich zum Fall Ervin Ibragimov. Sie sagte auch, dass CrimeaSOS und der ukrainische Helsinki-Verband f\u00fcr Menschenrechte im Jahr 2020 Ervin Ibragimovs Vater geholfen h\u00e4tten, im Zusammenhang mit dem Verschwinden seines Sohnes beim Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte eine Klage einzureichen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Wir werden weiterhin daran arbeiten und st\u00e4ndig an die F\u00e4lle von Verschwindenlassen von Menschen erinnern, auch daran, dass diese Taten nicht ungestraft bleiben d\u00fcrfen. Wir hoffen, dass wir eines Tages herausfinden werden, was damals passiert ist, und dass alle, die an diesen Verbrechen beteiligt sind, zur Rechenschaft gezogen werden &#8211; sowohl die direkten Vollstrecker als auch die Russische F\u00f6deration selbst als Besatzungsmacht auf der Halbinsel Krim&#8221;, sagte Kuryschko.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. 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