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NGOs fördern bei Kindern Liebe zu Büchern und Selbstwertgefühl

Патріотичне виховання дітей Маріуполя. Ініціатива «Читацький клуб» та «Пласт». УКМЦ, 30.09.16

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In den vergangenen Jahren hat sich in der Ukraine dynamisch eine Freiwilligen-Bewegung und Zivilgesellschaft entwickelt. NGOs helfen nicht nur der Armee, bekämpfen nicht nur Korruption und sorgen für Veränderungen bei öffentlichen Dienstleistungen, sondern leisten auch einen wesentlichen Beitrag zur Erziehung der jungen Generation. Kinder sind die Zukunft jeder Nation. Deswegen ist es äußerst wichtig, bei ihnen Selbstwertgefühl und Gefallen an einem gesunden Lebenswandel zu fördern. NGOs aus Mariupol berichten über ihre Initiativen.

Kiew, 30. August 2016 – Nach dem Beginn der Kampfhandlungen im Osten der Ukraine ist Mariupol zum Zentrum des kulturellen Lebens der Region Donezk geworden.

Noch vor einigen Jahren wollte man in der Stadt die Bibliotheken schließen. Doch diese Entscheidung der lokalen Behörden stieß dazu an, einen neuen Ansatz zum Lesen von Büchern zu entwickeln. Es stellte sich heraus, dass viele Eltern von Kindern in Mariupol keine modernen ukrainischen Autoren kennen, und dass ihre Bücher im Vergleich zu denen ausländischer Autoren günstiger sind.

Leseklub in Mariupol

Bei lokalen Aktivisten kam die Idee auf, einen Leseklub für Kinder unter dem Motto “Mariupol liest Kindern vor” zu gründen. Erwachsene entschieden sich, Kindern moderne ukrainische Literatur vorzulesen. Das berichtete Olexandra Wachsmann, Koordinatorin der Initiative “Leseklub”, während einer Pressekonferenz im Ukraine Crisis Media Center (UCMC) im Rahmen des UCMC-Projekts “Sprecher des friedlichen Lebens”, das vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland unterstützt wird.

Neue Lesetraditionen

Anastasia Ponomarjowa, ebenfalls Koordinatorin beim “Leseklub”, sagte, dass die heutigen Bedürfnisse der Kinder gar nicht berücksichtigt würden. Sie würden sich für zeitgenössische Literatur interessieren, und nicht für die gewohnten Bücher, aus denen man Kindern vor einigen Jahrzehnten vorgelesen habe.

Sehr oft bringen Menschen Lesen mit Zwang in Verbindung. In Schulen müssen Kinder Bücher lesen, der Lesegeschwindigkeit und Noten wegen. Und in Bibliotheken wird man gezwungen, still zu sein, was die Lust auf Lesen verdirbt. Mithilfe von Lesungen in Gruppen an verschiedenen Orten in einer lockeren Atmosphäre, aber auch mithilfe von Theateraufführungen ist es dem “Leseklub” gelungen, Kinder zum Lesen von Büchern zu animieren. Die Organisatoren sind überzeugt, dass Bücher bei Kindern positive Emotionen und Assoziationen hervorrufen.

Der Initiative in Mariupol haben sich inzwischen bekannte ukrainische Schriftsteller angeschlossen, darunter auch Serhij Schadan.

Eine Veranstaltung ist auf etwa 25 Kinder angelegt, nur so kann den Organisatoren zufolge jedem Kind genug Aufmerksamkeit geschenkt werden. Altersbegrenzungen gibt es keine. Um an den monatlichen Lesungen teilhaben zu können, muss man sich bei der entsprechenden Gruppe auf Facebook registrieren. Derzeit gibt es sehr viele Anfragen bezüglich solcher Lesungen.

Keine modernen Bücher vorhanden

Die Veranstalter der Lesungen beklagen, in Mariupol gebe es fast keine moderne ukrainische Literatur, obwohl großer Bedarf bestehe. Deswegen steht der “Leseklub” mit Verlagen in Verhandlungen, damit diese Buchausstellungen organisieren und ihre Bücher in die Stadt bringen.

Pfadfinderorganisation “Plast”

Hennadij Iwantschenko, führender Vertreter der ukrainischen Pfadfinderorganisation “Plast”, berichtete über die Aktivitäten seiner Organisation. “Plast” erziehe Jugendliche als bewusste, verantwortungsvolle und vollwertige Bürger der lokalen, nationalen und internationalen Gemeinschaft, als Anführer der Gesellschaft. Die Grundprinzipien der Organisation seien Moral, ein gesunder Lebenswandel und Respekt gegenüber dem Vaterland. In den Pfadfinderlagern hätten die Kinder die Möglichkeit, Fähigkeiten in verschiedenen Sportarten, bei Aktivitäten zu Wasser und in der Luft, in der Kunst, Archäologie und beim Umweltschutz zu erwerben.

Den Pfadfindern beitreten können sowohl Kinder als auch Erwachsene zwischen sechs und 90 Jahren. Zurzeit gibt es in der Ukraine 140 Pfadfindercamps. Die Mitglieder haben die Möglichkeit, alle Camps in der Ukraine zu besuchen und die lokale Kultur kennenzulernen.

In Mariupol wurde 1998 eine Pfadfinderorganisation gegründet. Vor zehn Jahren erlebte die Organisation, die ehrenamtlich tätig ist, wegen Mangels an Erziehern einen Niedergang. Doch jetzt haben sich den Pfadfindern neue Menschen angeschlossen, die die Organisation weiterentwickeln wollen.

“Die Entwicklung der Pfadfinderorganisation “Plast” ist heute sehr wichtig, weil sie dazu beiträgt, ein Gefühl für nationale Würde zu erziehen. Die Wiedergeburt der Ukraine ist ohne die Erziehung eines bewussten Bürgers nicht möglich”, betonte Iwantschenko.