{"id":53114,"date":"2016-04-29T20:00:08","date_gmt":"2016-04-29T20:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/uacrisis.org\/?p=42699"},"modified":"2017-03-08T14:20:46","modified_gmt":"2017-03-08T12:20:46","slug":"42699-2-ans-apres-la-tragedie-d-odessa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uacrisis.org\/de\/42699-2-ans-apres-la-tragedie-d-odessa","title":{"rendered":"Odessa zwei Jahre nach der Trag\u00f6die: Nur objektive Untersuchungen k\u00f6nnen den Spannungen in der Stadt ein Ende setzen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lQEJ7YXdhCk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">WATCH IN ENGLISH<\/a><\/p>\n<p><em><strong>Kiew, 29. April 2016<\/strong><\/em> &#8211; Am Vorabend des zweiten Jahrestags der tragischen Ereignisse in Odessa ist die Situation in der Stadt sehr angespannt. &#8220;Der Konflikt ist unterschwellig immer noch da&#8221;, sagte die Journalistin Tetjana Herasymowa w\u00e4hrend einer Pressekonferenz im Ukraine Crisis Media Center. <a href=\"http:\/\/2maygroup.blogspot.com\/\">Sie ist Mitglied der &#8220;Gruppe 2. Mai&#8221;.<\/a> Die gesellschaftliche Organisation f\u00fchrt unabh\u00e4ngige Untersuchungen der Trag\u00f6die vom 2. Mai 2014 durch.<\/p>\n<p>Damals waren in Odessa bei Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Anh\u00e4ngern des &#8220;Anti-Maidan Odessa&#8221; und proukrainischen Aktivisten sowie bei einem Brand im Gewerkschaftsgeb\u00e4ude Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Unklar ist bis heute, wer die t\u00f6dlichen Sch\u00fcsse abgab und wie genau das Geb\u00e4ude in Brand geriet. Festgenommen wurden damals in diesem Zusammenhang 20 Personen. Die Ermittler der Abteilung des Innenministeriums im Gebiet Odessa haben die Sache an ein Gericht in Odessa \u00fcbergeben.<\/p>\n<p><strong>Spannungen in Odessa dauern an<\/strong><\/p>\n<p>Ein Grund f\u00fcr die bis heute andauernden Spannungen sei, so Herasymowa, die Propaganda der prorussischen Medien, die immer wieder das Feuer im Gewerkschaftsgeb\u00e4ude zum Thema machen w\u00fcrden. Das Feuer, verursacht von &#8220;ukrainischen Nazis&#8221;, stelle die Propaganda als &#8220;Opferbringung&#8221; dar. Entsprechende Filme und B\u00fccher w\u00fcrden in ganz Europa verbreitet. Es gebe sogar Konferenzen dar\u00fcber. Zugleich verschweige aber jene Propaganda Ereignisse im Zentrum von Odessa, wo zur gleichen Zeit vor zwei Jahren nach Provokationen seitens der sogenannten &#8220;Odessa Gefolgschaft&#8221; mehrere proukrainische Aktivisten erschossen wurden.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund f\u00fcr die Spannungen sei die Tatsache, dass es seit mehr als anderthalb Jahren keine Fortschritte bei den offiziellen Ermittlungen gebe. Gerade Fakten von Experten offizieller Stellen w\u00e4ren die besten Argumente gegen die Propaganda. &#8220;Den Informationskrieg kann man nur mit Fakten bek\u00e4mpfen. Das ist das einzige, was wir dem Strom von L\u00fcgen und der Desinformation entgegensetzen k\u00f6nnen. Nur ad\u00e4quate und objektive Untersuchungen und ein Gerichtsprozess k\u00f6nnen helfen, den Konflikt zu l\u00f6sen und einen Dialog in Gang setzen&#8221;, betonte Herasymowa.<\/p>\n<p><strong>Behinderung bei der Beweisfindung<\/strong><\/p>\n<p>Von den ersten Tagen der Trag\u00f6die an wurden die staatlichen Ermittlungen schlampig gef\u00fchrt. So wurden bei Festnahmen keine Pulvergas-Proben an Kleidungsst\u00fccken und an den H\u00e4nden genommen, die eine Beteiligung und den Einsatz von Waffen h\u00e4tten beweisen oder widerlegen k\u00f6nnen. Nach Aussagen von Zeugen der Bewegung &#8220;Anti-Maidan Odessa&#8221; hatte die Polizei sie gebeten, alle Waffen in Polizeiautos zu legen. &#8220;Deswegen ist es unm\u00f6glich festzustellen, wer geschossen und Explosiva verwendet hat&#8221;, sagte Wladislaw Balynskyj, Chemieexperte der &#8220;Gruppe 2. Mai&#8221;.<\/p>\n<p>Viele Beweise sind verloren gegangen. Mitarbeiter kommunaler Dienste hatten die Stra\u00dfen schon gereinigt, bevor die Ermittler Beweise, darunter H\u00fclsen und Patronen, sammeln konnten. Das Gewerkschaftshaus, in dem Menschen verbrannt waren, wurde nach nur drei Tagen f\u00fcr Besucher wieder ge\u00f6ffnet. Auch dort wurden viele Beweise vernichtet. Aktivisten vermuten, dass Vertreter und Anh\u00e4nger prorussischer Kr\u00e4fte in den lokalen Beh\u00f6rden zum damaligen Zeitpunkt die Beweisfindung behindert haben. Deswegen sammeln proukrainische Aktivisten wie von der &#8220;Gruppe 2. Mai&#8221; selbst Beweise und setzen sich f\u00fcr eine transparente Untersuchung aller Vorg\u00e4nge ein.<\/p>\n<p><strong>Aktivisten haben die Arbeit der Ermittler gemacht<\/strong><\/p>\n<p>Vor kurzem stellten die Aktivisten in Odessa ihren Bericht \u00fcber die Ereignisse vom 2. Mai der \u00d6ffentlichkeit vor. Der Bericht enth\u00e4lt detaillierte Informationen \u00fcber den Brand im Geb\u00e4ude der Gewerkschaften und den Einsatz von Feuerwaffen. In dem Bericht wird sogar genannt, wer zuerst eine Waffe benutzte. Die Person wurde von Passanten gefasst, aber die Ermittler konnten die Person keinem Lager zuordnen. Aktivisten vermuten, dass die Person ein Provokateur war. Es wurde festgestellt, dass bei den Zusammenst\u00f6\u00dfen Explosiva verwendet wurden, kurzl\u00e4ufige Feuerwaffen, Jagdwaffen und Waffen vom Typ Kalaschnikow-AKS74-U oder deren Modifikation. Gerade mit solch einer Waffe wurde der proukrainische Aktivist Ihor Iwanow get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Als Sch\u00fctze wurde Witalij Budko identifiziert. Aktivisten zufolge gab er bis zu elf Sch\u00fcsse ab. Doch die Aussagen prorussischer Aktivisten wichen von einander ab. In einem Fall stellten sie fest, dass Budko nur mit Rohlingen geschossen habe, in einem anderen Fall hie\u00df es, er habe nur eine Attrappe in der Hand gehabt. Experten widerlegten jedoch beide Aussagen mit Hilfe eines Videos, das beweist, dass Budko scharfe Munition verwendete. Am Ort des Geschehens wurden H\u00fclsen und Kugeln gefunden, die den Einsatz von Schusswaffen belegen. Aktivisten glauben, dass der ukrainische Aktivist Ihor Iwvanow durch eine Kugel aus Budkos Waffe ums Leben kam. In dem Video war keine weitere Waffe mit dem selben Kaliber zu sehen, die\u00a0 Budkos Waffe hatte. Budko und Iwanow befanden sich in ein und dem selben Bereich der Unruhen. Ferner haben die Aktivisten Beweise daf\u00fcr, dass prorussische Aktivisten aus dem Geb\u00e4ude der Gewerkschaften geschossen haben.<\/p>\n<p><strong>Feuer im Gewerkschaftsgeb\u00e4ude<\/strong><\/p>\n<p>Experten der &#8220;Gruppe 2. Mai&#8221; stellten genau fest, wann und wo das Feuer ausbrach und wie es sich ausbreitete. Ein dynamisches Modell des Brandes wurde mit den Fundstellen der Leichen, aber auch mit den Zeugenaussagen und den Ergebnissen der Gerichtsmediziner verglichen. Dieses dynamische Modell des Brandes wurde von der Internationalen Beratergruppe des Europarates und der Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine anerkannt.<\/p>\n<p>&#8220;Das Feuer brach durch einen Molotowcocktail aus, aber es ist unklar, ob er vom Platz vor dem Geb\u00e4udes aus geworfen wurde, oder ob es ein misslungener Wurf einer Flasche im Foyer des Gewerkschaftsgeb\u00e4udes war&#8221;, sagte Wladislav Balynskyj. Zuerst geriet die gro\u00dfe Barrikade in Brand, die Anh\u00e4nger des Anti-Maidan im Foyer des Geb\u00e4udes aufgebaut hatten. Innerhalb von Sekunden standen das Treppenhaus und der Bereich zwischen der ersten und zweiten Etage vollst\u00e4ndig in Flammen. &#8220;Dort befanden sich die meisten Menschen. Wer es nicht schaffte aus dem Fenster zu springen, starb&#8221;, sagte Wladislaw Balynskyj. Unmittelbar im Geb\u00e4ude der Gewerkschaften kamen 42 Personen um. Insgesamt gab es 48 Tote. &#8220;Wenn die Feuerwehr wenigstens 20 Minuten nach dem Anruf gekommen w\u00e4re, h\u00e4tten die meisten Opfer vermieden werden k\u00f6nnen. Die n\u00e4chste Feuerwache liegt nur 500 Meter entfernt&#8221;, sagte der Experte.<\/p>\n<p><strong>Unt\u00e4tigkeit der Feuerwehr und der Beh\u00f6rden<\/strong><\/p>\n<p>Was die kriminelle Unt\u00e4tigkeit der Feuerwehr angeht, wurde schon Ende 2014 ein Strafverfahren eingeleitet. Gefahndet wird nach dem ehemaligen Chef des Katastrophenschutzes im Gebiet Odessa, Wolodymyr Bodelan. Mit dem Fall befasst sich die Hauptermittlungsabteilung der Generalstaatsanwaltschaft. Aktivisten forderten ein ganzes Jahr lang ein Verfahren gegen den ehemaligen Chef der Abteilung des Innenministeriums im Gebiet Odessa, Petro Luzjuk, der nicht rechtzeitig Ma\u00dfnahmen ergriff, um das Blutvergie\u00dfen zu verhindern. Luzjuk wurde mehrmals vernommen und wird bald vor Gericht stehen.<\/p>\n<p>Aktivisten fordern auch Strafverfahren wegen fahrl\u00e4ssigen Verhaltens bei Ermittlungen sowie wegen der Vernichtung von Beweismitteln in den Stra\u00dfen und im Gewerkschaftsgeb\u00e4ude.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WATCH IN ENGLISH Kiew, 29. April 2016 &#8211; Am Vorabend des zweiten Jahrestags der tragischen Ereignisse in Odessa ist die Situation in der Stadt sehr angespannt. &#8220;Der Konflikt ist unterschwellig immer noch da&#8221;, sagte die Journalistin Tetjana Herasymowa w\u00e4hrend einer Pressekonferenz im Ukraine Crisis Media Center. Sie ist Mitglied der &#8220;Gruppe 2. Mai&#8221;. 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