Russische Attacke im Asowschen Meer: Was ist über die gefangenen Ukrainer bekannt?

Russische Attacke im Asowschen Meer: Was ist über die gefangenen Ukrainer bekannt?
28. November 2018.

Die Ausrufung des Kriegsrechts in zehn Regionen des Landes aufgrund der russischen Aggression gegen ukrainische Schiffe im Asowschen Meer wird in der Ukraine und weltweit heftig diskutiert. Die Frage, was mit den von russischen Militärs gefangen genommenen ukrainischen Seemännern passiert, ist eine der dringendsten. Was ist über ihr Schicksal bekannt? Einzelheiten vom Ukraine Crisis Media Center:

Status von Kriegsgefangenen. Nach der Genfer Konvention von 1949 gelten die ukrainischen Seemänner, die am 25. November von der Russischen Föderation gefangen genommen wurden, als Kriegsgefangene. Nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte sind es 23 Personen, darunter zwei Angehörige der Spionageabwehr des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU). Die meisten Gefangenen sind zwischen 18 und 27 Jahre alt. Sie stammen aus verschiedenen Regionen der Ukraine.

Namen und Nachnamen. Am Morgen des 26. November veröffentlichten russische Medien die Namen von drei Matrosen, die den Seestreitkräften der Ukraine angehören und auf dem Boot “Berdjansk” im Einsatz waren. Sie wurden angeblich nur leicht verletzt und wurden im Krankenhaus Nr. 1 der Stadt Kertsch operiert. Laut der Chefredakteurin der Webseite “Kerch.fm”, Bella Demodowitsch, werden die ukrainischen Seemänner im Krankenhaus vom russischen Föderalen Sicherheitsdienst (FSB) bewacht. Am Abend wurden die Namen und Fotos von 22 Gefangenen auf der Webseite “Info Resist” veröffentlicht.

Aussagen unter Druck. Ebenfalls am 26. November veröffentlichte der FSB ein Video, in dem die drei ukrainischen Matrosen Wolodymyr Lisowyj, Iwan Dratsch und Serhij Zybisow angeblich gestehen, die russische Grenze illegal überschritten zu haben. Zu sehen ist aber, dass die Männer ihr “Geständnis” ablesen. Die Männer beschreiben während ihres “Geständnisses” die Route der ukrainischen Schiffe und wiederholen, dass sie während der Fahrt “in die Hoheitsgewässer Russlands eingedrungen” seien.

Erklärung des Befehlshabers der ukrainischen Seestreitkräfte. Admiral Ihor Worontschenko sagte im ukrainischen Fernsehsender “ICTV”, dass die in der Meerenge von Kertsch gefangen genommenen Seemänner gezwungen worden seien, falsche Aussagen zu machen. “Die Schiffsbesatzungen befinden sich derzeit an verschiedenen Orten. Drei Militärs, ein Offizier und zwei Berufssoldaten, die verletzt wurden, befinden sich in einem Krankenhaus in der Stadt Kertsch. Die Schiffe befinden sich in einer Basis, wo Schiffe des FSB stationiert sind”, so Worontschenko. Er fügte hinzu: “Es gibt ein Video mit drei Matrosen, die unter psychischem und physischem Druck ausgesagt haben. Ich kenne diese Matrosen aus Nikopol. Sie waren immer ehrliche Profis. Das, was sie jetzt sagen, stimmt nicht.” Worontschenko betonte, zwei Militärs würden von der Krim stammen, wo auch ihre Eltern leben würden. Der Befehlshaber der ukrainischen Seestreitkräfte befürchtet, dass dies als Druckmittel gegen die Männer verwendet wird.

Offener Brief an die Gefangenen. Der Befehlshaber der ukrainischen Seestreitkräfte, Ihor Worontschenko, wandte sich an die von den Russen festgehaltenen Seemänner. Das berichtet der Journalist des russischen Dienstes von “Radio Liberty”, Anton Naumljuk, auf Facebook. Jedem der Gefangenen soll über Anwälte ein Brief zugestellt werden.

“Kameraden! Ich weiß, wie schwer es für Euch jetzt ist. Alle Angehörigen der Seestreitkräfte haben Verständnis für die sogenannten Geständnisse, die man von Euch jetzt versucht zu bekommen. Schließlich sind die Methoden der russischen Geheimdienste für niemanden ein Geheimnis. Ich habe selbst 2014 erlebt und weiß, wie es in Gefangenschaft ist und was sich hinter den Worten verbirgt, die Ihr während des Verhörs gesagt habt. Meine wichtigste Aufgabe ist jetzt, Euch nach Hause zu holen. Die Ukraine unternimmt alle möglichen Anstrengungen, um Euch aus der Gefangenschaft zu befreien, darunter auch unter Einbeziehung der Weltgemeinschaft. An Eurer Befreiung arbeiten die Administration des Präsidenten der Ukraine, das Außenministerium, das Ministerium für die vorübergehend besetzten Gebiete, die Menschenrechtsbeauftragte des Parlaments, das Rote Kreuz, Freiwillige und Menschenrechtler. Wir sind eine Crew, eine Familie, wir kämpfen gemeinsam mit Euch, bis Ihr nach Hause kommt.”

Gericht nimmt vier Matrosen in Haft. Ein Gericht der russischen Besatzer in Simferopol hat beschlossen, vier ukrainische Matrosen, die in der Nähe der Meerenge von Kertsch festgenommen wurden, in Haft zu nehmen. Die ukrainischen Militärs Wolodymyr Warimes, Serhij Zybisow und Viktor Bespaltschenko wurden für zwei Monate verhaftet, Andrij Oprysko für einen Monat und 29 Tage.

Die Nachrichtenagentur “Reuters” hat Fotos veröffentlicht, auf denen die ukrainischen Matrosen vor dem Gerichtsgebäude zu sehen sind.

Am Morgen des 27. November wurde bekannt, dass etwa acht Anwälte von der Krim die ukrainischen Matrosen verteidigen sollen. Vor dem Gerichtsgebäude befand sich auch der Koordinator der “Kontaktgruppe für Menschenrechte” auf der Krim, Abdureschit Dschepparow. “Das war wirklich eine militärische Operation. Man kann sie als Kriegsgefangene betrachten. Es hat sogar was von Piraterie”, sagte er gegenüber der Webseite “Krym.Realii”.

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