Kiew
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Die Geschichten jener, die Konzentrationslager erlebten: Fotoprojekt des deutsch-italienischen Künstlers in Lwiw

Die Geschichten jener, die Konzentrationslager erlebten: Fotoprojekt des deutsch-italienischen Künstlers in Lwiw

Die Fotos ehemaliger KZ-Häftlinge, die der deutsch-italienische Fotograf Luigi Toscano machte, sind die Grundlage des ersten Großprojekts im Museumskomplex „Territorium des Terrors“ in Lwiw. Das Projekt trägt den Namen „Gegen das Vergessen“ und besteht aus einer Fotoserie mit Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs zu Opfern des Nationalsozialismus wurden.

Luigi Toscano traf die Protagonisten des Projekts in Deutschland, in den USA, in Israel, in der Ukraine und in Russland. Es sind ehemalige Häftlinge von Gettos und Konzentrationslagern, sowie “Ostarbeiter”, die nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Während eines Jahres trug der Fotograf über 200 Geschichten zusammen, von denen jede einzelne Aufnahme erzählt. Die Fotos werden auf dem Museumsgelände unter freiem Himmel großformatig gezeigt – zwei mal drei Meter. An jedem Bild steht eine kurze Geschichte der abgebildeten Person.

Das Projekt besteht auch aus einem gleichnamigen Fotoalbum und einer Smartphone-App. Derzeit arbeitet Luigi Toscano an dem Dokumentarfilm „Gegen das Vergessen“, der sich auf die Interviews mit den Protagonisten der Fotos stützt. Die Ausstellung hatte im September 2015 in Mannheim, Deutschland, der Heimatstadt des Fotografen, ihre Premiere. Die Fotos wurden in den Fenstern des alten Feuerwehrhauses ausgestellt. Ein Jahr später, im September 2016, kam das Projekt zuerst nach Kiew in die Ukraine und dann nach Dnipro. In Lwiw läuft die Ausstellung noch bis zum 10. September.

Das Ziel des Museums „Territorium des Terrors“ ist, die Repressionen und den Totalitarismus der Regime im 20. Jahrhundert in der Ukraine zu untersuchen und darüber nachzudenken. Im Fokus der Forschung steht unter anderem die Zeit des Zweiten Weltkriegs und die Sowjetepoche. Das Museum befindet sich auf dem Platz eines ehemaligen Gettos – des größten Osteuropas (1941-1943), das in der Sowjetzeit dann in ein Gefängnis umgebaut wurde (1944-1955). In den zwei Jahren der deutschen Okkupation wurden im Getto von Lwiw und im Janowska Konzentrationslager über 250.000 Menschen umgebracht; der bedeutendste Teil davon waren Juden. In den 10 Jahren der Gefängniszeit durchliefen über 500.000 Menschen aus Galizien, Wolhynien, den Sakarpaten und Bukowina das sowjetische Lager. Der Großteil bestand aus Mitgliedern der Nationalen Befreiungsarmee und aus Kriegsgefangenen. Auf dem Gelände des Museumskomplexes (Tschernowola-Straße 25) sind zwei Baracken, Wachtürme, Absperrungen aus Stacheldraht und andere Infrastrukturobjekte aus jener Zeit nachgebildet.

Quelle: Museumskomplex „Territorium des Terrors“

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