Zirka 50.000 Kinder im Gebiet von Donezk brauchen nach den Kriegshandlungen im Donbass stärkere psychologische Hilfe – Psychologen

Zirka 50.000 Kinder im Gebiet von Donezk brauchen nach den Kriegshandlungen im Donbass stärkere psychologische Hilfe – Psychologen
27. Oktober 2015.

Kiew, 27. Oktober – Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation waren während der Kriegshandlungen im Donbass über 5 Mio. Ukrainer betroffen, davon fast 2 Mio. Kinder. Mit Stand von Anfang 2015 lebten im Gebiet von Donezk über 500.000 Kinder und ein Großteil von ihnen wurden Zeugen der militärischen Ereignisse, die in diesem Gebiet stattfanden. Wie die Psychologin Tatjana Schulga während einer Skype-Schaltung im Ukrainischen Crisis Media Center im Rahmen des Pilotprojekts „Sprecher eines friedlichen Lebens“ berichtete, brauchen 11 Prozent dieser Kinder eine tiefenpsychologische Reha. Das heißt, zirka 50.000 Kinder aus diesem Gebiet.

„Angst, Schlafstörungen, Aggression und Reizbarkeit sind erste Anzeichen dafür, dass die Kinder psychologische Hilfe brauchen“, sagte Tatjana Schulga.

Nach ihren Angaben brauchen die Kriegskinder auf zwei Ebenen Hilfe. „In erster Linie besteht diese in einem Dialog zwischen den Eltern und Kindern. Dabei arbeiten wir nicht nur mit der jungen Generation zusammen, sondern auch mit ihren Eltern, um ihnen zu erklären, wie sich eine Depression bei Teenagern zeigt und wie sie auf eine solche reagieren können“, berichtete Tatjana Schulga. „Zum anderen arbeiten wir mit Schulpsychologen und Lehrern“, sagte sie weiter.

In diesem Zusammenhang führte die Nationale Universität Kiew-Mohyla-Akademie mit Unterstützung des Bildungsministeriums und des Internationalen Malteser Hilfsdiensts ein Jahr lang in Slowjansk Trainings für 400 Schulpsychologen im Gebiet von Donezk durch. „Dank dieser Hilfe gelang es uns, Privat- und Gruppenunterricht für über 10.000 Kinder und einige tausend Schullehrer durchzuführen“, berichtete Tatjana Schulga.

Parallel beschäftigen sich Freiwillige der Jugendplattform „Wilna Hata“ („Freies Haus“) in Kramatorsk damit, Kindern zu helfen. „Wir arbeiten in drei Richtungen. Ein Projekt ist im Erziehungsbereich, wobei wir selbst Familien aussuchen, die in unserer Stadt unter den Kriegshandlungen litten. Dabei arbeiten wir derzeit mit 5 Familien und 14 Kindern in diesen Familien. Das zweite Projekt ist die Arbeit mit der lokalen Kindermedizin, unter anderem mit dem Zentrum „Vormundschaft für Waisen“, wobei wir Nahrungsmittel, Kleidung und Hygieneartikel spenden. Und das dritte Projekt sind Filmvorführungen und Workshops für lokale Internate“, berichtete Anastasia Slawjanskaja, die Administratorin der Plattform „Wilna Hata“. Sie betonte, dass jeder von „Wilna Hata“ psychologische Hilfe bekommen kann, der dies wünscht.

Wie die Psychologen und Aktivisten anmerkten, ist allerdings die Hauptsache, bei den Kindern im Donbass, die Zeugen von Kriegshandlungen wurden, rechtzeitig die Symptome zu erkennen und sich an Spezialisten zu wenden. Ansonsten besteht in Zukunft ein erhöhtes Risiko, dass gerade diese Kinder Opfer oder selbst aggressiv werden und unfähig sind, sich selbst zu entfalten und kreativ zu werden.

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