Kiew
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Geld und Verantwortung: Gibt es in der Ukraine Social Business?

Kiew, 28. Juli 2017.

Social Business hat zum Ziel, soziale Probleme zu lösen und dem Wohl der Gesellschaft zu dienen. Ein Beispiel für soziales Unternehmertum, das es in vielen Ländern gibt, ist die Grameen Bank, die Mikrokredite an arme indische Dorfbewohner vergibt. Weitere Beispiele sind Adidas-Turnschuhe für Menschen mit körperlicher Behinderung sowie günstiger vitaminisierter Danone-Joghurt in asiatischen und anderen Ländern. Anlässlich des “International Social Business Day” haben auf einer Pressekonferenz im Ukraine Crisis Media Center Vertreter ukrainischer sozialer Unternehmen über ihre Erfahrungen berichtet. Vorgestellt wurde auch die Arbeit der Stiftung “Ukrainische Sozialakademie”, einer Schule für Innovation und soziales Unternehmertum.

Ausbildung bei der “Ukrainischen Sozialakademie”

Der Leiter der “Ukrainischen Sozialakademie”, Mychajlo Melnyk, sagte während der Pressekonferenz, die Stiftung helfe jedem Schüler, seine innovative soziale Mission zu finden. “Wir helfen dabei, eine soziale Idee zu prüfen. Dann arbeiten wir an ihrer Umsetzung. Wir bieten einen Finanz- und Marketingplan an und informieren über den juristischen Teil”, so Melnyk. Gewinne, die die Akademie aus ihrer Tätigkeit erhalte, würden in Form von Stipendien für Studenten der Bildungseinrichtung reinvestiert.

Soziale Floristik und Wohltätigkeitsläden

Viktoria Makerska ist Mitbegründerin des sozialen Floristik-Unternehmens “Baum der Wünsche” in der ukrainischen Stadt Sumy. Sie ist Absolventin der “Ukrainischen Sozialakademie”. Auf der Pressekonferenz berichtete sie, wie ihr Unternehmen unterschiedliche soziale Gruppen unterstützt. In erster Linie sei es Studenten bei der Suche nach Arbeit in Sumy behilflich. Vor kurzem habe der “Baum der Wünsche” zudem eine Zusammenarbeit mit dem Rehabilitationszentrum für Kinder mit Behinderungen aufgenommen. “Wir wollen Kindern mit Behinderungen die Floristik näher bringen, damit sie einen Beruf haben, den sie in ihrem Leben ausüben können”, sagte Makerska.

Anna Hryschtschenko von der “Ukrainischen Sozialakademie” betonte, die Stiftung interessiere sich außerdem für das Problem eines übermäßigen Konsums in der Welt. “Wir haben gesehen, dass es in Großbritannien ein Netz von Wohltätigkeitsläden gibt, und überlegt, dass man dies auch in  der Ukraine machen kann. Dies könnte große Problem zumindest auf lokaler Ebene lösen”, sagte Hryschtschenko, die einen entsprechenden Laden mit der Bezeichnung “Laska” mitgegründet hat. “Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, selbst aktiv zu werden. Man muss sich nur etwas einfallen lassen, einen Businessplan erstellen und loslegen”, sagte sie.

28. Juli – “International Social Business Day”

Der “International Social Business Day” wird am Geburtstag des bengalischen Wirtschaftswissenschaftlers Muhammad Yunus begangen. Er ist Gründer und ehemaliger Geschäftsführer der Mikrokredite vergebenden Grameen Bank und damit einer der Begründer des Mikrofinanz-Gedankens. 2006 wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Mikrokredite sollen den schwächsten Bevölkerungsgruppen helfen, aus eigener Kraft die Armut zu überwinden.

Die von Yunus festgehaltenen sieben Prinzipien des Social Business sehen unter anderem vor, dass Investoren nur ihre Investitionsgelder zurückerhalten und keine Dividendenausschüttung gewährt wird. Ferner soll das Umweltbewusstsein geschärft und die Arbeitsbedingungen für die Belegschaft verbessert werden. Laut Yunus ist Social Business das Zukunftsmodell des Kapitalismus mit menschlichem Antlitz.

Erstmals wurde der “International Social Business Day” 2010 in Dhaka begangen. Dort gab es ein internationales Forum sowie eine Ausstellung von Produkten sozialer Unternehmen. Seitdem diskutieren die Teilnehmer des Forums jedes Jahr Konzepte und Herausforderungen für Unternehmen mit sozialer Verantwortung.

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