Kyiv
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Warum ein Sowjet-Denkmal in Kiew nicht ganz zu einem Regenbogen wurde

Warum ein Sowjet-Denkmal in Kiew nicht ganz zu einem Regenbogen wurde
Kyiv, 02. Mai 2017.

Das Denkmal “Bogen der Völkerfreundschaft” in Kiew sollte für die Zeit des Eurovision Song Contest 2017, dessen Motto “Celebrate Diversity” (Vielfalt feiern) lautet, in den Farben eines Regenbogens erscheinen. Mit der Umgestaltung wurde auch schon begonnen. Doch das Projekt stieß auf Widerstand und wurde nicht vollständig umgesetzt.

Der aus Titan bestehende “Bogen der Völkerfreundschaft” ist Teil einer Skulpturengruppe, die im Jahr 1982 errichtet wurde, um an die “Vereinigung der Ukraine mit Russland” zu erinnern. So interpretierte die sowjetische Geschichtsschreibung den Vertrag von Perejaslaw im Jahr 1654, mit dem das Heer der Saporoger Kosaken einen Treueeid auf den Moskauer Zaren abgelegt hatten. Neben der Skulpturengruppe aus Granit steht unter dem Bogen eine Bronzeskulptur, die einen russischen und ukrainischen Arbeiter darstellt, die zusammen das Band der sowjetischen Völkerfreundschaft hoch halten.

Die Idee, das Denkmal farblich umzugestalten und es so in einen “Bogen der Vielfalt” zu verwandeln, hatte der Mitbegründer und Managing Partner des Kiewer Beratungsunternehmens CFC, Gennadij Kurotschka. Das Unternehmen hatte zuvor eine Ausschreibung für Dienstleistungen im Bereich der Kommunikation während des ESC 2017 in Kiew gewonnen. Dem Konzept nach sollte der Bogen mit bunter Folie beklebt werden, die nach dem Musikwettbewerb wieder entfernt werden sollte. “Ein solch starkes Symbol der Freundschaft zwischen zwei ‘Brudervölkern’, das vielen ein Dorn im Auge ist, kann man nur vom Sockel stoßen, wenn an seine Stelle ein anderes, stärkeres Symbol tritt, das viele Bedeutungen hat, wie ein Regenbogen”, erläuterte Kurotschka. Die Kiewer Stadtverwaltung stimmte der Umgestaltung zu und die Arbeiten begannen am 25. April.

Ein Teil der Kiewer Öffentlichkeit sah in der farblichen Umgestaltung des Bogens ein Symbol der LGBT-Gemeinschaft. Mehrere Bürgergruppen brachten ihren Unmut zum Ausdruck. Der Journalist und religiöse Aktivist Ruslan Kuchartschuk gehört zu den Gegnern einer solchen Installation. Er sagte gegenüber dem ukrainischen Sender Hromadske Radio: “Das ist eine Anspielung auf LGBT-Propaganda. Alles, was den Bogen der Völkerfreundschaft betrifft, geschieht ohne Zustimmung der Bürger Kiews. Die geltenden Verfahren zur Umgestaltung historischer Denkmäler von lokaler Bedeutung sind nicht eingehalten worden.”

Gegen die Umgestaltung des Bogens setzten sich auch Vertreter der rechten Parteien “Rechter Sektor” und “Swoboda” (Freiheit) ein. Der Sprecher des “Rechten Sektors”, Artem Skoropadskyj, sagte gegenüber der ukrainischen Nachrichtenagentur UNIAN: “Das ist versteckte LGBT- Propaganda. Es werden viele Menschen aus ganz Europa kommen. Und die Führung der Stadt Kiew will die Ukraine und die ukrainische Hauptstadt zur Hauptstadt der Unzucht machen”. Nach all dieser Kritik wurden die Arbeiten zur farblichen Umgestaltung des Bogens eingestellt.

Der Initiator des Projekts Gennadij Kurotschka lässt hingegen viel Spielraum zur Interpretation seiner Idee. Er reduziert sie nicht auf ein LGBT-Symbol. Zugleich lehnt er es aber auch nicht ab. Derzeit ist der größte Teil des Bogens mit Farbfolie bedeckt. Nur in der Mitte ist noch glänzendes Metall zu sehen. “Der Bogen ist jetzt farblich gestaltet. Wir lassen es jetzt so wie es ist”, schrieb Kurotschka in einem Kommentar auf Facebook. “Es so zu lassen wie es ist, ist wirklich eine starke und ehrliche Geste”, schrieb daraufhin die Kunstexpertin Tamara Slobina, die sich auch mit Genderforschung befasst.

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