Russland bereitet sich auf aktive Kampfhandlungen in den besetzten Gebieten vor

Russland bereitet sich auf aktive Kampfhandlungen in den besetzten Gebieten vor
25. März 2016.

Kiew, 25. März 2016  – Russland bereitet sich auf eine Wiederaufnahme aktiver Kampfhandlungen in den besetzten Gebieten vor. “Das Hauptziel ist, den Druck auf die Ukraine zu erhöhen, Bedingungen für eine Revision der Minsker Vereinbarungen zu schaffen und das Verhandlungsformat zu russischen Bedingungen zu ändern”, erklärte Wadym Skibizkyj, Vertreter der Hauptabteilung der ukrainischen Militäraufklärung im Verteidigungsministerium der Ukraine, während einer Pressekonferenz vor Journalisten im “Ukraine Crisis Media Center”.

Nach seinen Worten lässt die russische Führung breit angelegte operative und strategische Maßnahmen militärischer Art durchführen, wobei der Schwerpunkt auf Angriffsvorbereitungen gelegt wird. Skibizkyj nennt dabei konkrete Fakten, welche die ukrainische Militäraufklärung zusammengetragen hat. So wurde im Zeitraum vom 22. bis 24. März 2016 eine unangekündigte Überprüfung der Gefechtsbereitschaft der russischen Luftlandetruppen sowie Kommandostabsübungen im südlichen Militärbezirk der Russischen Föderation durchgeführt. “Zur Überprüfung der Gefechtsbereitschaft wurden Einheiten hinzugezogen, die bereits an der Annexion der Halbinsel Krim und an den Kämpfen im Donbass teilgenommen hatten. Insgesamt nahmen an den Truppenübungen ca. 30.000 Militärangehörige teil. Zum Einsatz kamen 3500 Einheiten von Militärtechnik und über 100 Flugzeuge”, erläuterte Skibizkyj. Er fügte hinzu, dass bei der Überprüfung der Gefechtsfähigkeit der russischen Streitkräfte der Einsatz von Stoßtrupps mit Luftangriffsverbänden (Bombengeschwader und Geschwader zur Unterstützung von Angriffen der Landstreitkräfte) trainiert wurde. Im vorübergehend besetzten Sewastopol hielt sich am 22. März 2016 der russische Verteidigungsminister Sergej Schojgu auf. Gleichzeitig üben die Armeekorps 1 und 2 Aspekte der Angriffsführung, darunter die Überwindung von Gewässern.

Laut dem Vertreter der ukrainischen Militäraufklärung haben die von Russland unterstützten Kräfte im Donbass die Intensität des Feuers auf ukrainische Verteidigungsstellungen erhöht und führen lokale Sturmangriffe im Gebiet der Ortschaften Awdijiwka und Nowotroizke durch. Ihr Ziel sei, die von ihnen kontrollierten Gebiete auszuweiten. “Es findet aktuell eine Umgruppierung der Truppenverbände der Armeekorps 1 und 2 im Bereich der vorderen Frontstellungen statt. Ebenso verbessern sie die technische und bauliche Ausstattung aller Frontstellungen entlang der gesamten Kontaktlinie”, fügte er hinzu. Wadim Skibizkyj berichtete, dass die von Russland unterstützten Kräfte die Stellungen der ukrainischen Streitkräfte im Wochenverlauf über 293 Mal beschossen hätten. Dabei hätten sie Artilleriesysteme mit einem Kaliber von 122 und 152 mm, Kampfpanzer, gepanzerte Kampffahrzeuge, Minenwerfer (Mörser) mit einem Kaliber von 82 und 120 mm und SU-23 Geschütze eingesetzt. Nach Erkenntnissen der ukrainischen Militäraufklärung vertreiben die von Russland unterstützen Kräfte gezielt die lokale Bevölkerung, zerstören ihre Wohnungen und Häuser, um so die sogenannte “Grauzone” (Pufferzone) auszuweiten.

Wadim Skibizkyj informierte die Anwesenden, dass im Wochenverlauf sechs russische militärische Aufklärungsdrohnen im ukrainischem Luftraum festgestellt wurden. Außerdem wurden entlang der Staatsgrenze zur Ukraine im Luftraum der Russischen Föderation vier Überflüge von SU-24MP Aufklärungsflugzeugen der russischen Streitkräfte festgestellt. Zurück zu den Ereignissen im Donbass. Nach den Angaben von Wadim Skibizkyj halten die von Russland unterstützten Kräfte weiterhin schwere Waffen in unmittelbarer Nähe der Kontaktlinie. Im Wochenverlauf wurden 33 Fälle von Verstößen gegen die Minsker Vereinbarungen festgestellt.

So wurden in der 15-Kilometer-Zone 47 Kampfpanzer und drei Minenwerfer, in der 25-Kilometer-Zone 61 Artilleriesysteme und Selbstfahrlafetten und in der 35-Kilometer-Zone 21-Raketenwerfersysteme des Typs “BM-21 Grad” mit einem Kaliber von 122 mm festgestellt.

Die ukrainische Militäraufklärung hat zudem festgestellt, dass Generalmajor Stepan Jaroschtschuk, Befehlshaber der Raketen- und Artillerietruppen im südlichen Militärbezirk der Russischen Föderation, das unmittelbare Kommando über Operationen der Artillerieverbände im vorübergehend besetzten Teil des Donbass ausübt. “Dieser General entscheidet persönlich über den Einsatz von Artilleriesystemen seitens der von Russland unterstützten Kräfte gegen die ukrainischen Streitkräfte und die friedliche Bevölkerung im Donbass”, unterstrich Wadim Skibizkyj. Der Befehlshaber der Artillerieverbände des 1. Armeekorps ist der ehemalige Offizier der russischen Streitkräfte, Oberstleutnant Igor Jagelskij.

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