{"id":61632,"date":"2016-10-14T11:29:17","date_gmt":"2016-10-14T11:29:17","guid":{"rendered":"http:\/\/uacrisis.org\/?p=48151"},"modified":"2016-11-02T21:36:07","modified_gmt":"2016-11-02T18:36:07","slug":"48151-histoire-de-l-organisateur-d-un-pseudo-referendum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uacrisis.org\/de\/48151-histoire-de-l-organisateur-d-un-pseudo-referendum","title":{"rendered":"Die Geschichte eines Separatisten, inhaftiert vom SBU"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Milit\u00e4rstaatsanwaltschaft der Kr\u00e4fte der Anti-Terror-Operation (ATO) f\u00fchrt vorgerichtliche Ermittlungen wegen Entf\u00fchrung und Freiheitsberaubung in R\u00e4umlichkeiten des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) in Charkiw durch. In den F\u00e4llen geht es um Personen, die in einem Bericht der Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch genannt werden. Einer von ihnen ist Viktor Aschychmin. Er erz\u00e4hlte seine Geschichte dem ukrainischen TV-Sender <a href=\"http:\/\/hromadske.ua\/posts\/nu-sudyly-b-mene-vidsydiv-by-ne-mozhna-liudynu-trymaty-bez-sudu-istoriia-orhanizatora-psevdoreferendumu\">Hromadske<\/a>. Das Ukraine Crisis Media Center bringt Ausz\u00fcge seiner Schilderungen.<\/em><\/p>\n<p><strong>11. Mai 2014: Ukrajinsk<\/strong><\/p>\n<p>Viktor Aschychmin: Am 1. Mai 2014 kamen Vertreter der &#8220;Donezker Volksrepublik&#8221; zu uns nach Ukrajinsk. Es versammelten sich viele Menschen und es wurden Reden gehalten. Sie fragten, wer beim Referendum helfen wolle. Als sie erfuhren, dass ich Abgeordneter war und Erfahrung als Mitglied einer Wahlkommission habe, bot man mir an, mitzuhelfen. Ich konnte das nicht einfach ablehnen. Ich dachte, dass dies in Ordnung sei, zumal beim Referendum nicht die Frage \u00fcber eine Abspaltung des Donbass von der Ukraine, sondern \u00fcber eine Autonomie gestellt werden sollte. Ich f\u00fchrte das Referendum durch. An ihm nahmen vielen Menschen teil.<\/p>\n<p>Wir sammelten alle Stimmzettel ein und fuhren mit den Dokumenten nach Donezk. Wir wurden zun\u00e4chst in das Geb\u00e4ude der Donezker Gebietsverwaltung geschickt. Zu dem Zeitpunkt wurde in Donezk bereits geschossen. Wir standen auf Knien und z\u00e4hlten die Stimmen aus. Wir machten unsere Arbeit und gaben alles ab. Gerade das machte man mir zum Vorwurf.<\/p>\n<p><strong>7. Dezember 2014: Kramatorsk<\/strong><\/p>\n<p>Am 7. Dezember klopfte es an der T\u00fcr. Als ich sie \u00f6ffnete, standen da sechs maskierte M\u00e4nner. Sie fragten, ob hier Viktor Aschychmin wohne. Ich stellte mich an die Wand. Sie durchsuchten mich. Noch am selben Tag holten sie mich ab. Ich machte mir Sorgen, denn ich musste ja zur Arbeit. Sie sagten, es sei nur f\u00fcr zwei Tage, dann k\u00f6nne ich wieder zur\u00fcck. Aus zwei Tagen wurden 597.<\/p>\n<p>In der Zelle war es sehr kalt. Zur Toilette durfte ich nicht, ich bekam eine Flasche. Am Morgen wurde ich abgeholt. In einem Raum begann ein Verh\u00f6r. Es kamen zwei M\u00e4nner und sie zwangen mich, mich bis auf die Unterhose auszuziehen. Sie legten mich auf den Boden und die beiden M\u00e4nner schlugen mir mit Metallrohren auf die Beine. Sie hatten drei Blatt Papier dabei, Mitschriften meiner Telefongespr\u00e4che. &#8220;Hast Du das gesagt?&#8221;, fragten sie. Ich sagte: nein. Sie begannen mich wieder zu schlagen. Ich gab erst ein Telefongespr\u00e4ch zu, dann das zweite und das dritte. Insgesamt schlugen sie mich anderthalb Stunden. Ich sagte einfach alles, so wie sie es wollten.<\/p>\n<p><strong>11. Dezember 2014: Charkiw<\/strong><\/p>\n<p>Am 11. Dezember 2014 wurde ich irgendwo hingebracht, ich wei\u00df nicht wohin. Wir gingen in die zweite Etage. Ich dachte, dass sei ein Krankenhaus. Dann sah ich irgendwelche Zellen. Ich sa\u00df noch nie im Gef\u00e4ngnis und dachte: Was soll das? Es \u00f6ffnete sich eine T\u00fcr und dort waren etwa 15 M\u00e4nner. Die Zelle war klein, die M\u00e4nner unrasiert. Sie fragten mich l\u00e4chelnd: &#8220;Bist Du Separatist?&#8221; Ich sage, ja. Darauf sagten sie: &#8220;Hab keine Angst, das sind wir alle.&#8221;<\/p>\n<p><strong>26. Dezember 2014: Charkiw<\/strong><\/p>\n<p>Am 26. Dezember kamen Busse auf das Gel\u00e4nde des SBU in Charkiw. Sie waren bereits voll. Ich wei\u00df nicht, woher die M\u00e4nner kamen. Auf der Liste standen 222 Personen. Damit war ich der 223. Man setzte mich in einen der Busse und sagte, ich solle warten. Zehn Minuten sp\u00e4ter kam ein Offizier und nannte meinen und einige weitere Namen und sagte, wir sollten den Bus wieder verlassen. Die T\u00fcr schloss und der Bus fuhr los. Uns sagte der Offizier: &#8220;Kommt zur\u00fcck.&#8221; Wir gingen wieder in die Zelle. Spazieren gehen durften wir selten. Am 7. Dezember hat man mich geholt und erstmals spazieren gehen konnte ich am 2. Mai. Fast ein halbes Jahr war ich in ein und demselben Raum.<\/p>\n<p><strong>25. Juli 2016: Druschkiwka<\/strong><\/p>\n<p>Am 25. Juli fuhren sie mich und weitere M\u00e4nner durch Charkiw, wir wussten aber nicht wohin. In Kostjantyniwka wurde der erste rausgelassen. Dann fuhren wir 500 bis 600 Meter weiter, wo der zweite und nach ihm der dritte rausgelassen wurde. Wir passierten nach 600 bis 700 Metern einen Checkpoint und man lie\u00df uns raus. Ich fragte einen Mitarbeiter des SBU, der uns begleitete, was diese Aktion solle. Er sagt, dass einige Namen h\u00e4ufig in den Medien erw\u00e4hnt worden seien. Er gab mir und Mykola Wakaruk, der auch im SBU-Gef\u00e4ngnis war, unsere Papiere zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Auch gab er uns jeweils 100 Hrywnja. Ich fragte ihn, ob wir irgendwelche Nachweise bekommen w\u00fcrden, wo wir gewesen seien. Der Offizier antwortete, wir sollten nur sagen, dass wir woanders gearbeitet h\u00e4tten. Mit einem Bus fuhren wir nach Druschkiwka, von dort nach Konstantyniwka. Ich rief meine Frau an, damit sie mich abholt, was sie auch tat.<\/p>\n<p><strong>4. Oktober 2016: Daheim in Ukrajinsk<\/strong><\/p>\n<p>Es wurden so viele Menschen festgehalten, ich war dort nicht der einzige. In der Zeit, in der ich beim SBU war, wurden Ermittlungen durchgef\u00fchrt, aber wir wurden \u00fcberhaupt nicht vor Gericht gestellt. Die Milit\u00e4rstaatsanwaltschaft der ATO hat ein Strafverfahren eingeleitet. Vielleicht wird es einen Prozess geben, wenn wir als Opfer anerkannt werden. Dann werden wir vor den Gerichtshof in Stra\u00dfburg ziehen. Mich interessiert kein Geld. Das darf nicht ungestraft bleiben.<\/p>\n<p>Wenn ich jemanden get\u00f6tet h\u00e4tte. Wenn man mich vor Gericht gestellt h\u00e4tte, weil ich dieses Referendum gemacht habe, dann h\u00e4tte ich eben gesessen. Dann h\u00e4tte ich gewusst, wann ich wieder nach Hause kann. Und so hatte ich \u00fcber 600 Tage keinen Kontakt zu meiner Frau.<\/p>\n<p><strong>Lesen Sie auch<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/uacrisis.org\/de\/45463-amnesty-international-human\">Folter bei beiden Konfliktparteien \u2013 Amnesty und Human Rights Watch.<\/a> Die Menschenrechtsorganisationen\u00a0Amnesty International\u00a0und Human Rights Watch stellten ihren gemeinsamen Bericht \u00fcber Verhaftungs- und Folterf\u00e4lle von Zivilisten vor, die auf beiden Konfliktseiten begangen wurden, sowohl auf ukrainischem Gebiet, als auch in den von pro-russischen Rebellen kontrollierten Gebieten im Donbass.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/documents\/eur50\/4455\/2016\/en\/\">Der Bericht tr\u00e4gt den symbolischen Namen \u201eDu existierst nicht\u201c.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Milit\u00e4rstaatsanwaltschaft der Kr\u00e4fte der Anti-Terror-Operation (ATO) f\u00fchrt vorgerichtliche Ermittlungen wegen Entf\u00fchrung und Freiheitsberaubung in R\u00e4umlichkeiten des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) in Charkiw durch. 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