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Olha Hontschar: “Jede Krise in eine Chance verwandeln”

Olha Hontschar ist Kulturwissenschaftlerin und betreut Projekte im Bereich der Kommunikation. Sie untersucht auch das Management von Museen in der Ukraine und beschäftigt sich mit der Erhaltung des kulturellen Erbes in bestimmten Regionen des Landes.

Zwischen 2015 und 2017 war sie als PR-Managerin im Bereich Kultur für das Ukraine Crisis Media Center (UCMC) tätig. Im Rahmen des Programms “Kulturdiplomatie zwischen den Regionen der Ukraine” hat sie mehrere Projekte und Initiativen in Städten der Regionen Donezk und Luhansk verwirklicht, die sich entweder in der Nähe der Front befinden oder von der ukrainischen Armee befreit wurden. Olha war auch PR-Managerin des 83. Internationalen PEN-Kongresses, der in diesem Jahr in Lwiw stattgefunden hat.

Seit September 2017 leitet sie das Totalitarismus-Museum “Territorium des Terrors” in Lwiw. Mit nur 24 Jahren wurde sie Direktorin eines staatlichen Museums. Es wurde im Jahr 2009 auf dem Gelände einer ehemaligen Justizvollzugsanstalt und und des jüdischen Ghettos errichtet. Im Juli 2016 ging das Museum in kommunalen Besitz über.

Wie alles begann

Olha wurde in Browary in der Region Kiew geboren. Schon früh interessierte sie sich für Kunst. Sie nahm an einem Schülerkreis teil, der sich mit Museen beschäftigte. So begann damals ihre “Museumsgeschichte”. Ihr Studium der Kulturwissenschaft verband sie mit der Arbeit an verschiedenen Projekten und Initiativen. Aber im dritten Studienjahr fragte sie sich, ob sie überhaupt eine Arbeitsstelle finden wird, von der sie leben kann. Sie entschloss sich, im Kiewer Museum für populäre Wissenschaft und Technologie “Experimentanium” als Führerin anzufangen. Doch sie war auch als Forscherin im ukrainischen “Museum für Buch und Druck” beschäftigt.

Gegen Ende ihres Studiums war sie an der Organisation des Intermezzo-Literaturfestivals in Winnyzja beteiligt, wo sie erstmals mit dem UCMC in Kontakt kam. Schließlich wurde sie Teil des UCMC-Teams.

Damals startete das UCMC gerade seine Projekte im Osten der Ukraine. Das bekannteste ist wohl das Projekt “Das Museum ist wegen Renovierung geöffnet” in Slowjansk und Lyssytschansk, wo Olha das Projekt koordinierte und eine PR-Kampagne entwickelte. Das Projekt dauerte vier Monate und war innovativ und experimentell. Die Hauptidee des Projekts bestand darin, Museen zu modernen Kulturzentren zu machen, die aktiv am Leben ihrer Stadt beteiligt sind, die humanitäre Politik ihrer Regionen gestalten sowie in Wissenschaft und Bildung aktiv sind. Derzeit läuft die zweite Phase des Projekts, dem sich 28 Museen im Donbass angeschlossen haben. Olha koordiniert auch weiterhin, trotz ihrer Arbeit als Museumsdirektorin in Lwiw, die Kommunikation im Rahmen dieses Projekts.

“Bei allen Nachteilen muss man auch die Vorteile sehen”

Olha wollte schon immer in einem Museum arbeiten. Für sie ist dies eine Gelegenheit, sich in einer neuen Aufgabe auszuprobieren, eine neue Herausforderung anzunehmen. Obwohl staatliche Institutionen nur begrenzte finanzielle Mittel haben, bieten sie im Vergleich zu Projekten, die nur ein bis zwei Jahre laufen, Managern doch oft größere Möglichkeiten. Während ihrer Arbeit im Museum hat sie zudem viel darüber gelernt, wie das staatliche System funktioniert. Das Interessanteste ist, dass es wirklich genügend Möglichkeiten und Mittel gibt, diese auch einzusetzen. Daher lautet Olhas Motto: “Bei allen Nachteilen muss man auch die Vorteile sehen und jede Krise in eine Chance verwandeln.”