{"id":52668,"date":"2016-04-22T21:02:46","date_gmt":"2016-04-22T21:02:46","guid":{"rendered":"http:\/\/uacrisis.org\/?p=42385"},"modified":"2017-03-08T14:21:47","modified_gmt":"2017-03-08T12:21:47","slug":"42385-francais-tchornobyl-30-ans-apres-des-problemes-anciens-sous-le-nouveau-sarcophage-les-lecons-de-tchornobyl-10-choses-qu-il-faut-savoir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uacrisis.org\/de\/42385-francais-tchornobyl-30-ans-apres-des-problemes-anciens-sous-le-nouveau-sarcophage-les-lecons-de-tchornobyl-10-choses-qu-il-faut-savoir","title":{"rendered":"Tschernobyl, 30 Jahre sp\u00e4ter: Radioaktiver Zugzwang?"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieses Jahr begeht die Welt den 30. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe, die weltweit die Vorstellung vom &#8220;sicheren Atom&#8221; ver\u00e4ndert und kommenden Generationen eine Menge von Problemen hinterlassen hat. Wie ging die Bew\u00e4ltigung der Katastrophe vonstatten? Ist es gelungen, die Folgen der Katastrophe zu minimieren? Steht die Ukraine mit ihrer Trag\u00f6die allein da?<\/em><\/p>\n<p><em>Das Ukraine Crisis Media Center (UCMC) hat versucht, diesen schwierigen Fragen in einem Gespr\u00e4ch mit Jurij Kostenko nachzugehen, der pers\u00f6nlich an der Bew\u00e4ltigung des Tschernobyl-Problems beteiligt war. Der ehemalige ukrainische Minister f\u00fcr Umwelt und Reaktorsicherheit (1992-1998) und stellvertretende Vorsitzender des einstigen parlamentarischen Ausschusses zur Untersuchung der Ursachen der Tschernobyl-Katastrophe war an Gespr\u00e4chen zur Bew\u00e4ltigung der Katastrophe beteiligt. Er war es, der im Jahr 1995 ein Memorandum \u00fcber Verst\u00e4ndigung unterzeichnete, das zur kompletten Stilllegung des Kernkraftwerks Tschernobyl im Jahr 2000 f\u00fchrte.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/92858d688168fdcecf45e705736e68d3127410294987.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"lazyload alignnone size-full wp-image-42387\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1024 768'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/92858d688168fdcecf45e705736e68d3127410294987.jpg\" alt=\"92858d688168fdcecf45e705736e68d3127410294987\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Die Lehren von Tschernobyl: 10 Dinge, \u00fcber die man Bescheid wissen sollte<\/strong><\/p>\n<p><strong>Konstruktionsm\u00e4ngel oder Fehler der Mitarbeiter: Was geschah wirklich in Tschernobyl?<\/strong><\/p>\n<p>Nach 1986 versuchte die sowjetische Propaganda die ganze Welt davon zu \u00fcberzeugen, dass die Katastrophe in Tschernobyl durch Fehler des Betriebspersonals ausgel\u00f6st wurde, das im AKW einen Versuch durchf\u00fchrte. Aber die Nachforschungen des Untersuchungsausschuss, die sich sowohl auf den Angaben von Wissenschaftlern der ehemaligen Sowjetunion als auch ukrainischer Experten gr\u00fcndeten, haben gezeigt, dass die Katastrophe auf Konstruktionsfehler bei Hochleistungsreaktoren vom Typ RBMK zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Dieser Fehler bestand gerade darin, dass beim Bet\u00e4tigen des Schalters &#8220;Stop&#8221; &#8211; falls der Reaktor, laut Betriebsanleitung, au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t &#8211; dieser nicht heruntergefahren, sondern im Gegenteil, beschleunigt wird.<\/p>\n<p><strong>Ist eine Wiederholung \u00e4hnlicher Katastrophen heute m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p>Heute sind RBMK-Reaktoren nur noch in Russland in Betrieb (Atomkraftwerke von Belojarsk, Kursk, und Leningrad). Neben M\u00e4ngeln bei der Notabschaltung des Reaktors fehlt ihm zum Beispiel ein Sicherheitsbeh\u00e4lter (Containment), der den Reaktordruckbeh\u00e4lter umschlie\u00dft, um die Umwelt im Falle eines St\u00f6rfalls vor radioaktiver Kontamination zu sch\u00fctzen. Ein solcher Sicherheitsbeh\u00e4lter h\u00e4lt einer Atombombe oder einem Flugzeugabsturz stand. Reaktoren dieses Typs ohne einen Sicherheitsbeh\u00e4lter sind die gef\u00e4hrlichsten in der Welt. Trotz der Modernisierung solcher Kraftwerke sind die Gefahren nicht ganz beseitigt. Szenarien einer Katastrophe wie in Tschernobyl k\u00f6nnen sich wiederholen, solange auch nur ein Reaktor des Typs RBMK in Betrieb ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/8828968-ukraine-landscape.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"lazyload alignnone size-full wp-image-42388\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1920 1080'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/8828968-ukraine-landscape.jpg\" alt=\"8828968-ukraine-landscape\" width=\"1920\" height=\"1080\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Die sowjetische Propaganda<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der sowjetischen Propaganda war es der \u00d6ffentlichkeit durchaus bewusst, dass das AKW Tschernobyl und RBMK-Reaktoren gef\u00e4hrlich sind. Sogar zu Sowjetzeiten hatte es viele Publikationen gegeben, in denen vor einer Explosion dieses Reaktortyps gewarnt wurde. Schon vor 1986 hatte es F\u00e4lle gegeben, wo es wegen der Konstruktionsfehler bei RBMK-Reaktoren zu einer teilweisen Schmelze gekommen war, so zum Beispiel auch im AKW Tschernobyl und im AKW Leningrad. Wissenschaftler hatten versucht, den Beh\u00f6rden klarzumachen, dass der Betrieb dieser Reaktoren unsicher ist.<\/p>\n<p>Aber in der UdSSR wurde &#8220;gro\u00dfe Politik&#8221; gemacht. Die Reaktoren waren von der Akademie der Wissenschaften und deren Pr\u00e4sidenten Anatolij Aleksandrow konstruiert worden, der auch Leiter des Projekts war. Chefkonstrukteur war Nikolaj Dolljeschal. Die Kommunistische Partei hatte f\u00fcr den Reaktor &#8220;gr\u00fcnes Licht&#8221; gegeben.<\/p>\n<p>Ein weiterer fataler Fehler des sowjetischen totalit\u00e4ren Systems war die Tatsache, dass beim Bau aller Atomkraftwerke keine Ma\u00dfnahmen geplant wurden, um die Folgen m\u00f6glicher Unf\u00e4lle zu minimieren. Deshalb wurden gleich nach der Katastrophe viele Fehler gemacht, die zus\u00e4tzliche Probleme schufen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/1300896615_scn_0001-pr-s.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"lazyload alignnone size-full wp-image-42391\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1800 1104'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/1300896615_scn_0001-pr-s.jpg\" alt=\"1300896615_scn_0001-pr-s\" width=\"1800\" height=\"1104\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Ist eine &#8220;Liquidierung&#8221; unm\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p>Seit 1986 spricht man in der Regel von einer &#8220;Liquidierung&#8221; der Havarie in Tschernobyl. Aber es war von Anfang an klar, dass das Vorgehen des totalit\u00e4ren sowjetischen Systems absurd war. Es versuchte Folgen zu beseitigen, die man nicht &#8220;liquidieren&#8221; kann. Zum Beispiel betr\u00e4gt die Halbwertszeit einiger Radionuklide, wie bei Uran 239, 4,5 Milliarden Jahre. Kann ein Staat so etwas &#8220;liquidieren&#8221;? Das totalit\u00e4re sowjetische System traf politische Entscheidungen, ohne dabei die Wissenschaft\u00a0 und die Sicherheit zu beachten.<\/p>\n<p><strong>Der &#8220;Sarkophag-1&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>In einer Rekordzeit von neun Monaten wurde \u00fcber dem explodierten vierten Reaktorblock des Kraftwerks der &#8220;Sarkophag&#8221; errichtet. Schon zum Zeitpunkt der Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine im Jahr 1992 hatte er Risse, die insgesamt eine Fl\u00e4che von 1000 Quadratmetern ausmachten. Gebaut wurde er in Eile. Einer der tragenden Balken hing buchst\u00e4blich durch und verfehlte eine St\u00fctze um 15 cm. Das Bauwerk war von Anfang an instabil und undicht.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst hie\u00df es, der Sarkophag werde garantiert 50 Jahre halten, sp\u00e4ter hie\u00df es 30 Jahre. Aber schon am 20. Jahrestag der Trag\u00f6die war er in einem kritischen Zustand. So war ein Entl\u00fcftungsrohr bereits zusammengebrochen und in den l\u00f6chrigen Sarkophag drang Wasser ein, was eine Kettenreaktion und thermische Explosion h\u00e4tte verursachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"lazyload alignnone size-full wp-image-42390\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1400 980'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/1.jpg\" alt=\"1\" width=\"1400\" height=\"980\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Tschernobyl und die Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahre 1991 betrug das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine 71 Milliarden US-Dollar. Allein die direkten Ausgaben, um die Folgen der Katastrophe zu minimieren, beliefen sich auf sieben Milliarden. Aber es wurden nicht nur Gelder aus dem eigens geschaffenen Tschernobyl-Etat herangezogen, sondern auch von Unternehmen. Im Jahr 1992 waren 15 Prozent des ukrainischen Staatshaushalts f\u00fcr Tschernobyl bestimmt.<\/p>\n<p>Von Anfang an lag der L\u00f6sung des Problems ein falsches Wirtschaftsmodell zugrunde. Der Staat stockte proportional zur Strahlendosis die L\u00f6hne und Renten der Menschen auf, die in den kontaminierten Gebieten blieben. Je h\u00f6her die Dosis, desto h\u00f6her die Zuschl\u00e4ge. Im Ergebnis brauchten immer mehr Menschen medizinische Hilfe. Die Gesundheitsausgaben stiegen Jahr f\u00fcr Jahr. Im Ausland hingegen ist man bestrebt, dass Menschen, die in solchen Gebieten leben, saubere Milch, Nahrung und Wasser bekommen. Daf\u00fcr werden im Staatsetat wirtschaftliche Anreize geschaffen.<\/p>\n<p><strong>Warum blieb das AKW Tschernobyl bis zum Jahr 2000 in Betrieb?<\/strong><\/p>\n<p>Die wichtigste Frage in den ersten Jahren nach der Katastrophe war, warum das AKW Tschernobyl nicht unmittelbar nach der Katastrophe stillgelegt wurde. Bereits sechs Monate nach der Havarie, im Oktober 1986, wurde der erste und zweite Block wieder hochgefahren, im Dezember 1987 auch der dritte. Antworten auf diese Frage fehlen. Diese Entscheidung war v\u00f6llig absurd und ungerechtfertigt. Der Betrieb des Kraftwerks hatte weder wirtschaftlichen, noch wissenschaftlich-technischen Nutzen.<\/p>\n<p>Mehr noch, die Sicherheitslage in Tschernobyl war beunruhigend. Im Jahr 1991 h\u00e4tte sich die Trag\u00f6die im Block 2 fast wiederholt, wo es in der Steuerzentrale einen Brand gab. Es handelte sich damals um Sekunden. W\u00e4re der Reaktor au\u00dfer Kontrolle geraten, w\u00e4re es zu einer Havarie gekommen. Informationen dar\u00fcber wurden seinerzeit zun\u00e4chst sogar der Staatsf\u00fchrung vorenthalten. Gerade nach diesen Vorf\u00e4llen wurde entschieden, alle Reaktorbl\u00f6cke in Tschernobyl stillzulegen.<\/p>\n<p>Es gab zwei Auswege aus dieser Situation: entweder eine Modernisierung oder Stilllegung. Der Chefkonstrukteur des Kraftwerks meinte, man sollte die Reaktoren bis zum Jahr 2000 modernisieren und den Betrieb fortsetzen. Daf\u00fcr w\u00e4ren etwa eine Milliarde Dollar erforderlich gewesen, die die Ukraine aber nicht hatte. Gerade weil die Ukraine nicht in der Lage war, das AKW sicher zu betreiben, wurde eine Stilllegung beschlossen. Im Gegenzug erhielt die Ukraine Finanzhilfen, weil sie die Stilllegung allein nicht bew\u00e4ltigen konnte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/img1982934_SSHA_Denver_Vstrecha_glav_gosudarstv_i_pravitelstv_stran_vosmerki_Na_snimke_fotografiya_na_pamyat_na_kryishe_Denverskoy_gorodskoy_biblioteki.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"lazyload alignnone size-full wp-image-42392\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 3000 1972'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/img1982934_SSHA_Denver_Vstrecha_glav_gosudarstv_i_pravitelstv_stran_vosmerki_Na_snimke_fotografiya_na_pamyat_na_kryishe_Denverskoy_gorodskoy_biblioteki.jpg\" alt=\"img1982934_SSHA_Denver_Vstrecha_glav_gosudarstv_i_pravitelstv_stran_vosmerki_Na_snimke_fotografiya_na_pamyat_na_kryishe_Denverskoy_gorodskoy_biblioteki\" width=\"3000\" height=\"1972\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Wie die Ukraine gezwungen wurde, das AKW Tschernobyl zu schlie\u00dfen.\u00a0Die Rolle der internationalen Gemeinschaft<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine im Jahr 1992 beschloss die G7 bei ihrem Gipfel in Neapel im Juli 1994, dass das AKW Tschernobyl stillgelegt werden muss. Die Menschheit f\u00fcrchtete sich vor den Folgen der Katastrophe, denn vom Fallout waren auch L\u00e4nder wie Polen und Norwegen betroffen gewesen. Im Jahr 1995 f\u00fchrte eine ukrainische Delegation Verhandlungen mit den G7-Staaten durch. Das Hauptproblem war die Finanzierung.<\/p>\n<p>Die G7 war bereit, der Ukraine finanziell zu helfen, sofern sie zustimmen w\u00fcrde, Tschernobyl zu schlie\u00dfen. Damals, 1995, ging es um Finanzhilfen zur sicheren Entsorgung von Restbrennstoff aus dem AKW Tschernobyl, was in einem Aktionsplan festgeschrieben wurde. Am 20. Dezember 1995 wurde zwischen der Ukraine und der G7 ein Memorandum unterzeichnet, das einen detaillierten Plan zur Bew\u00e4ltigung des Tschernobyl-Problems vorsah. Es wurde im Namen der Ukraine vom Gespr\u00e4chspartner des UCMC, Jurij Kostenko, unterzeichnet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Kiev-UkrainianNationalChernobylMuseum_151.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"lazyload alignnone size-full wp-image-42393\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 3264 2448'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/uacrisis.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Kiev-UkrainianNationalChernobylMuseum_151.jpg\" alt=\"Kiev-UkrainianNationalChernobylMuseum_15\" width=\"3264\" height=\"2448\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>1998: Eine &#8220;Schutzh\u00fclle&#8221; nur f\u00fcr die Probleme?<\/strong><\/p>\n<p>Bei den Verhandlungen wollte die Ukraine den Westen von der Notwendigkeit \u00fcberzeugen, den Brennstoff zu bergen und endzulagern, anstatt nur eine Schutzh\u00fclle zu errichten. Aber die Ukraine verf\u00fcgte nicht \u00fcber die notwendige Infrastruktur, um eine solche Aufgabe zu bew\u00e4ltigen. Zudem w\u00fcrde eine Endlagerung Hunderte von Milliarden Dollar kosten.<\/p>\n<p>Nach 1998 hatten die westlichen Partner der Ukraine allm\u00e4hlich verstanden, dass es schwierig ist, finanzielle Verpflichtungen f\u00fcr ein solches Non-Profit-Projekt zu \u00fcbernehmen. Die Idee, den Kernbrennstoff zu bergen und sicher zu entsorgen, f\u00fchrte letztlich zum Plan, eine Schutzh\u00fclle zu bauen, also einen neuen Sarkophag: den Sarkophag-2.<\/p>\n<p>Der Sarkophag-2 sollte als neue Schutzh\u00fclle die Welt vor den bestehenden Gefahren in Tschernobyl bewahren. Man wollte sie so f\u00fcr 100 Jahre, so die Bestandsgarantie des Bauwerks, vergessen k\u00f6nnen. Die Lasten des k\u00fcnftigen Betriebs der Schutzh\u00fclle wird die Ukraine selbst tragen m\u00fcssen. Doch niemand wei\u00df, was mit der Schutzh\u00fclle in den n\u00e4chsten Jahren passieren kann. Wie schnell wird das Baumaterial erm\u00fcden? Wird es Naturkatastrophen geben, die das Bauwerk besch\u00e4digen und Radioaktivit\u00e4t freisetzen? Jedenfalls kann man klar sagen, dass dieses Projekt in Zukunft f\u00fcr weitere Probleme sorgen wird.<\/p>\n<p>Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 2,5 Milliarden Euro, die ein Konsortium aus franz\u00f6sischen und anderen europ\u00e4ischen Unternehmen \u00fcbernommen hat.<\/p>\n<p><strong>Was sind die Probleme des Projekts &#8220;Schutzh\u00fclle&#8221;?<\/strong><\/p>\n<p>Unter Bedingungen einer starken radioaktiven Strahlung h\u00e4lt kein Bauwerk so lange, wie urspr\u00fcnglich geplant. Dieses Schicksal ereilte schon den ersten Sarkophag und es gibt keine Garantie, dass es auch dem Sarkophag-2 so ergehen wird. Die Strahlung sch\u00e4digt die Baukonstruktionen, was k\u00fcnftigen Generationen weitere Probleme bereiten wird: und zwar die Entsorgung der Baumaterialien selbst, und das sind Tausende von Tonnen.<\/p>\n<p>Die internationale Gemeinschaft hat immer noch nicht entschieden, was in Zukunft mit dem ersten Sarkophag geschehen soll. Die einzig richtige L\u00f6sung w\u00e4re, den radioaktiven Schutt zu bergen und zu entsorgen. Auch der Sarkophag-2 ist nur eine vor\u00fcbergehende L\u00f6sung. In Zukunft k\u00f6nnte ein dritter Sarkophag n\u00f6tig werden.<\/p>\n<figure 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