{"id":92549,"date":"2019-02-08T18:29:55","date_gmt":"2019-02-08T18:29:55","guid":{"rendered":"http:\/\/uacrisis.org\/?p=70821"},"modified":"2019-02-11T10:52:32","modified_gmt":"2019-02-11T08:52:32","slug":"70821-price-joke-ukrainian-take-welcome-mr-president","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uacrisis.org\/de\/70821-price-joke-ukrainian-take-welcome-mr-president","title":{"rendered":"&#8220;Benvenuto Presidente!&#8221; auf Ukrainisch &#8211; Ein Streich zu welchem Preis?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>F\u00fcnf Jahre nach der Revolution der W\u00fcrde finden in der Ukraine am 31. M\u00e4rz Pr\u00e4sidenten- und im Herbst Parlamentswahlen statt. Pr\u00e4sidentschaftskandidaten sind bereits zugelassen und der Wahlkampf l\u00e4uft. In diesem Zusammenhang beginnt das Ukraine Crisis Media Center (UCMC) mit einer Reihe von Beitr\u00e4gen \u00fcber die aussichtsreichsten Kandidaten, \u00fcber Meinungsumfragen und Entwicklungen in der ukrainischen Gesellschaft. Wichtig ist vor allem zu wissen, welchen Preis die Wahl des einen oder anderen Kandidaten f\u00fcr das Land haben wird.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Demoskopen zufolge sind die Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2019 au\u00dfergew\u00f6hnlich. Im Unterschied zu allen bisherigen gibt es keinen klaren Favoriten und die Anzahl der unentschiedenen W\u00e4hler ist diesmal besonders gro\u00df. Au\u00dferdem hat die Zentrale Wahlkommission so viele Kandidaten registriert wie noch nie. \u00dcber 90 Personen habe eine Zulassung beantragt. Daher waren die aktuellen Umfrageergebnisse vom 31. Januar eine \u00dcberraschung. Demnach liegt der Schauspieler und Showman Wolodymyr Selenskyj vorn. Wer ist er? Was bedeuten die Zahlen und kann man ihnen glauben? Was sagt das &#8220;Ph\u00e4nomen Selenskyj&#8221; \u00fcber die ukrainische Gesellschaft aus? Welchen Preis k\u00f6nnte seine Wahl zum Pr\u00e4sidenten haben? Einzelheiten vom UCMC:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wer ist Wolodymyr Selenskyj?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 41-j\u00e4hrige Selenskyj ist Schauspieler, Autor und Regisseur der Film- und Fernsehproduktionsfirma &#8220;Studio Kvartal-95&#8221;. Selenskyj und sein Team parodieren Politiker &#8211; manchmal witzig, manchmal oberfl\u00e4chlich, manchmal klischeehaft. Da er seit vielen Jahren im Fernsehen pr\u00e4sent ist, liegt sein Bekanntheitsgrad bei fast 100 Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spekulationen, wonach Selenskyj f\u00fcr das Amt des Pr\u00e4sidenten der Ukraine kandidieren k\u00f6nnte, kamen nach dem Start der Comedy-Serie &#8220;Diener des Volkes&#8221; im Jahr 2016 auf. Selenskyj spielt darin den Geschichtslehrer Vasyl Holoborodko, der unerwartet Pr\u00e4sidentschaftswahlen gewinnt und gegen das etablierte Machtgef\u00fcge vorgeht. So entstand die ben\u00f6tigte Illusion der L\u00f6sung von Problemen. Dem ukrainischen Fernsehzuschauer wurde suggeriert, ein &#8220;guter, ehrlicher Mann&#8221; an der Macht k\u00f6nne das Land ver\u00e4ndern. Selenskyj, in der Hauptrolle, musste diese fiktive Person lediglich ins reale Leben projizieren. Im Jahr 2017 meldeten Freunde von Selenskyj die politische Partei &#8220;Diener des Volkes&#8221; an, doch bis 2019 existierte sie eher nur virtuell.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8220;Diener des Volkes&#8221; nur abgeguckt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die TV-Figur &#8220;Holoborodko&#8221; kann man aber nicht als eine rein ukrainische Erfindung bezeichnen. Im Jahr 2013 wurde in Italien der Film &#8220;Benvenuto Presidente!&#8221; gedreht. Der Protagonist Giuseppe Garibaldi ist Bibliothekar und Fischer aus bescheidenen Verh\u00e4ltnissen. Nach Intrigen im italienischen Parlament wird er zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt. Etwa f\u00fcnf Jahre vor der Ver\u00f6ffentlichung des Films hatte Giuseppe Piero &#8220;Beppe&#8221; Grillo, ein italienischer Komiker und Schauspieler, die populistische Partei &#8220;MoVimento 5 Stelle&#8221; (F\u00fcnf-Sterne-Bewegung) gegr\u00fcndet. Bei den Parlamentswahlen 2018 wurde sie st\u00e4rkste Partei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade mit Grillo wird Selenskyj oft verglichen. Seine Anh\u00e4nger f\u00fchren aber auch noch andere Beispiele an, darunter den US-Pr\u00e4sidenten Ronald Reagan. W\u00e4hrend der Italiener oder Amerikaner viele Jahre brauchte, um sich von einem Schauspieler in einen Politiker zu verwandeln, legte der ukrainische Komiker diesen Weg sehr schnell zur\u00fcck. Auch nach seiner Zulassung als Pr\u00e4sidentschaftskandidat tritt er als Schauspieler auf und dreht seine TV-Serie weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schatten des in Ungnade gefallenen Oligarchen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der wichtigste Unterschied zwischen dem Kandidaten Selenskyj und den ausl\u00e4ndischen Vorbildern ist Selenskyjs offensichtliche N\u00e4he zum ukrainischen Oligarchen Ihor Kolomojskyj. Selenskyjs Pr\u00e4sidentschaftskandidatur w\u00e4ren ohne Kolomojskyjs Unterst\u00fctzung unm\u00f6glich, auch wenn er das \u00f6ffentlich bestreitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kolomojskyj hat einen langj\u00e4hrigen Konflikt mit dem jetzigen ukrainischen Pr\u00e4sidenten Petro Poroschenko, der ihn im Jahr 2015 per Erlass vom Amt des Gouverneurs der Region Dnipropetrowsk entlie\u00df. Im Dezember 2016 wurde Kolomojskyjs &#8220;Pryvatbank&#8221; verstaatlicht. Das neue Management der Bank erkl\u00e4rte, die ehemaligen Eigent\u00fcmer h\u00e4tten rund zwei Milliarden Dollar der Bank auf Offshore-Konten transferiert. Um diesen Betrag klagt die Bank jetzt in London.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Schauspieler Selenskyj und den Oligarchen Kolomojskyj verbinden Gesch\u00e4ftsinteressen. Viele Produktionen von Selenskyjs Firma laufen auf Kolomojskyjs landesweitem TV-Sender &#8220;1plus1&#8221;. Derzeit sind es sechs, darunter seit Januar 2019 auch eine Show-Kampagne f\u00fcr den Pr\u00e4sidentschaftskandidaten. Am Silvesterabend 2018 strahlte der Kanal p\u00fcnktlich um Mitternacht anstelle der traditionellen Neujahrsansprache des Staatspr\u00e4sidenten eine Erkl\u00e4rung von Selenskyj aus, in der er seine Pr\u00e4sidentschaftskandidatur ank\u00fcndigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der ukrainische Politik-Experte Vitalij Portnikow sagte im TV-Sender &#8220;Espresso&#8221;, sollte Selenskyj die Wahlen gewinnen, dann w\u00fcrde in Wirklichkeit Kolomojskyj die Macht \u00fcbernehmen. &#8220;Wenn ein Kandidat f\u00fcr ein solches Amt keine politische Partei hat, dann ist er immer Teil eines anderen Systems. Wenn Selenskyj Teil des Systems Kolomojskyj ist, dann ist Kolomojskjy in diesem Spiel\u00a0 der Hauptakteur&#8221;, so Portnikow.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Politik als Show<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selenskyjs erste Schritte als Pr\u00e4sidentschaftskandidat zeigen, dass f\u00fcr ihn die Politik nur eine Fortsetzung seiner Fernsehshow ist. Als er sich entschied, bei den Wahlen anzutreten, verf\u00fcgte er weder \u00fcber Erfahrungen in der \u00f6ffentlichen Verwaltung noch \u00fcber ein politisches Programm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Januar 2019 schlug Selenskyj seinen Anh\u00e4ngern vor, &#8220;gemeinsam ein Programm zu verfassen&#8221; &#8211; direkt in Kommentaren auf Facebook, Instagram und auf der Webseite seines Teams. &#8220;Er beruft sich in seinem Populismus darauf, dass er dem Volk diene, dass er das tue, was ihm das Volk rate&#8221;, sagte Iryna Bekeschkina von der Ilko-Kutscheriw-Stiftung &#8220;Demokratische Initiativen&#8221;der Zeitung &#8220;Nowoje Wremja&#8221;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch im Dezember 2018 gab Selenskyj dem ukrainischen Journalisten Dmytro Gordon ein langes Interview. Auch bei ernsthaften Themen sprach Selenskyj &#8211; charakteristisch f\u00fcr ihn &#8211; wie ein Taxifahrer, der meint, er kenne sich in staatlichen Angelegenheiten besser aus als jeder Politiker. Auf die Frage, wie er sich Verhandlungen mit dem Kreml vorstelle, sagte er: &#8220;Man muss deutliche Worte w\u00e4hlen: &#8216;Was wollt ihr? Was sind eure Bedingungen? Warum seid ihr zu uns gekommen? Was braucht ihr, Jungs?&#8217; Die schreiben dann eine Liste. Dann w\u00fcrde ich diese Liste nehmen und sagen: &#8216;Das hier ist unsere Liste. Frieden gibt es zu unseren Bedingungen.&#8217; Irgendwo in der Mitte w\u00fcrden wir uns treffen.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ukrainische Webseite &#8220;Texty&#8221;, die \u00c4u\u00dferungen von Politikern analysiert, schrieb dazu: &#8220;Vermutlich hat Selenskyj das ehrlich gemeint. Doch das bedeutet, dass er den Grund f\u00fcr den Krieg nicht versteht. Er schl\u00e4gt eine rationale Probleml\u00f6sung vor, als g\u00e4be es zwischen beiden Staaten Streitpunkte, \u00fcber die man verhandeln k\u00f6nne. Aber in diesem Fall kann man nicht verhandeln, da es im Krieg mit Russland um unser physisches \u00dcberleben geht.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Ansicht des Politologen Oleh Saakjan hat Selenskyjs Team mit dem Interview einen gro\u00dfen Fehler begangen. &#8220;Man h\u00e4tte vorerst eine Pause nehmen sollen, auf sein Image aus der Fernsehserie &#8216;Diener des Volkes&#8217; und auf eine geheimnisvolle Aura setzen sollen. Vorteilhafter w\u00e4re f\u00fcr ihn, im Wahlkampf keine Inhalte und Botschaften zu vermitteln, sondern Emotionen &#8211; mit Hilfe von Humor, Flashmobs und kreativen Protestaktionen&#8221;, sagte der Experte gegen\u00fcber TVI.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wer sind Selenskyjs Anh\u00e4nger?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Selenskyjs Umfrageergebnisse zeigen, sind angesichts des Misstrauens gegen\u00fcber der politischen Klasse viele Ukrainer bereit, f\u00fcr einen &#8220;Streich&#8221; zu stimmen. Vielen Menschen gen\u00fcgt es, wenn Kandidaten die Staatsmacht beschimpfen oder sie auslachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ukrainische Soziologin Iryna Bekeschkina meint, das &#8220;Ph\u00e4nomen Selenskyj&#8221; sei einfach zu erkl\u00e4ren: &#8220;Die Menschen sind von allen Politikern und von der Politik insgesamt sehr entt\u00e4uscht. Sie suchen nach Kandidaten, die nicht Teil des Systems sind. 66 Prozent wollen neue Politiker.&#8221; Deswegen nennen Bekeschkina zufolge die Menschen in Umfragen Selenskyj, den S\u00e4nger Swjatoslaw Wakartschuk oder den Anf\u00fchrer der Partei &#8220;Unsere&#8221;, Jewgenij Murajew. Sie alle seien aus dem Fernsehen bekannt. &#8220;Wer im Fernsehen ist, der sammelt Prozentpunkte. Selenskyjs W\u00e4hler sind meist junge Menschen&#8221;, so Bekeschkina. Da sie sich aber weniger an Wahlen beteiligen w\u00fcrden, sei das eine eher unsichere W\u00e4hlerschaft. Daher k\u00f6nnte Selenskyj am Wahltag weniger Stimmen erhalten als erwartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es w\u00e4re falsch, das &#8220;Ph\u00e4nomen Selenskyj&#8221; nicht ernst zu nehmen. Der ukrainische Politikwissenschaftler Wolodymyr Fesenko vergleicht Selenskyj mit dem amerikanischen Pr\u00e4sidenten Donald Trump und h\u00e4lt eine &#8220;Wiederholung des Ph\u00e4nomens&#8221; f\u00fcr m\u00f6glich. Denn als Trump seine Pr\u00e4sidentschaftskampagne begonnen habe, h\u00e4tten ihn wenige Menschen ernst genommen. Das habe ihn nicht daran gehindert, die Wahl zu gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Honeymoon mit den W\u00e4hlern: Wer liegt vorn?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 31. Januar 2019 ver\u00f6ffentlichte ein Konsortium aus drei Instituten Umfrageergebnisse zum Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf in der Ukraine. Das ist Forschungszentrum &#8220;Sozis&#8221;, das Kiewer Internationale Institut f\u00fcr Soziologie (KIIS) und das Rasumkow-Zentrum. Laut einer Umfrage, die vom 16. bis 29. Januar 2019 durchgef\u00fchrt wurde, wollen 23 Prozent f\u00fcr Selenskyj stimmen, f\u00fcr den jetzigen Pr\u00e4sidenten Petro Poroschenko 16,4 Prozent und f\u00fcr die ehemalige Premierministerin und Vorsitzende der Partei &#8220;Vaterland&#8221;, Julia Tymoschenko, 15,7 Prozent. Gleichzeitig glauben dieser Umfrage zufolge 20,5 Prozent, dass Poroschenko die Wahlen gewinnt. 19,9 Prozent rechnen mit einem Sieg von Tymoschenko und nur 10,8 Prozent gehen von einem Sieg Selenskyjs aus. Diese Zahlen best\u00e4tigen einmal mehr: Mindestens die H\u00e4lfte der W\u00e4hler von Selenskyj sind Protestw\u00e4hler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am selben Tag ver\u00f6ffentlichte auch die Gruppe &#8220;Rating&#8221; die Ergebnisse einer Umfrage, die zwischen dem 16. und 24. Januar durchgef\u00fchrt wurde. Ihr zufolge kommt Selenskyj auf 19 Prozent, Tymoschenko auf 18,2 Prozent und Poroschenko auf 15,1 Prozent. Laut dieser Umfrage glauben 23 Prozent der Befragten, dass Tymoschenko n\u00e4chste Pr\u00e4sidentin wird. An Poroschenkos Sieg glauben 16,3 Prozent und an Selenskyjs 10,3 Prozent.<\/p>\n<table style=\"width: 897.3749389648438px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 206px;\"><\/td>\n<td style=\"width: 331px;\">Sozis, KIIS, Rasumkow-Zentrum<\/td>\n<td style=\"width: 341.37493896484375px;\">Gruppe &#8220;Rating&#8221;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 206px;\">Wolodymyr Selenskyj<\/td>\n<td style=\"width: 331px;\">23%<\/td>\n<td style=\"width: 341.37493896484375px;\">19%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 206px;\">Petro Poroschenko<\/td>\n<td style=\"width: 331px;\">16,4%<\/td>\n<td style=\"width: 341.37493896484375px;\">15,1%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 206px;\">Julia Tymoschenko<\/td>\n<td style=\"width: 331px;\">15,7%<\/td>\n<td style=\"width: 341.37493896484375px;\">18,2%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum unterschiedliche Ergebnisse?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Dekan der Fakult\u00e4t f\u00fcr Soziologie an der Universit\u00e4t Kiew, Andrij Horbatschyk, sagte gegen\u00fcber Uchoose, einem Projekt des UCMC, Umfragen w\u00fcrden selektiv durchgef\u00fchrt. &#8220;Bei der Stichproben-Methode gibt es immer eine Fehlerquote von plus-minus zwei Prozent&#8221;, so der Experte. Das Besondere an diesen Pr\u00e4sidentschaftswahlen sei, dass keiner der Kandidaten klar in F\u00fchrung liege. Einfach sei es, Prognosen zu treffen, wenn ein Kandidat bei 60 Prozent und die anderen bei zwei bis vier Prozent liegen w\u00fcrden. Es komme hinzu, so der Soziologe, dass sich 40 Prozent der W\u00e4hler noch gar nicht festgelegt h\u00e4tten, f\u00fcr wen sie stimmen werden. &#8220;Am Wahltag k\u00f6nnen sich die geringf\u00fcgigen Abst\u00e4nde noch in alle Richtungen ver\u00e4ndern&#8221;, betonte Horbatschyk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein Streich zu welchem Preis?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wichtigste Frage ist, was die Ukraine zu erwarten hat, sollte Selenskyj Pr\u00e4sident werden. Im besten Fall \u00fcbernimmt die TV-Figur &#8220;Holoborodko&#8221;, also ein &#8220;guter Kerl&#8221; die\u00a0 Macht, der aber in der Realit\u00e4t unberechenbar sein wird. Denn in der Politik fehlt es Selenskyj im Unterschied zum TV-Studio massiv an Erfahrung, Wissen und Kompetenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Webseite &#8220;Vox Ukraine&#8221; zufolge, die Aussagen von Politikern pr\u00fcft, waren von f\u00fcnf untersuchten Aussagen in Selenskyjs Interview f\u00fcr Dmytro Gordon nur eine korrekt. Es stellte sich heraus, dass Selenskyjs Kenntnisse \u00fcber die Wirtschaft, die Beziehungen zu Russland, die Minsker Vereinbarungen und \u00fcberhaupt \u00fcber das Leben in der Ukraine \u00e4u\u00dferst oberfl\u00e4chlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt, dass Selenskyj sich wiederholt ver\u00e4chtlich, vulg\u00e4r oder skandal\u00f6s \u00fcber Dinge ge\u00e4u\u00dfert hatte, die wichtig f\u00fcr die St\u00e4rkung der Souver\u00e4nit\u00e4t des Landes sind, also Dinge, die er verteidigen m\u00fcsste, sollte er zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt werden. Seine Witze \u00fcber den Tomos, also den Erlass des Patriarchen von Konstantinopel zur Schaffung einer eigenst\u00e4ndigen ukrainischen orthodoxen Landeskirche, haben viele Ukrainer ver\u00e4rgert. Recherchen des TV-Projekts &#8220;Schemy&#8221; ergaben, dass Selenskyj auch nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine seine Gesch\u00e4fte in Russland fortgef\u00fchrt hatte. Und ein Witz bei einem Festival in Jurmala im Jahr 2016, als Selenskyj die Ukraine mit einer &#8220;Darstellerin aus einem deutschen Erwachsenen-Filmen&#8221; verglich, emp\u00f6rte Millionen Ukrainer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem aktuellen Interview f\u00fcr die Internetzeitung &#8220;Ukrajinska Prawda&#8221; sagte Selenskyj scherzhaft, er schlie\u00dfe nicht aus, dass die Pr\u00e4sidentenwahl schon am 31. M\u00e4rz, also mit nur einem Wahlgang und nicht erst in einer sp\u00e4teren Stichwahl, entschieden werde. Der 1. April, ein Tag nach der Wahl, w\u00e4re doch ein guter Anlass f\u00fcr die Wahl eines Clowns als Pr\u00e4sidenten, so Selenskyj.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 31. M\u00e4rz k\u00f6nnten aber auch die ukrainischen W\u00e4hler noch f\u00fcr eine \u00dcberraschung sorgen. Denn es k\u00f6nnte sich an den Wahlurnen herausstellen, dass diejenigen, die sich heute in Umfragen ernsthaft f\u00fcr Selenskyj aussprechen, den Meinungsforschern nur einen Streich gespielt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcnf Jahre nach der Revolution der W\u00fcrde finden in der Ukraine am 31. M\u00e4rz Pr\u00e4sidenten- und im Herbst Parlamentswahlen statt. Pr\u00e4sidentschaftskandidaten sind bereits zugelassen und der Wahlkampf l\u00e4uft. In diesem Zusammenhang beginnt das Ukraine Crisis Media Center (UCMC) mit einer Reihe von Beitr\u00e4gen \u00fcber die aussichtsreichsten Kandidaten, \u00fcber Meinungsumfragen und Entwicklungen in der ukrainischen Gesellschaft. 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