Kyiv
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2017 nahmen doppelt so viele Menschen an der KyivPride teil als im Vorjahr – Organisationskomitee

Kyiv, 19. Juni 2017.

Am Marsch der Gleichberechtigung „KyivPride-2017“ nahmen nach Einschätzung der Polizei 2500 Personen teil, und nach Einschätzung der Organisationen zirka 3500. Erstmals waren außer zu Fuß gehenden Teilnehmern auch zwei Fahrzeuge dabei – mit finanzieller Unterstützung eines Fonds von Elton John.

„Unserer Meinung nach war diese Veranstaltung ein Fortschritt. Nicht nur, weil es doppelt so viele Teilnehmer als im Vorjahr gab, und nicht nur, weil der Marsch eine breite mediale Aufmerksamkeit erhielt und wir sehen, dass die öffentliche Unterstützung wächst, sondern auch, weil mehr Vertreter und Mitglieder der LGBT-Gemeinschaft teilnahmen. Das heißt, dass die Leute aufhören, Angst zu haben, sich im öffentlichen Raum zu zeigen“, erklärte Zorjan Kis, Vorstandsmitglied der Gesellschaftsorganisation „KyivPride“, während einer Pressekonferenz im Ukraine Crisis Media Center.

Während des Marsches gab es keine größeren Übergriffe. Die Gegner des Marsches (zirka 300-400 Personen) begannen bereits am Abend, sich im Schewtschenko-Park zu sammeln, um die Route zu blockieren. Deshalb wurde im letzten Moment entschieden, eine alternative Route über die Tereschtschenkowska-Straße zu gehen.

Die Gegner des Marsches konnten eine große Regenbogenflagge und zirka 20 kleinere erbeuten, aber sie schafften es nicht, den Teilnehmerzug auseinander zubringen oder ihn anzugreifen.

Sieben Angriffe auf Teilnehmer gab es gegen 14/15 Uhr nach dem Marsch. Bei diesen Zwischenfällen wurden 10 Personen (neun Männer und eine Frau) verletzt. Nach Angaben der Organisationen wurden diese Teilnehmer absichtlich verfolgt. Außerdem wurde ein weißrussischer Beobachter der Menschenrechtsorganisation „OZON“ (ebenfalls nach dem Marsch) und ein Medienvertreter überfallen. Die Umstände des letztgenannten Zwischenfalls werden geprüft.

Die Organisatoren merkten an, dass sie in diesem Jahr vor dem Marsch und während der Durchführung erstmals mit Provokationen informativer Art zusammenstießen. Sie berichteten, dass sie nicht auf jede einzelne reagieren konnten.

„Das Organisationskomitee konnte und wollte während des Marsches nicht alles kontrollieren oder zensieren. Ich betone, dass das Organisationskomitee nicht allen Losungen zustimmt, die bei dem Marsch gezeigt wurden [Es gab auch Teilnehmer, die Plakate trugen, die von der Öffentlichkeit negativ aufgefasst wurden. “Make love, not civil war”, womit darauf angespielt wurde, im Osten der Ukraine herrsche kein internationaler Konflikt mit Russland sondern ein innerer Konflikt. Auf einem anderen Plakat stand “Zum Teufel mit Eurem Patriotismus”]. Der Marsch der Gleichheit ist eine offene Veranstaltung, auf der jede Position geäußert werden darf, die von der ukrainischen Gesetzgebung gedeckt ist. Die freiwilligen Sicherheitskräfte wurden instruiert, Plakate, die zu Gewalt und anderen Rechtsverletzungen aufriefen und die gegen unsere offizielle Position waren, zu entfernen. Mehr ist zu diesem Thema nichts zu sagen“, erklärte Zorjan Kis.

Trotz der Übergriffe meinen die Organisatoren, dass der Marsch der Gleichberechtigung auf sehr hohem Niveau durchgeführt wurde.

„Obwohl die Bedingungen schwierig waren, hatte ich den Eindruck, dass es genügend Polizisten zum Schutz gab. Das heißt, dass sie die Sicherung des Marsches gut geplant hatten und durchführten“, sagte Zorjan Kis.

„Wir bekamen eine enorme Unterstützung der LGBT-Gemeinschaft und von Menschen, die kein Teil dieser Gemeinschaft sind, sowie von internationalen Organisationen, diplomatischen Vertretungen und ukrainischen LGBT-Rechtsschutzorganisation. In diesem Jahr gab es Vertreter und Mitglieder von verschiedenen Gruppen, die den KyivPride unterstützten. Für uns ist das auch sehr wichtig. Ich denke, das ist einer der größten Fortschritte, weil der Marsch der Gleichberechtigung ein Marsch für alle wurde. Und ich hoffe, dass sich kommende Märsche der Gleichberechtigung auch in diese Richtung entwickeln werden“, ergänzte Ruslana Panuchnyk, Direktorin der Gesellschaftsorganisation „KyivPride“.

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