{"id":76818,"date":"2017-07-26T11:13:36","date_gmt":"2017-07-26T11:13:36","guid":{"rendered":"http:\/\/uacrisis.org\/?p=58951"},"modified":"2017-10-17T21:38:06","modified_gmt":"2017-10-17T18:38:06","slug":"58951-krimbewohner-und-russen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uacrisis.org\/de\/58951-krimbewohner-und-russen","title":{"rendered":"Krimbewohner und Russen: Von Liebe zum Hass"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>Bildunterschrift: Krim. Russland. F\u00fcr immer.<\/em><\/span><\/p>\n<p><em>Auf der Krim steigt die Zahl jener, die von Russland entt\u00e4uscht sind. Und die Krimbewohner lassen ihren Zorn an den Russen aus, die dort arbeiten und Unternehmen f\u00fchren, sowie bei deren Kindern im Kindergarten. Die Krimbewohner freuen sich auch nicht \u00fcber russische Touristen \u2013 weder \u00fcber deren Geldbeutel, noch \u00fcber deren Manieren.<\/em><\/p>\n<p>Das Ukraine Crisis Media Center \u00fcbersetzte einen <a href=\"https:\/\/ua.krymr.com\/a\/28631000.html\">Artikel bei KrimRealii<\/a> von Jewgenija Gorjunowa<\/p>\n<h3><strong>Arbeit und Lohn<\/strong><\/h3>\n<p>Das Hauptproblem auf der Krim ist f\u00fcr Menschen im arbeitsf\u00e4higen Alter Arbeit, die es zwar laut Berichten der Besch\u00e4ftigungsbeh\u00f6rde gibt, aber sich die angebotene Entlohnung dann doch stark von der Realit\u00e4t unterscheidet. Das Durchschnittsgehalt auf der Krim betrug von Januar bis Mai 2017 zirka 24.600 Rubel (zirka 350 Euro). Doch das ist nur das arithmetische Mittel aus den Einkommen von Sicherheitskr\u00e4ften, Tagesm\u00fcttern, Kinderg\u00e4rtnerinnen usw. Letztere verdienen 6.000 Rubel. Die Reall\u00f6hne der Krimbewohner liegen unter 15.000-17.000 Rubel, was nach lokalen Ma\u00dfst\u00e4ben relativ viel ist. Nat\u00fcrlich f\u00e4llt es besonders jungen Familien, die gezwungen sind, Wohnraum zu mieten, sehr schwer, von diesem Geld zu leben. Wegen des Zustroms von Russen haben sich die Mieten in Simferopol wesentlich verteuert: die Durchschnittsmiete f\u00fcr eine Einzimmerwohnung liegt inzwischen bei 20.000 Rubel (zirka 300 Euro) pro Monat. F\u00fcr viele Russen stellt dieser Mietpreis kein Problem dar, da die Kosten f\u00fcr den Aufenthalt der \u201eDienstreisenden\u201c auf der Krim durch den Arbeitgeber getragen werden. Aber die Einheimischen m\u00fcssen das aus ihrer eigenen Tasche bezahlen. Dazu steigen die Preise f\u00fcr Dienstleistungen und Waren sehr schnell. Sie sind sogar h\u00f6her als im russischen Durchschnitt. Auch die Russen mit ihren hohen L\u00f6hnen klagen \u00fcber die Preise, und erst recht die Lokalbewohner.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem f\u00fcr die Krimbewohner ist, dass sie keine hochbezahlte Arbeit bekommen. Die Rede geht nicht um Bankdirektoren. Selbst auf dem Bau zieht man es vor, Russen einzustellen, oder noch besser, Gastarbeiter aus den zentralasiatischen Republiken, weil sie bereit sind, bis zu 16 Stunden am Tag ohne Pause zu arbeiten und unter schlechten Bedingungen zu leben. Dabei kann man ihnen weniger zahlen als versprochen oder ihnen gar nichts geben, weil sie sich nicht trauen, ihren Lohn einzuklagen. Die Krimbewohner lassen sich so etwas nicht bieten. Die Besatzer meinen, die Krimbewohner seien zu clever: sie fordern die Einhaltung der Arbeitsgesetzgebung und die Bezahlung von \u00dcberstunden, ansonsten drohen sie mit Gericht. Solche Arbeiter brauchen die Russen nicht, obwohl sie dreimal besser qualifiziert sind, Diplome und Erfahrung haben.<\/p>\n<p>\u201eWir bekommen keine normale Arbeit. Alle guten Stellen sind nur f\u00fcr \u201eAngereiste\u201c. Oder f\u00fcr jene, die bei den Beh\u00f6rden Beziehungen haben. Aber was sollen wir tun? Wir k\u00f6nnen kaum leben, wie dann \u00fcberleben?\u201c, klagen die Bewohner der Halbinsel. Ins benachbarte Russland fahren, um Einkommen zu suchen, ist auch vergeblich. Die Krimbewohner werden dort \u201erausgeworfen\u201c.<\/p>\n<p>Sowohl die Mitarbeiter von Banken, als auch die von B\u00fcros sind unzufrieden, denn in der Verwaltung werden immer \u00f6fter Russen eingestellt. Die \u201eZugereisten\u201c sehen von ihren hohen F\u00fchrungssesseln auf die Krimbewohner herab, wie auf unwissende Ureinwohner, und seufzen, dass sie in den lokalen Feinheiten der papiergest\u00fctzten Buchhaltung ausgebildet sind, von der man sich in der \u201eukrainischen Zeit\u201c verabschiedet hatte.<\/p>\n<h3><strong>Unternehmen auf der Krim<\/strong><\/h3>\n<p>Unternehmen auf der Krim leiden nicht nur durch russische Steuern, verschiedene Strafarten, Lizenzen oder b\u00fcrokratische Prozeduren. Am meisten leiden die Krimbewohner an der fehlenden Arbeit. Gewinnbringende Objekte werden vorzugsweise von russischen Firmen \u00fcbernommen, die hohe \u201eSchmiergelder\u201c zahlen k\u00f6nnen. Die \u201eBrotkr\u00fcmel\u201c blieben f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsleute der Krim, die entweder in den \u201eStaatsdienst\u201c gingen oder dort Verwandte, beziehungsweise Freunde haben. F\u00fcr alle anderen sind vorteilhafte Vertr\u00e4ge ein unerf\u00fcllbarer Traum. Daher schlagen sie sich mit zuf\u00e4lligen Einnahmen durch oder sind gezwungen, ihre Unternehmen f\u00fcr ein paar Kopeken an die Russen zu verkaufen.<\/p>\n<p>Die lokalen Produzenten auf der Krim werden von den Russen aktiv zerst\u00f6rt, um sich so Konkurrenten vom Hals zu halten. Die Russen schafften es innerhalb von zwei Jahren ein erfolgreiches Milchunternehmen an die Wand zu fahren. Und heute werden die Kinder in den Kinderg\u00e4rten und Schulen mit Milchersatzprodukten aus Russland vergiftet, die jeden Tag mehr und mehr auf der Halbinsel auftauchen.<\/p>\n<p>Um lokale Landwirte und Viehz\u00fcchter in den Ruin zu treiben, wird eine andere Taktik genutzt. So wurde eine afrikanische Schweinepest erfunden und der Schweinebestand verringerte sich mit einem Mal um 25 Prozent. Die Einf\u00fchrung von Tierhaltebestimmungen f\u00fcr Kombinate und hohe Futterpreise reduzierte den Bestand von Schafen und Ziegen um 38 Prozent, sowie den von gro\u00dfem Hornvieh um 35 Prozent. Die Landwirte der Krim werden vernichtet und reihen sich in die Zahl der nichterfassten Arbeitslosen ein.<\/p>\n<p>Aber die russische Staatsf\u00fchrung versucht insgesamt, die Unternehmen, auch kleine, auf der Krim zielgerichtet zu zerst\u00f6ren. Damit werden nicht nur Konkurrenten f\u00fcr russische Unternehmen entfernt, sondern auch der Keim f\u00fcr die Mittelschicht erstickt, die in Russland seit je her zur \u201e\u00fcberfl\u00fcssigen Klasse\u201c geh\u00f6rte.<\/p>\n<h3>Soziale Diskriminierung der Krimbewohner<\/h3>\n<p>Die Krimbewohner erfahren im Vergleich zu den Angereisten auch Diskriminierung von ihren Kindern in der Schule und im Kindergarten. Mit Russen gibt es keine solchen Probleme. Sie erhalten Privilegien. Gleichzeitig steigt die Zahl der Krimkinder an Vorschuleinrichtungen weiter; Anfang des Jahres waren es 28.500 Kinder.<\/p>\n<p>Die Krimbewohner versuchen, bei \u201eGerichten\u201c und \u201eStaatsanwaltschaften\u201c Gerechtigkeit zu finden, aber erfolglos. Russen wird per Gesetz ein Privileg verliehen. Die Situation heizte sich so weit auf, dass die \u201eLokalbeh\u00f6rden\u201c bereits Alarm schlugen: \u201eDie soziale Lage verschlechtert sich. Viele Eltern sehnen sich jahrelang nach einem Kindergartenplatz. Da aber immer mehr privilegierte Kinder kommen, bleiben sie auf der Warteliste. Um die Situation zu verbessern, sind neue Pl\u00e4tze erforderlich\u201c, sagte Wladimir Bobkow, Ausschussvorsitzende im \u201eStaatsrat\u201c, bereits 2016. Seither hat sich an der Situation wenig ge\u00e4ndert. Kindergartenpl\u00e4tze f\u00fcr Krimkinder gibt es nach wie vor nicht.<\/p>\n<h3>Krimbewohner und russische Touristen<\/h3>\n<p>Nach der Okkupation kamen keine Touristen mehr, au\u00dfer russischen. Und auch die russischen Kurg\u00e4ste waren g\u00e4nzlich anders. Fr\u00fcher kamen solche mit Geld auf die Halbinsel, wenn man den Wechselkurs von Rubel zu Hryvna ber\u00fccksichtigt und die ukrainischen Preise vergleicht. Heute kommt ein ganz anderes Klientel: der russische Tourist spart am Eis und will vom Taxifahrer 10 Rubel R\u00fcckgeld.<\/p>\n<p>F\u00fcr die heutigen G\u00e4ste sind die geb\u00fchrenpflichtigen Toiletten eine Zumutung. Deshalb erf\u00fcllen die B\u00fcsche am Wegesrand deren Funktion. Und die vorhandenen M\u00fclleimer k\u00f6nnen den Russen nicht das Vergn\u00fcgen nehmen, ihren Abfall direkt unter ihren F\u00fc\u00dfen loszuwerden. Die Russen antworten auf Bemerkungen der Lokalbewohner mit w\u00fcsten Beschimpfungen und dass sie sich dorthin scheren sollten, wo der Pfeffer w\u00e4chst. Schlie\u00dflich kamen sie ans Meer, um die Krim vom \u201eukrainischen Joch\u201c zu befreien. Die Russen benehmen sich wie Hausherren und die Krimbewohner finden sich als G\u00e4ste im eigenen Land wieder. Und man kann sie jeden Augenblick bitten, die Halbinsel zu verlassen.<\/p>\n<p>\u201eIn Russland braucht uns niemand. Warum nahmen sie uns dann? Dass sie uns sp\u00e4ter aus ihrem Haus werfen?\u201c, h\u00f6rt man immer \u00f6fter von den Krimbewohnern.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4te Einsicht ist immer noch besser als der Glaube an den \u201eBefreier Putin\u201c. Nur l\u00e4sst sich das \u201eWahlergebnis\u201c so nicht mehr \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildunterschrift: Krim. Russland. F\u00fcr immer. Auf der Krim steigt die Zahl jener, die von Russland entt\u00e4uscht sind. Und die Krimbewohner lassen ihren Zorn an den Russen aus, die dort arbeiten und Unternehmen f\u00fchren, sowie bei deren Kindern im Kindergarten. 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