Kiew
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Gefangen in Russland – Ukrainer, die 2017 festgenommen wurden

Gefangen in Russland – Ukrainer, die 2017 festgenommen wurden

Mitte Oktober hat das Ermittlungskomitee Russlands mitgeteilt, dass erneut ein ukrainischer Staatsbürger auf dem Gebiet der Russischen Föderation festgenommen wurde. Die ukrainische Wochenzeitschrift “Tyschden” erinnert daran, wer noch in diesem Jahr von Russland, dem Aggressor-Staat, gefangen genommen wurde. Das Ukraine Crisis Media Center hat den Artikel zusammengefasst.

Wegen Aktionen, die “gegen Russland gerichtet sind”

Das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation berichtete am 18. Oktober, dass in der Region Rostow ein ukrainischer Staatsbürger verhaftet wurde, der angeblich in Aktivitäten der Organisation “Rechter Sektor” involviert war. Nach Angaben der russischen Behörden lautet der Name des Inhaftierten Roman Ternowskyj.

“Es wurde festgestellt, dass Ternowskyj als Mitglied der Organisation ‘Rechter Sektor’ wiederholt an Mahnwachen, Kundgebungen und anderen öffentlichen Veranstaltungen auf ukrainischem Territorium teilgenommen hat”, heißt es in der Erklärung.

Die russischen Beamten weisen darauf hin, dass Ternowskyjs Aktivitäten “sich gegen die Interessen Russlands richten”. Nach Ansicht der Ermittler sind sie als solche einzustufen, die strafrechtlich zu ahnden sind – und zwar nach dem Strafgesetzbuch der Russischen Föderation:  wegen Beteiligung an den Aktivitäten einer extremistischen Organisation.

Zur gleichen Zeit erklärte der Pressesprecher des “Rechten Sektors”, Artem Skoropadskyj, dass der inhaftierte Ternowskyj längst nicht mehr Aktivist der Organisation sei.

Wegen “Überschreitung der Grenze der Russischen Föderation”

Der staatliche Grenzschutz der Ukraine teilte mit, dass am 3. Oktober die beiden Grenzbeamten Ihor Dsjubak und Bohdan Marzoni verschwunden sind, als sie die Grenze zu Russland in der Region Sumy überwachten. Am folgenden Tag bestätigte die Russische Föderation offiziell die Verhaftung der beiden ukrainischen Grenzschützer.

Einige Tage später, am 6. Oktober, verweigerte Russland dem ukrainischen Konsul, die beiden Gefangenen zu besuchen. Die russischen Behörden erklärten, die Identität der Männer sei angeblich noch nicht geklärt worden. Dsjubak und Marzoni wurden am 9. Oktober von einem russischen Gericht für zwei Monate verhaftet. Am 13. Oktober beschuldigte der russische Geheimdienst FSB die ukrainischen Grenzwächter, eine Straftat begangen zu haben, die unter den Artikel des russischen Strafgesetzbuches “Illegales Überschreiten der Staatsgrenze der Russischen Föderation” falle.

Der Chef des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine, Olexandr Turtschynow, erklärte im Zusammenhang mit der Festnahme, die beiden ukrainischen Grenzschützer seien auf neutralem Gebiet gefangen genommen worden. “Es wurde festgestellt, dass die Grenzbeamten auf neutralem Gebiet, also auf dem Territorium der Ukraine, gefangen genommen wurden. Das ist reiner Terrorismus seitens Russlands gegen unser Land”, sagte Turtschynow.

Wegen “Mitgliedschaft in extremistischen Organisationen”

Am 6. September verhaftete der Föderale Sicherheitsdienst Russlands (FSB) Olexsandr Schumkow, einen ehemaligen Leibwächter des Parlamentsabgeordneten Dmytro Jarosch (“Rechter Sektor”). Schumkows Mutter zufolge verschwand ihr Sohn Ende August – er sei “einfach nicht mehr von der Arbeit zurückgekehrt”. Zugleich erklärte der ukrainische Grenzschutz, Jaroschs Ex-Leibwächter habe am 23. August per Auto legal die ukrainisch-russische Grenze überquert.

Später, am 11. Oktober, wurde bekannt, dass Schumkow festgenommen wurde und sich in einem russischen Gefängnis befindet.

Wegen “Terrorismus”

Der ehemalige Grenzbeamte Ihor Hryb, der sich mit dem Aufbau eines Seelsorge-Dienstes in den ukrainischen Sicherheitsbehörden befasst, berichtete am 28. August, sein Sohn Pawlo sei vom russischen Geheimdienst während eines Aufenthalts in Belarus entführt worden.

“Am 24. August 2017 fuhr mein Sohn Pawlo (19) in die Stadt Gomel, um sich dort mit einem Mädchen zu treffen. Er hatte sie in einem sozialen Netzwerk kennenlernt und mit ihr dort gechattet – erst bei Vkontakte und dann über Skype”, so der Vater. Ihm zufolge hatten sich sein Sohn und das Mädchen aus Russland zu einem Treffen im belarussischen Gomel verabredet.

Wie sich herausstellte, stand der nun inhaftierte 19-Jährige auf einer Fahndungsliste der Russischen Föderation. Ihm wird nach Artikel 205 des russischen Strafgesetzbuches Terrorismus vorgeworfen. Initiiert wurde die Fahndung vom russischen FSB in der Region Krasnodar.

Am 18. Oktober verlängerte ein Bezirksgericht in Krasnodar die Haft von Pawlo Hryb bis zum 4. Januar 2018. Im August war er in Krasnodar bereits für zwei Monate inhaftiert worden.

Wegen “Schmuggel von Waffen und Sprengstoff”

Der russische FSB erklärte am 4. Mai, dass in Krasnodar ein Ukrainer festgenommen wurde. Er stehe unter Verdacht, nach Russland geschmuggelte Waffen und Sprengstoff verkauft zu haben.

Laut dem Bericht haben Sicherheitskräfte angeblich einen “Kanal zum Schmuggel von Waffen, Munition und Sprengstoff aus der Ukraine” trocken gelegt.

“In Krasnodar wurde beim Verkauf von Waffen ein ukrainischer Staatsbürger festgenommen. Er wird verdächtigt, ein Verbrechen begangen zu haben”, sagte der Sprecher des russischen Geheimdienstes, ohne das Datum der Festnahme zu nennen.

Zur “Identifizierung der Person”

Am 21. März verhaftete die Moskauer Polizei einen ukrainischen Journalisten. Es handelt sich um den Korrespondenten der Nachrichtenagentur UNIAN, Roman Zymbaljuk, der in Russland tätig ist. Zusammen mit ihm wurden der Kameramann des ukrainischen TV-Senders “1+1”, Mykyta Borodin, und ein Student mit dem Nachnamen Sarapulow festgenommen.

Wie der Journalist erläuterte, habe er ein Interview mit dem Studenten aufgenommen. Dieser haben am dritten Jahrestag der Annexion der Krim eine ukrainische Flagge gehisst.

Später, am selben Tag, meldete Zymbaljuk, dass er aus der Polizeidienststelle wieder entlassen worden sei.

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