{"id":98816,"date":"2020-02-14T19:37:58","date_gmt":"2020-02-14T19:37:58","guid":{"rendered":"http:\/\/uacrisis.org\/?p=74909"},"modified":"2020-02-17T13:37:35","modified_gmt":"2020-02-17T11:37:35","slug":"74909-crimea-water-supply","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uacrisis.org\/de\/74909-crimea-water-supply","title":{"rendered":"Krim: Wie Wasser zum politischen Druckmittel geworden ist"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00dcber die Wasserversorgung auf der Krim wurde letzte Woche in der Ukraine viel diskutiert. Am 11. Februar 2020 deutete der Fraktionschef der regierenden Partei &#8220;Diener des Volkes&#8221;, David Arachamia, an, Kiew k\u00f6nnte die Wasserversorgung der Krim wieder aufnehmen. Sp\u00e4ter entschuldigte er sich jedoch f\u00fcr seine Worte. Seit der Besetzung der Krim durch Russland im Jahr 2014 ist eine m\u00f6gliche Wasserversorgung der Halbinsel vom ukrainischen Festland zu einer politischen Frage geworden. Aber wie steht es um die Wasserversorgung auf der Krim? Einzelheiten vom Ukraine Crisis Media Center:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Krim gibt es Engp\u00e4sse bei der Wasserversorgung. Die Reserven in den Wasserspeichern reichen nicht mehr aus, um eine unterbrechungsfreie Versorgung zu gew\u00e4hrleisten. Daher soll es in den St\u00e4dten nur noch an Wochenenden hei\u00dfes Wasser geben und kaltes zu bestimmten Uhrzeiten. Laut russischen Medien k\u00f6nnte Simferopol bis Mai das Wasser ausgehen. Die Stauseen der Region sind nur noch zu einem Drittel gef\u00fcllt, was bis Juni reichen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Hochsommer k\u00f6nnte es zu einem Ausnahmezustand kommen, prognostiziert das von Russland kontrollierte &#8220;staatliche Komitee f\u00fcr Wasserwirtschaft&#8221; auf der Krim. Nach Angaben des stellvertretenden Direktors des Instituts f\u00fcr Wasserprobleme der Ukraine, Mychajlo Jazjuk, sind \u00fcber 60 Prozent der Halbinsel von einem &#8220;akuten Wassermangel&#8221; betroffen. Riesige fr\u00fcher bew\u00e4sserte Felder w\u00fcrden verw\u00fcsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wassermangel seit der Annexion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis zum Jahr 2014 deckte Wasser aus dem Fluss Dnjepr 85 bis 90 Prozent des Wasserbedarfs der Krim. Einen Monat nach der russischen Invasion sperrte Kiew aus Protest gegen die Annexion der Halbinsel den Nord-Krim-Kanal, \u00fcber den das Dnjepr-Wasser vom ukrainischen Festland auf die Krim gelangte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danach begannen die russischen Besatzungsbeh\u00f6rden Brunnen zu bohren, was aber das Problem nicht l\u00f6ste. Im Gegenteil, denn es kam zu einer Versalzung der B\u00f6den im Norden der Krim, wo die Landwirtschaft zum Erliegen kam. Projekte zur Meerwasserentsalzung, Abwasseraufbereitung, zum Bau einer Wasserleitung aus Russland \u00fcber den Grund des Schwarzen Meeres und einer Leitung \u00fcber die Br\u00fccke \u00fcber die Meerenge von Kertsch wurden nicht realisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Touristen kann man per Flugzeug bringen, Strom \u00fcber eine Leitung aus der russischen Region Krasnodar liefern, aber eine Wasserversorgung der Krim ist nur vom ukrainischen Festland aus m\u00f6glich. Nur Kiew kann den Kreml von diesem Problem befreien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derzeit hat sich der Wassermangel zugespitzt, da der Herbst und bisherige Winter zu trocken waren. Es geht nicht nur um Trinkwasser, das angeblich noch reichen soll, sondern auch um Wasser, das beispielsweise in der Landwirtschaft oder in Milit\u00e4rbasen gebraucht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was sagen die Besatzungsbeh\u00f6rden und Russland?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Besatzungsbeh\u00f6rden auf der Krim geben die Probleme zu. Der Chef der Besatzungsbeh\u00f6rden der Krim, Sergej Aksjonow, erkl\u00e4rte, die Suche nach zus\u00e4tzlichen Wasserquellen sei nach wie vor eine der wichtigsten Aufgaben auf der Krim. Er sagte, die Krim werde 20 Milliarden Rubel (etwa 296 Millionen Euro) f\u00fcr die Sanierung des Mischhirskyj-Wasserspeichers erhalten, \u00fcber den Simferopol mit Wasser versorgt werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterdessen schlie\u00dfen einige Abgeordnete des &#8220;Staatsrates der Krim&#8221; nicht aus, Wasser vom ukrainischen Festland zu kaufen. So sagte Walerij Aksjonow: &#8220;Russland hilft der Ukraine mit Gas, aber warum verlangt es nicht von internationalen Organisationen, dass wir weiter mit Wasser versorgt werden?&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dmitrij Peskow, Pressesprecher des russischen Pr\u00e4sidenten, erkl\u00e4rte im Zusammenhang mit der Debatte, wonach Kiew die Kontrolle \u00fcber die ukrainisch-russisch Grenze in Donbass zur\u00fcckbekommen und als Gegenleistung die Wasserversorgung der Krim wieder aufnehmen k\u00f6nnte: &#8220;Die Krim kann kein Tauschobjekt sein.&#8221; Er f\u00fcgte allerdings hinzu: &#8220;Wenn es Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine zus\u00e4tzliche Wasserversorgung auf kommerzieller oder anderer Basis gibt, k\u00f6nnen diese in Betracht gezogen werden.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was sagen ukrainische Abgeordnete und Politiker?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ukraine lehnt seit 2014 eine Wasserversorgung der besetzten Halbinsel ab. Doch in den letzten Wochen wurden Vorschl\u00e4ge laut, diese Haltung zu revidieren &#8211; insbesondere seitens prorussischer Politiker und einiger Mitgliedern der regierenden Partei &#8220;Diener des Volkes&#8221;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fraktionschef der &#8220;Diener des Volkes&#8221;.<\/strong>David Arachamia sagte am 11. Februar: &#8220;Wenn man der Krim Wasser gibt und dadurch einen gro\u00dfen Vorteil bei den Verhandlungen \u00fcber den Donbass bekommt, dann k\u00f6nnte man das &#8211; so meine pers\u00f6nliche Position &#8211; als einen ausreichenden Kompromiss betrachten.&#8221; Aber da seine Aussage einen \u00f6ffentlichen Aufschrei verursachte, entschuldigte er sich sp\u00e4ter f\u00fcr seine Worte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abgeordnete der Regierungspartei.<\/strong>Noch vor Arachamias Erkl\u00e4rung hatte Anfang Februar Jurij Aristow, Abgeordneter der Partei &#8220;Diener des Volkes&#8221; und Vorsitzender des Haushaltsausschusses, gesagt, die Ukraine erw\u00e4ge, Wasser an die Krim zu verkaufen. &#8220;Die Israelis verkaufen Wasser an ein kriegf\u00fchrendes Land, sie verdienen damit Geld. Wir hatten zum Beispiel die Idee, Wasser an Russland, also an die Krim, zu verkaufen.&#8221; Sp\u00e4ter stellte Aristow klar, dass dies nur eine Idee ohne konkrete Ma\u00dfnahmen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jelisaweta Bohutska, die von der Krim stammt, ist ebenfalls Abgeordnete der Partei &#8220;Diener des Volkes&#8221; im ukrainischen Parlament. Sie ist gegen den Verkauf von Wasser an die besetzte Krim: &#8220;An wen soll es verkauft werden? Mit wem soll ein Vertrag abgeschlossen werden? Da herrscht eine Okkupation! Man w\u00fcrde Wasser nicht an sein eigenes Territorium verkaufen, sondern an Besatzer. Sie sollen die Krim verlassen und dann werden wir gerne Wasser liefern. Das ist die gemeinsame Position der Fraktion.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abgeordnete anderer Fraktionen.<\/strong>Der Leiter der Vertretung des Pr\u00e4sidenten der Ukraine in der Autonomen Republik Krim, Anton Korynewytsch, sowie der Abgeordnete der oppositionellen Partei &#8220;Europ\u00e4ische Solidarit\u00e4t&#8221;, Achtem Tschyjgos, dessen Familie und Freunde auf der Krim leben, sind kategorisch gegen eine Wiederaufnahme der Wasserversorgung der Krim durch die Ukraine. &#8220;Unsere B\u00fcrger verstehen, dass dies ein Kampf gegen die Besatzer ist. Deshalb ist all dieses Gerede einiger Vertreter der Partei des Pr\u00e4sidenten, sie w\u00fcrden sich um die B\u00fcrger sorgen, eine L\u00fcge und ein Versuch, die \u00d6ffentlichkeit zu t\u00e4uschen. Dies beweist, dass ein Teil des Pr\u00e4sidenten-Teams der &#8216;Diener des Volkes&#8217; bereit ist, mit Russland zusammenzuarbeiten&#8221;, so Tschyjgos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vorsitzender des Medschlis der Krimtataren. <\/strong>Refat Tschubarow ist der Ansicht, eine Wiederaufnahme der Wasserversorgung w\u00fcrde die &#8220;Position der Besatzer auf der Halbinsel festigen&#8221;. &#8220;Erst nach einem Abzug der Truppen werden wir die ersten Schleusen \u00f6ffnen. Es darf keine Kompromisse geben&#8221;, betonte Tschubarow und f\u00fcgte hinzu, dass es derzeit gen\u00fcgend Trinkwasser auf der Krim gebe, aber vielleicht zu wenig Wasser f\u00fcr die Landwirtschaft und die russischen Milit\u00e4rbasen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der neu ernannte Leiter des ukrainischen Pr\u00e4sidialamts, Andrij Jermak, versicherte, dass die Ukraine nie mit Russland \u00fcber eine Wiederaufnahme der Wasserversorgung gesprochen habe. Er betonte, David Arachamia habe ausschlie\u00dflich seine pers\u00f6nliche Meinung zum Ausdruck gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was sagen Menschen, die von der Krim stammen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vertreter des Medschlis der Krimtataren im Bezirk Krasnoperekop, Musaraf Fukala, lehnt Wasserlieferungen an die Krim strikt ab. &#8220;Die meisten Krimtataren wollen nicht, dass die Ukraine Wasser an die Halbinsel verkauft. Das w\u00e4re Verrat an der Ukraine. Es wird auch vermutet, dass man unsere dort gefangenen Landsleute im Austausch gegen Wasser freilassen wolle&#8221;, sagte er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der ukrainische Regisseur Oleh Senzow erkl\u00e4rte, Menschen k\u00f6nne man nur gegen Menschen austauschen und nicht gegen politische Zugest\u00e4ndnisse. Doch die Logik des Kremls zeuge genau vom Gegenteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ukrainern k\u00f6nnten wieder vor eine Wahl gestellt werden: Wenn auf einer Waagschale eine politische Entscheidung liegt (Wiederaufnahme der Wasserversorgung der Krim) und auf der anderen eine humanit\u00e4re Entscheidung (Freilassung ukrainischer B\u00fcrger durch Russland). Die Wasserversorgung der Halbinsel w\u00fcrde man dabei als humanit\u00e4ren Akt darstellen. Klar ist, dass eine Wasserversorgung der Krim den Verlust eines wichtigen Hebels bedeuten w\u00fcrde, mit dem Kiew Einfluss auf den Kreml nehmen kann. Eine Wasserversorgung w\u00fcrde zudem die endg\u00fcltige Billigung Kiews der Annexion der Halbinsel bedeuten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Wasserversorgung auf der Krim wurde letzte Woche in der Ukraine viel diskutiert. Am 11. 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