Kiew
,

Der Tod von Amina Okujewa

Der Tod von Amina Okujewa

Am 30. Oktober ist in Kiew ein Attentat auf Amina Okujewa und Adam Osmajew verübt worden. Die junge Frau wurde tödlich verletzt. Die Ermittlungen laufen.

Der Tatort

Am Montagabend kehrten Amina Okujewa und ihr Ehemann Adam Osmajew mit einem Auto aus einer anderen Region der Ukraine nach Kiew zurück. Am Steuer saß Adam. An einem Eisenbahnübergang nahe dem Dorf Hlewacha in der Region Kiewer Gebiets wurde ihr Auto beschossen. “Alles flog um mich herum, die ganze Verkleidung des Autos. Ich fuhr so weit wie möglich, bis das Auto stoppte, denn auch der Motor war von Kugeln getroffen. Ich wollte Amina helfen, aber sie haben ihren Kopf getroffen. Ich konnte nichts mehr machen… “, erinnert sich der Ehemann der Toten. Adam Osmajew selbst wurde am Bein verletzt und befindet sich im Krankenhaus.

Unmittelbar nach dem Attentat wurde in der Region Kiew und den  angrenzenden Regionen eine Fahndung angeordnet. Am Tatort erschien der Chef der Nationalen Polizei, Serhij Knjasew. Das Gebiet wurde in einem Radius von 300 Metern abgesperrt. Wenig später traf dort auch der Staatsanwalt der Region Kiew, Dmytro Tschybysow, ein. Er sagte, die Schüsse seien gegen 20.30 Uhr aus einem Hinterhalt im Gebüsch nahe dem Bahnübergang abgegeben worden.

Nicht das erste Attentat

Dies war nicht der erste Versuch, das Ehepaar zu töten. Bereits am 1. Juni 2017 waren Amina Okujewa und Adam Osmajew mit schweren Schussverletzungen in ein Kiewer Krankenhaus eingeliefert worden. Dem Pressesprecher des ukrainischen Innenministeriums, Artem Schewtschenko, zufolge handelte es sich damals auch um ein Attentat. “Der Täter hatte sich als ausländischer Journalist ausgegeben, der angeblich ein Interview wollte. Als er sie traf, eröffnete er das Feuer mit einer Pistole und verletzte Adam. Amina schoss, um sich selbst zu verteidigen, auf den Täter und verletzte diesen schwer”, schrieb Schewtschenko auf Facebook. Das Attentat im Juni wurde von Artur Denisultanow (Kurmakajew), mit dem Spitznamen “Dingo”, verübt. Er ist gebürtiger Tschetschene. Er war Verdächtiger im Mordfall Umar Israjilow in Wien, einem persönlichen Leibwächter des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow.

Mit weiterem Attentat musste gerechnet werden

Amira ging davon aus, dass sie und ihr Mann verfolgt werden. Zwei Tage vor deren Ermordung postete deren Freund Kas Kurasov auf Facebook ein Foto des Paares. Dazu schrieb er, dass beide mit einem weiteren Attentat rechnen würden. Auch Amina selbst bestätigte dies:

“Russische Blogger nennen mich ‘tschetschenische Terroristin’. Fast jeden Tag bekomme ich auf Facebook und Twitter Drohungen von Tschetschenen, die in Russland leben und dem autoritären tschetschenischen Führer Ramsan Kadyrow ergeben sind. Aber das macht mir keine Angst.”

“Wir bekommen ständig Informationen darüber, dass russische Geheimdienste und Kadyrow-Einheiten befohlen haben, uns zu töteten. Deshalb sind wir natürlich immer wachsam, nie entspannt, versuchen immer einander zu decken und sind immer bewaffnet.”

Wer ist Adam Osmajew?

Ihren zweiten Mann, den tschetschenischen Kämpfer Adam Osmajew, lernte Amina 2008 kennen. Ihr zufolge hatten sie keine Kinder geplant, weil beide ihr Leben dem Kampf für Freiheit widmen wollten.

Adam Osmajew wurde 2012 nach der Explosion eines selbstgebauten Sprengsatzes in der Ukraine festgenommen, wo er sich zu diesem Zeitpunkt illegal aufhielt. Im Herbst 2014 sprach ihn ein Bezirksgericht in Odessa schuldig, illegal mit Explosivstoffen hantiert und dabei fremdes Eigentums zerstört zu haben. Ferner wurde er der Fälschung von Dokumenten schuldig gesprochen. Die Anklage wegen Terrorismus wurde aber fallengelassen. Osmajew wurde aus der Haft entlassen, da er bereits neun Monate und 14 Tage in Untersuchungshaft verbracht hatte. In Russland wird er nach wie vor verdächtigt, einen Anschlag auf Präsident Wladimir Putin geplant zu haben.

Wer war Amina Okujewa?

Amina Okujewa, geborene Natalia Nikiforowa, war ukrainische Staatsbürgerin mit tschetschenischen und polnischen Wurzeln. Sie wurde am 5. Juni 1983 in Odessa geboren. Ihre Familie lebte in Moskau und Grosny. Seit 1999 nahm sie am zweiten Tschetschenienkrieg an der Seite der Tschetschenischen Republik Itschkeria teil. 2003 kehrte sie in die Ukraine zurück. Nach ihrem Abschluss an der Medizinischen Universität von Odessa arbeitete sie in einem städtischen Krankenhaus von Odessa in der Abteilung für Allgemeine Chirurgie. Zum Islam trat Amina in ihrer ersten Ehe über und änderte auch ihren Namen.

Während des Euromaidans in Kiew war Amina Okujewa ständig als Ärztin in einem Erste-Hilfe-Zelt aktiv. Im Juli 2014 schloss sie sich als Sanitäterin dem Freiwilligen-Bataillon der Spezialpolizei “Kiew-2” an und nahm an der Anti-Terror-Operation im Osten der Ukraine teil. Die junge Frau war an der Verteidigung von Debalzewe und an Kampfeinsätzen in der Nähe von Tschernuchino in der Region Luhansk beteiligt. Später war sie Pressesprecherin des Internationalen Friedens-Bataillons, benannt nach Dschochar Dudajew. Im Jahr 2014 kandidierte Amina in einem Stadtbezirk von Odessa für das ukrainische Parlament. Doch sie bekam kein Mandat. 2015 wurde ihr die Auszeichnung “Volksheldin der Ukraine” sowie vom Innenministerium eine Schusswaffe vom Typ “Glock 43” verliehen.

Aufgrund ihres Todes können mehrere Projekte von Amina Okujewa nicht mehr zu Ende geführt werden. Unter anderem arbeitete sie an einer Reihe von Reportagen über die Helden des Kaukasus. Außerdem arbeiteten Amina mit Freunden an einem Buch mit dem Titel “Moderne Märchen der Ukraine”. Darin sollten in einer für Kinder zugänglichen Form Geschichten über den Krieg im Osten der Ukraine erzählt werden.

Teilen auf soziale Netzwerke

Twitter