Kiew
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Ukraine bekommt mit dem “Ukraïner” eigenes “National Geographic”

Kiew, 07. April 2017.

Das Projekt “Ukraïner” bereitet sich auf seine vierte Expedition vor, um der Welt die bisher wenig bekannten Regionen der Ukraine zu präsentieren.

Ukraïner”, das Medien-Projekt, das sich mit der Geographie und den Menschen der Ukraine beschäftigt, wurde vom ukrainischen Blogger Bohdan Lohwynenko im Juni 2016 gegründet und stellt eine Art ukrainisches “National Geographic” dar. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die bisher wenig bekannten Gebiete und Orte des Landes zu entdecken, um sie dann den Ukrainern und der internationalen Leserschaft vorzustellen. Zusammen mit seinem Team reist Lohwinenko durch das Land und berichtet über das Entdeckte mit seinen Texten, Fotos und Videos.

Die Website von Ukraïner beinhaltet drei Sektionen: Menschen, Orte und Essen. Die Texte, die meist lang und ausführlich ausfallen, werden in fünf Sprachen zur Verfügung gestellt: Ukrainisch, Englisch, Polnisch, Deutsch und Russisch. Untertitel für das Videomaterial werden zusätzlich auf Französisch, Italienisch und Georgisch präsentiert.

Expeditionen

Das Ukraïner-Team hat bereits drei Expeditionen durchgeführt, die vierte wird gerade vorbereitet. Die Forscher reisten bisher in die Regionen Poltawa, Transkarpatien, Priazowia, Saporischshja und Cherson sowie in Teile der Region Donezk. “Wir konzentrieren uns auf die Geschichten der einfachen Menschen, auf ihre kleinen Siege, kleine kulturellen Events und andere Dinge der Provinz, die es meistens nicht in die Medien schaffen”, erklärt Bohdan Lohwynenko. “Die Menschen in diesen Gegenden sind aufrichtig, interessant und ehrlich. Das ist die Ukraine, die nicht nur den restlichen Ukrainern gezeigt werden sollte, sondern Europäern generell”, meint Pawlo Paschko, Kameramann des Projektes. Dank der Expeditionen und der Aufmerksamkeit, die ihnen geschenkt wird, werden Brücken zwischen den Regionen in der Ukraine geschlagen: Manche Einwohner sind positiv überrascht, dass die Dinge, die sie für selbstverständlich erachten, in Wahrheit einzigartig im Land sind, wie die Schmalspurbahn in Transkarpatien.

Die nächsten Projekte

Das Team bereitet sich derzeit auf eine dreitägige Expedition im ukrainischen Polessien vor, was sich im Norden und Nordwesten des Landes befindet. Die Reise wird in Tschernobyl beginnen und über die Schatski Seen verlaufen und dabei Teile von Siwerschtschyna in der Tschernihiw und Sumy Region abdecken. Die Forscher hoffen, dass die Expedition den Dialog zwischen den einheimischen Ukrainern, Polen und Belarussen vertieft. Das Team beabsichtig, 40 Orte zu besuchen und ca. 30 Einheimische zu interviewen, erklärte Bohdan Lohvynenko während einer Pressekonferenz im Ukraine Crisis Media Center.

Die “ukrainische Schweiz” und die Sperrzone von Tschernobyl

Unter den Orten, die das Team aufnehmen will sind die drei größten Süßwasserseen der Ukraine, Switiaz, Bile und Nobel, sowie das Gebiet am Fluss Slutsch, das oft als “ukrainische Schweiz” bezeichnet wird, erzählt Taras Kowaltschuk, Fotograf des Projektes. Einige der Orte sind nicht einmal auf Google Maps zu finden, weil es kaum Straßen gibt. Einer der interessantesten Orte ist ein abgeschnittenes Dorf, in dem ca. 20 ältere Damen leben, die Boote benutzen, um in die nächstgelegene Stadt zu gelangen.

Das Ukraïner Team wird auch in die Tschernobyl-Sperrzone reisen. “In Tschernobyl werden wir neben unseren üblichen Aufnahmen auch eine 360°-Aufnahme mit unseren Partnern des polnischen Studios, The Farm 51, durchführen. Wir werden das Atomkraftwerk, die Sperrzone und die Stadt Prypjat mit den Einwohnern, die bis heute die Gegend nicht verlassen haben, filmen. Es wird den Menschen, die die Sperrzone nie besucht haben, eine Möglichkeit eröffnen, die Gegend virtuell zu besuchen”, sagt der Fotograf Serhij Korowainji. Ein achtköpfiges Team wird an der Expedition teilnehmen, darunter ein belarussischer Kameramann und ein polnischer Fotograf.

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