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Wie ein blinder Ukrainer problemlos im IT-Bereich arbeitet

Wie ein blinder Ukrainer problemlos im IT-Bereich arbeitet
Kyiv, 23. Juni 2017.

Denys Reweha kommt aus Lwiw im Westen der Ukraine. Sein Augenlicht verlor er als er zwei Jahre alt war. Jetzt ist er 26. Er hat eine Frau und eine Tochter. Auch seinen Job für ein IT-Unternehmen liebt er sehr.  Seine Frau Inna lässt ihn oft auch mit der Tochter allein. “Sie gehen zusammen spazieren. Denys trägt sie sogar auf seinen Schultern”, sagt sie und betont, dass ihr Mann versuche, sich wie eine normale Person zu verhalten und nicht zu zeigen, dass er blind ist.

Als er zehn Jahre alt war, bekam Denys einen Computer geschenkt. Mit 14 erstellte er seine erste Internetseite. Nach Abschluss seines Studiums war er freiberuflich tätig. Doch bald erkannte er, dass er jeden Tag zur Arbeit gehen will wie jeder andere. “Das habe ich angestrebt und auch erreicht. Ich gehe meiner Arbeit nach und spüre dabei keine Unannehmlichkeiten. Natürlich passieren manchmal auch Fehler, aber das ist bei jedem so”, sagt er.

Denys befasst sich mit Backend-Programmierung. In seiner Arbeit steht er als blinder Programmierer seinen sehenden Kollegen in nichts nach. “Erst hatten wir Bedenken, aber beim Vorstellungsgespräch tat er sehr selbstsicher auf. Er war besser als viele Mitbewerber und wir wollten es mit ihm versuchen. Er ist aufmerksam, macht immer was notwendig ist und findet zusätzliche Aufgaben. Arbeitgeber wollen kein Risiko eingehen, vor allem große Unternehmen. Es kommt aber hinzu, dass viele Menschen mit Behinderungen sich selbst zu wenig zutrauen. Denys ist das Gegenteil davon. Er traut sich viel zu und unterscheidet sich nicht von uns anderen”, sagt Olexandr, Denys’ Chef.

Die Arbeit im IT-Bereich ermöglicht es Denys, anderen blinden Menschen einen Schritt voraus zu sein. Er verwendet eine Vielzahl von Applikationen, die ihm das Leben erleichtern. “Es gibt eine Software, die einen ganzen Text in gesprochenes Wort umwandelt. Ich nutze außerdem eine Anwendung, die Geld erkennt. Auch nutze ich beispielsweise Google Maps”, sagt er über seinen Alltag.

Zugleich betont er, dass es für ihn leichter wäre, wenn die Menschen ihn ganz normal wahrnehmen würden und aus seiner Blindheit keine Tragödie machen würden. “Trotz Behinderungen sollten Menschen nach etwas streben und nicht wie eine Pflanze zu Hause sitzen”, so Denys.

Quelle: Romb

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